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Die Welt des Mittelalters: Erinnerungsorte eines Jahrtausends
 
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Die Welt des Mittelalters: Erinnerungsorte eines Jahrtausends [Gebundene Ausgabe]

Johannes Fried , Olaf Rader
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Von Karl dem Großen bis zu Dante, den Wikingern bis zu den Mongolen, den Erfindungen (die Brille zum Beispiel oder die Kanonen) bis zu den ersten Universitäten, der Goldenen Bulle bis zum Minnesang - in rund dreißig Essays schildert dieser Band die reiche Welt des Mittelalters, was in ihr geschah und warum sich unsere Erinnerung daran so oft verwandelt hat, vor allem aber erzählt es uns wie das Mittelalter die Welt von heute unendlich vielfältig geprägt hat.
Kein anderes Zeitalter ist so beliebt bei den Lesern historischer Romane und zugleich so verdunkelt durch Klischees und Vorurteile wie das Jahrtausend des Mittelalters mit seinen Rittern und Burgen, Kathedralen und Klöstern, Kreuzzügen und Fabelwesen. Doch nicht wenig von der historischen Wahrheit ist auf dem langen Weg zu den Erinnerungsorten von heute abhanden gekommen oder durch phantasievolle Legenden und politisch nützliche Erfindungen ersetzt worden. Dieser grandiose Band ist ein einzigartiges Lesebuch zur Geschichte des Mittelalters - geschrieben von den besten Mediävisten unserer Zeit.

Über den Autor

Johannes Fried ist Professor für Mittelalterliche Geschichte an der Universität Frankfurt. Er war von 1996 bis 2000 Vorsitzender des Verbandes der Historiker Deutschlands. 1995 erhielt er für sein Werk "Der Weg ins Mittelalter" den Preis des Historischen Kollegs.Olaf B. Rader, geboren 1961, lehrt als Privatdozent an der Humboldt-Universität zu Berlin Kulturgeschichte und ist wissenschaftlicher Mitarbeiter bei den Monumenta Germaniae Historica an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften. Zahlreiche Veröffentlichungen vor allem zur Geschichte und Kultur des Mittelalters.

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Von timediver® HALL OF FAME REZENSENT TOP 100 REZENSENT
Für "Die Welt des Mittelalters. Erinnerungsorte eines Jahrtausends" haben sich mit Prof. Dr. emer. Johannes Fried und Prof. Dr. B. Rader zwei renommierte Mediävisten als Herausgeber zusammengefunden, die in der Vergangenheit bereits eine ganze Reihe eigener wissenschaftlicher Arbeiten publiziert haben. Ihre aktuellsten Veröffentlichungen sind "Das Mittelalter: Geschichte und Kultur" (Fried) und "Friedrich der Zweite: Ein Sizilianer auf dem Kaiserthron" (Rader).

Neben ihren eigenen Beiträgen haben die beiden Herausgeber für ihre "Erinnerungsorte des Mittelalters" die Aufsätze weiterer 25 Autoren zu einer systematischen Sammlung zusammengestellt. Einem Verzeichnis (Seite 539) ist zu entnehmen, dass zu diesen Experten, neben Fried und Rader, 25 weitere aktive oder emeritierte Professoren/Professorinnen unterschiedlicher Fakultäten gehören.

In ihrem Vorwort hinterfragen Fried und Rader zunächst einmal den Begriff "Mittelalter" und geben anschließend ihre Definition für das, was sie als "Erinnerungsorte" bezeichnen. Das heute oftmals als finster und barbarisch angesehene Mittelalter war nicht aus sich selbst heraus entstanden, hatte sich nicht selbst geschaffen und hatte daher natürlich auch von sich selbst keinen Begriff. Er sollte erst mit der Wiederentdeckung der griechisch-römischen Antike im 15. Jahrhundert aufkommen, als die Humanisten damit begannen, an das überlieferte ästhetische, literarische und bildungsinhaltliche Vermächtnis anzuknüpfen. Die zwischen dem Altertum und ihrer Gegenwart liegende Zeit
bezeichneten sie daher als "medium tempus" oder "media aetas", was als "mittlere Zeit", "mittleres Zeitalter" oder eben "Mittelalter" zu übersetzten ist. Der bei den Humanisten im Hinblick auf die Ruinen Roms vollständig negativ belegte Begriff, hat bis heute besonders im nichtwissenschaftlichen Sprachgebrauch diese negative Assoziation nie ganz verloren. Dennoch wurde in der Romantik des 19. Jahrhundert und eine große Zahl zeitgenössischer Historiker mit der Projektion des damaligen Lebens in die Vergangenheit ein "Mittelalterzauber" entfacht, der bis in unsere Gegenwart mitunter als "Mittelalterhype" nachwirkt. Schließlich beruht Geschichte stets auf eine Konstruktion der Erinnerungen, so dass auch die Entwürfe vom Mittelalter einem ständigen Wandel unterliegen, der vom Zeitgeist seine Modellierung erfährt.

