Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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30 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Der Jüngste Tag, oder was?, 5. Februar 2009
Mit diesem Band führt Alan Weisman ein faszinierendes Gedankenexperiment durch, es besteht darin, dass die gesamte Menschheit von diesem Planeten verschwindet. Dabei begibt er sich nicht auf das Glatteis, die Menschheit durch einen Meteoreinschlag, eine nukleare Katastrophe oder eine schleichende Umwelttragödie ausrotten zu lassen. Nein, fast sieben Milliarden Menschen verschwinden - einfach so, in einem Abwasch.
Obwohl dies nicht sehr wahrscheinlich ist - zumindest hoffe ich, zu diesem Zeitpunkt nicht mehr auf diesem Planeten zu wandeln - hat Weisman seine These sehr sorgfältig analysiert und keine Mühe gescheut, alle Konsequenzen seines Szenarios zu erforschen. Er bereiste die Welt und sprach mit Biologen, Ingenieuren, Stammesältesten, Physikern, Paläontologen und anderen, die zu diesem Thema etwas beitragen könnten.
So ist er in der Lage, auch Fragen zu beantworten, deren Antworten wahrscheinlich niemanden interessieren, weil sie entweder offensichtlich sind oder besser bekannt sind als wir uns wünschen. Gleich zu Anfang seines Buchs versucht er den Leser persönlich anzusprechen, indem er beschreibt was es kostet, ein Haus (das des Lesers natürlich) vor dem Verfall zu retten, sodass es sich die Natur nicht zurückholt bevor es die Bank tut (obwohl die Banken vor allem in U.S. of A. rasant schnell sind). Tja, trotzdem is die Natur stärker und kann sich schneller erholen, als alles was der Mensch je erschaffen hat - ausser vielleicht Styropor und sichtbare Beweise wie die unterirdische Stadt Derinkuyu in der Türkei oder die ägyptische Pyramide von Khufu, obwohl letztere nach einigen Millionen Jahren wohl auch nicht mehr besonders pyramidal aussehen dürfte.
Aber Weismans Hypothesen sind umso überzeugender je grösser der Massstab innerhalb dessen er elaboriert, speziell wenn es um New York City geht, das offenbar schon heute äusserst schwer gegen die Naturkräfte zu verteidigen ist. Weisman stieg in New Yorks Unterwelt und sprach mit Ingenieuren und Arbeitern, die täglich nur damit beschäftigt sind, etwa 60 Millionen Liter Atlantik-Wasser zurückzudrängen. Ohne diese Arbeiter würde das gesamte U-Bahn Netz innerhalb von 36 Stunden absaufen. Die Strassen würden einbrechen und die Lexington Avenue zu einem gewaltigen Fluss anschwellen. Innerhalb weniger Jahre wäre die Stadt von der Natur zurückgewonnen, Wasser hätte die gesamte unterirdische Infrastruktur zerstört, Pflanzen bahnten sich ihren Weg durch Trottoirs und Häuserfassaden und bald wären auch etliche Arten von Wildtieren zurück.
Weisman ist ein exzellenter Reporter, sein Stil ist klar und manchmal sogar elegant, aber seine Schlussfolgerungen werden allzu oft von einer unpassenden Schadenfreude begleitet und je desaströser die Resultate seiner Überlegungen, desto triumphierender kann er klingen.
Aber Weisman lässt uns nicht allein. Im letzten Kapitel bietet er uns die einzige Lösung, um alle Probleme dieses Planeten zu lösen (one-size-fits-all), nämlich die eine Frau ein Kind" Theorie. Sogar als Denkexperiment klingt dies nach einer drakonischen Massnahme, aber andererseits funktioniert diese Politik hervorragend in China - oder etwa doch nicht? Auf seine charakteristische Art spricht Weisman die dunkelsten Teile unseres kollektiven Unbewussten an, auch einige der befremdlichsten.
Trotz der erwähnten kleinen Schwächen ist Die Welt ohne uns" absolut lesens- und empfehlenswert.
