Dieses Buch diskutiert die aktuelle Bankenkrise und deren eigentliche Ursache.
Zunächst beschreibt der Autor einige Krisen des 20. Jahrhunderts, u. a. die Weltwirtschaftskrise und Japan. Daraus wird ersichtlich, dass die jetzt vorgeschlagenen und durchgeführten Maßnahmen (Konjunkturprogramme, Leitzinsen nahe Null) schon ausprobiert wurden und nichts brachten.
Die Ursachen der aktuellen Bankenkrise wurden lange nicht richtig bewertet. Sie sind in der Kreditpolitik der Banken (z. B. Beleihung von Häusern zu 120 Prozent des Wertes) und vor allem in der Geldpolitik der Zentralbank zu finden. Die Vorhersagen der Experten waren meist falsch. So konnten sie z. B. keine Inflation erkennen, weil das allgemeine Preisniveau stabil blieb: Man muss jedoch die relativen Preise beachten (dieses Mal stiegen die Preise von Immobilien; vor der Weltwirtschaftskrise waren es die Aktien). Der damalige US-Notenbankchef Greenspan wird mit der Comicfigur Homer Simpson verglichen, welche Alarme im Atomkraftwerk beseitigt, indem sie Limonade auf die Signallampe schüttet (bei Greenspan war es "Liquidität".
Daran schließt sich eine lesenswerte Chronik der Krise und der "Rettungsprogramme" an, worauf zum besseren Verständnis eine kurze Geschichte des Geldes folgt.
Zunächst gab es nur Münzgeld. Dieses wurde zur Vereinfachung umfangreicher Käufe bei Goldschmieden hinterlegt, welche dafür Quittungen ausstellten. Bald wurden mehr Quittungen ausgestellt, als Münzen eingelagert waren. John Law schlug der bankrotten französischen Regierung im 18. Jahrhundert ein reines Papiergeld ohne jegliche Deckung vor. Auf dessen Grundlage konnten die Staatsausgaben gesteigert werden. Es kam zu einem Aktienboom, der jedoch zusammenbrach. Als Ausweg wurde der Goldstandard eingeführt, welcher die Geldschöpfung begrenzte. In den Jahren 1971 und 1973 beseitigte der US-Präsident Nixon die letzten Reste des Goldstandards. Seitdem häufen sich die Krisen, u. a. bei Banken, Aktien und Währungen. Diese Schwankungen machten neuartige Versicherungen notwendig, woraus Futures, Swaps und andere Finanzderivate entstanden. Experten dachten sich ausgefeilte Modelle zur Stabilisierung und Vorhersage aus. Als diese fehlschlugen, beeilte sich die US-Notenbank mit Hilfsmaßnahmen. Statt einer Verbesserung (besser: Abschaffung) der Modelle verlässt man sich seitdem auf staatliche Hilfen.
Im Anschluss werden die neuen Derivate beschrieben und die Rolle der Ratingagenturen diskutiert. Bei diesen wurde vor längerer Zeit die Vergütung vom Käufer der Anleihen auf deren Ausgeber verlagert. Der Wettbewerb führte deshalb dazu, dass die Ratingagenturen den Unternehmen hohe Bewertungen liefern mussten.
Das letzte Kapitel bietet eine Zusammenfassung der Argumente. Die eigentliche Ursache der aktuellen Bankenkrise liegt in der Geldpolitik der Zentralbanken. Die Automatisierung des Aktien- und Derivatehandels durch Computermodelle verstärkte die Konjunkturschwankungen. Im Euroraum erzeugt die unterschiedliche Wirtschaftspolitik der Mitgliedstaaten zusätzliche Instabilität, weil die EZB einen damit nicht zu vereinbarenden einheitlichen Leitzins festlegen muss. Zusätzliche Regulierungsmaßnahmen können gegen die Geldpolitik der Zentralbanken nichts ausrichten. Der Staat kann über seine Konjunkturprogramme nur Geld (und Arbeit) umschichten. Die "Allgemeine Theorie" von Keynes ist nach Ansicht des Autors irrational und nur Zauberei. Sie hat auch nicht die Weltwirtschaftskrise beendet (der so genannte Multiplikator der Staatsausgaben für die entscheidenden Jahre ist 0,8; das Staatsgeld ist also zu 20 Prozent versickert).
Der Autor sieht die primäre Ursache der Bankenkrise in der Aufhebung des Goldstandards durch Nixon, welche die aggressive Geldpolitik der Notenbank erst ermöglichte. Wie bei John Law musste auch diese 30-jährige Blase platzen. Wenn das jetzt unterbunden wird, muss die nächste Krise zwangsläufig noch größer sein. Deshalb wird die aktuelle Verfassung des internationalen Finanzsystems mit der "Weltvernichtungsmaschine" aus dem Film "Dr. Seltsam" verglichen.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Obwohl der Ablauf eines Konjunkturzyklus weder erläutert noch theoretisch begründet wird, ist die Darstellung aus der Sich der "österreichischen Schule" der Volkswirtschaftslehre richtig: Die Geldpolitik der Zentralbanken steuert über Zinsmanipulationen die Konjunktur und die Inflation erhöht die Preise in bestimmten Branchen. Die Aufhebung des Goldstandards musste deshalb die in dem Buch dargestellten Folgen haben. Am Ende fordert der Autor das Ende der Kreditexpansion; man weiß aber nicht, ob damit eine Forderung nach einer Wiedereinführung des Goldstandards verbunden sein soll. Ich würde das jedenfalls begrüßen.