Die Schriften Wilhelm Oswalds (Nobelpreis für Chemie 1908 und Naturphilosoph), der wie Ernst Haeckel ein überzeugter Monist war, haben mich zu Ernst Haeckels "Die Welträtsel" geführt. Oswald und Haeckel haben sich gekannt und gegenseitig beeinflusst. Ernst Haeckel war darüberhinaus ein geradezu leidenschaftlicher Anhänger Darwins. Im Rahmen der Erkenntnisse zu seiner Zeit, stimme ich Ernst Haeckels monistischer Weltanschauung zu. Befremdlich und völlig unverständlich ist es jedoch, wenn dieser große Geist "Neger" als Untermenschen beschreibt und sie eher den Affen zuordnet. Solche und ähnlich verfehlte Schlussfolgerungen Haeckels, dessen Arbeiten in der Naturwissenschaft und Philosophie um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert Gewicht hatten, wenn auch unter Fachleuten heftig diskutiert und umstritten, führten zu einem widerwärtigen Sozialdarwinismus, dessen menschenverachtende Folgen sich wenige Jahrzehnte später im Rassenwahn der NS-Zeit zeigte. Die allgemeine Überheblichkeit der Wissenschaften und die Hörigkeit der Gebildeten zu dieser Zeit haben dazu ihren Beitrag geleistet.
Als leidenschaftlich kann man auch Haeckels Kritik am Papsttum und dem religiösen Dualismus bezeichnen. Heute, über 100 Jahre später, hat diese Kritik immer noch ihre volle Berechtigung. Vielleicht heute, gerade heute, nach erneuten skandalösen Vorkommnissen, mehr denn je.
Monistische Naturwissenschaft und naturphilosophische Anschauungen sind so alt wie Naturwissenschaft und Philosophie selbst. Demokrit (etwa 400 v.Chr.) oder die chinesische Naturwissenschaft und Philosophie (älter) hatten bereits monistische Vorstellungen von der Welt. Bereits von da an lässt sich eine gerade Linie ziehen u.a. über Haeckel, Einstein, Heisenberg, Schrödinger u.a.m. bis zu den empirischen Erkenntnissen der Kosmologen Steven Hawking und Roger Penrose.
Ernst Haeckels "Die Welträtsel" bezeichne ich als Standardwerk der Naturphilosophie. Man gewinnt beim Lesen, wenn man es mit dem Wissen des 21. Jahrhunderts liest.