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94 von 104 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Hab's mir anders vorgestellt, 29. April 2008
Gedankenspiele à la "Was wäre wenn ..." haben mich von jeher interessiert - vom ganz kleinen Detail (z. B. was wäre wenn ich 10 Minuten später über die Straßenkreuzung gehe) bis hin zu so großen und umfassenden Fragen wie die, die sich der Autor als Thema des Buches gewählt hat - Was wäre wenn morgen alle Menschen verschwunden sind?
Man macht sich natürlich seine eigenen Gedanken darüber: Wie lange würden die Häuser stehen, was würde aus unseren Haustieren werden, wie schnell könnte der Grad der Umweltverschmutzung rückgängig gemacht werden usw. Zunächst scheint das Buch auch in diese Richtung zu gehen, mit der Beschreibung, wie ein Haus in sich zusammenfällt oder was mit der New Yorker U-Bahn geschähe. Für meinen Geschmack etwas zu detailreich geschildert - man muss ja nun nicht jede einzelne Schraube unter die Lupe nehmen. Aber okay, dachte ich, vermutlich gibt es nicht sooo viel zu betrachten und irgendwie muss der Mann ja die über 360 Seiten gefüllt haben. Leider kippte das Verhältnis dann ziemlich stark um. Was zunächst zu viel war, wurde plötzlich viel zu wenig, so dass ich mich wirklich nach einigen Seiten fragen musste, was das jetzt noch mit dem Thema zu tun hat. Klar, um ein Verständnis für ein Zukunftsszenario zu bekommen, muss man einen Blick in den Ist-Zustand werfen und kommt dabei nicht um Physik oder Chemie herum. Z. B. warum Plastik fast unzerstörbar ist, welche Halbwertzeit diverse radioaktive Stoffe haben, wie das Leben im Wasser in diversen Korallenriffs aussieht, welche chemischen oder physikalischen Vorgänge bei der Produktion von XYZ ablaufen usw. Ohne diese Beleuchtung verstünde man wohl nur die Hälfte von dem Bild der Zukunft. Auch hier hatte der Autor wieder eine Menge Wörter aufgetürmt um wenig zu sagen. Und jedes Mal wenn es dann an den entscheidenden Punkt kam - Unterrichtsstunde beendet, jetzt wird das Zukunftsszenario aufgebaut - war ich völlig enttäuscht darüber, dass das eigentliche Thema in wenigen Zeilen lieblos hingeklatscht wurde wie ein Rührei in die Pfanne. Peng, da liegt es. Und nun? Sprung zum nächsten Thema, seitenweise Palaber, nächstes Ei hinklatschen, neues Thema.
Okay, nach der Hälfte des Buches dachte ich: Dass ich irgendwie völlig andere Vorstellungen von so einem Buch habe, ist ja nicht die Schuld des Autors. Ich hatte mir mehr etwas wie ein Bild aus Worten vorgestellt: Morgen sind alle Menschen weg, unsere Pflanzen in den Wohnungen werden wohl vertrocknen, nach wenigen Tagen werden die wilden Tiere freimütiger in den Städten herumstreunern und nach Essbarem suchen, nach x Tagen fällt die Notversorgung in Kraft-, Gas- und Wasserwerken aus - dadurch wird es zu Explosionen oder was auch immer kommen, nach x Wochen geschieht dies, nach x Jahren das usw. Eigentlich so ähnlich wie es in dem Zeitstrahl ganz vorn und ganz hinten knapp dargestellt wird. Aber Pustekuchen. Mit erhobenem Zeigefinger schimpft der Autor über die Menschen und was sie alles anrichten. An vielen Stellen war ich doch sehr erschrocken, weil mir teilweise das Ausmaß nicht so bewusst war. Aber dass der Mensch sich zu viel einbildet und zu rücksichtslos ist, wissen wir ja nicht erst seit gestern. Somit empfand ich das doch ein wenig als fehl am Platze. Und irgendwie frage ich mich jetzt, wo ich das Buch beendet habe, was ich eigentlich gelesen habe. Da waren eine Menge Worte, aber einen richtigen Kern hatte das ganze eher nicht bzw. hätte man diesen wohl in einem etwas umfangreicheren Zeitungsartikel unterbringen können. Na ja, und wie viele hier beanstandet haben, muss ich deshalb auch sagen, dass das eigentliche Thema irgendwie verfehlt wurde. Vielleicht 15 % des gesamten Buches drehen sich um "Was wäre wenn ...". Deshalb ist es für micht enttäuschend gewesen.
Ich gebe trotzdem 3 Sterne weil ich zugegebenermaßen ein paar Dinge dazu gelernt habe bzw. Themen entdeckt habe, mit denen es sich näher zu beschäftigen lohnt, z. B. der fast unberührte Waldstreifen in Weißrussland bzw. Polen oder die verlassene unterirdische Stadt, die in den Stein eingearbeitet wurde. Davon hatte ich noch nie gehört und die Beschreibungen haben mein Interesse geweckt.
Aber sonst ist dieses Buch wie ein Croissant: Es sieht nach viel aus und man bekommt beim Hinschauen Appetit, aber eigentlich ist nur eine Menge Luft drin.
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66 von 78 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Spannende Science Fiction, 2. September 2007
Was wäre wenn...
... die Menschheit von heute auf morgen von der Erde verschwünde, spurlos sozusagen?
Das könnte der Auftakt eines spannenden SF-Romans sein, bei dem ein paar einzelne Protagonisten über eine verwaiste Erde laufen. Der amerikanische Journalist Alan Weisman hat auf eine solche Geschichte verzichtet und liefert hier "nur" den Rahmen: Was wäre also mit den Spuren der Menschheit, ihren Bauwerken und anderen Hinterlassenschaften? Wie lange würden unsere Bauwerke stehen, unsere Städte erkennbar bleiben? Was würde aus unseren Haustieren? Was aus unseren Industrieanlagen?
Das führt zu der Frage, wie stark der Mensch die Erde bereits verändert hat - und Alan Weisman ist auf viel Überraschendes gestoßen. Die Vorstellung, die Menschheit hätte in vorindustrieller Zeit "im Einklang" mit einer weitgehend unberührten Natur gelebt, weist er deutlich als irrig auf. New Yorks U-Bahn stünde wohl schon nach wenigen Tagen unter Wasser, und bald würden einbrechende Straßenzüge neuen Flussläufen weichen. Einige unterirdische Anlagen wie einige vorgeschichtlichen Dörfer in der heutigen Türkei könnten dagegen die Jahrtausende überstehen. Ratten und andere auf Menschen (und ihre Abfälle) angewiesene Tiere würden wohl zu den Verlieren gehören, andere - besonders die Vögel - in einer menschenfreien Welt so aufblühen wie die neu aufschießenden Wälder.
Weisman geht die Zukunft aus der Sicht vieler Wissenschaftler an, vieler Erkenntnisse, und im Laufe des Buches wird deutlich, dass seine Spekulation teils ziemlich unsicher ist. Manches widerspricht sich (einmal ist der Mais eine überzüchtete Form einer Naturpflanze, die binnen weniger Jahre ohne Kultivierung verschwinden würde, laut anderer Stelle würde sich Mais wohl über weite Flächen ausbreiten). Das wäre an sich nicht schlimm, würde er durchgehend klar zwischen Fakten, gesicherten und allgemein geteilten Vermutungen und eher spekulativen Einzelmeinungen unterscheiden. Dass er es nicht tut, macht das Buch leichter lebsbar, mindert aber deutlich seinen "Bildungswert".
Vieles könnte und würde wohl auch anders kommen - dem genaueren Leser fällt das wohl auch auf. Weismans Buch ist, im besten Sinne, Science Fiction - das sich aber an gut recherchierten einzelnen Entwicklungen und Aspekten entlanghangelt, ohne ein überzeugendes "Gesamtbild" abzugeben. Das wäre noch spekulativer, aber vermutlich auch spannender zu lesen.
Wer immer sich für postapokalyptische SF interessiert, hat hier eine Fundgrube von Anregungen. Den "allgemeinen Leser" dürfte das komplette Fehlen an Illustrationen stören, dafür ist das Buch gut zu lesen und ungewöhnlich in seiner Art. Wer sich vertieft mit dem bisherigen und künftigen Einfluss des Menschen auf die Erde auseinandersetzen will, sollte dagegen zu anderen Büchern greifen - dieses ist zu ungenau und zu spekulativ.
Kurzum: Spannende und ungewöhnliche Unterhaltung, selbst wenn man mit dem Autoren nicht immer einer Meinung ist.
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