Die Herausgeber typologisieren für ihre Erinnerungsorte drei verschiedene Arten. Ersten die Gedächtniseinträge, die bereits für die Menschen des Mittelalters von einer ungeheuren Bedeutung waren. Zweitens Memorialphänomene, die zwar im Mittelalter entstanden sind, aber erst später, manchmal sogar erst in der Moderne ihre besonderen materiellen oder intellektuellen Zuschreibungen erfahren haben. Zur dritten Kategorie gehören historische Forschungsthemen, die im Sinne von Paradigmen zwar als Fragen an das Mittelalter formuliert wurden, eigentlich jedoch zur Selbstvergewisserung und zum Selbstverständnis der Fragenden gestellt wurden.

Unter den Kapitelüberschriften Schauplätze, Bauten, Bedrohungen, Personen, Pergamente, Ideen und Institutionen wurden jeweils 4 - 6 Beiträge aus den drei verschiedenen Kategorien zusammengefasst. Der Aufbau des Buches ermöglicht das selektive Lesen einzelner Kapitel und/oder Beiträge. Zu einem 70seitigen Anhang gehören (neben der bereits zitierten Autorenliste) ein umfangreiches Quellen-/Fußnotenverzeichnis, viele Literaturhinweise, jeweils ein ein Personen- und Ortsregister. Daneben gibt es einen Nachweis für die 76 Abbildungen und drei Karten, welche die nicht immer leicht zu lesende Lektüre etwas auflockern.

Fried und Rader ist es - entgegen einer Mehrzahl der im Mainstream mitschwimmenden Publikationen - gelungen, dem Leser neue Perspektiven auf den Erinnerungsraum Mittelalter zu eröffnen, die mitunter sogar Verwunderung erzeugen können. Ihre wissenschaftliche Zusammenstellung beschreibt nicht nur die Wandlungen kultureller Gedächtnisinhalte, sondern konkretisiert auch die gemeinsame europäische Geschichte mit ihren unterschiedlich ausgeformten Erinnerungsmomenten. Am Ende wird der Leser erkennen, dass das Mittelalter gar nicht so finster gewesen war....

5 Amazonsterne für ein methodisch zusammengestelltes, tiefgründiges Sachbuch.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Sowohl der Titel des vorliegenden Bandes als auch die Umschlaggestaltung lassen zunächst an ein weiteres 'Lesebuch' vornehmlich für Heranwachsende, über die 'sagenumwobenen' Welt des Mittelalters denken. Beim näheren Hinschauen aber wird schnell deutlich, dass Fried und Rader sich sehr viel eher mit ihrem Werk einordnen lassen in den breiten wissenschaftlichen Diskurs zum Thema 'Gedächtnis und Erinnerung' und hier die historische Epoche des Mittelalters in gewichtige, einzelne Themen in Sinne von 'kollektiven Erinnerungsorten' aufteilen und betrachten.

Ein historische, fundierte Reise, die ein Vielfaches an Überraschungen bereit hält. Denn all die gängigen Schlagworte im Blick auf diese Zeit der Weltgeschichte, finster, barbarisch, kriegerisch, ungerecht, grausam, voller Hunger und Seuchen, all diese (einseitigen) Vorurteile lösen sich bei der Lektüre des Buches in eine höchst differenzierte und bei weitem nicht 'nur' barbarische und finstere Welt auf (auch wenn diese Seiten natürlich vorhanden sind).

Warum dennoch dieses Bild des 'finsteren Mittelalters' so verbreitet vorliegt, neben der differenzierten Darstellung der mittelalterlichen Lebensweise an sich gehen die Autoren auch dieser Frage nach und finden durchaus einsichtige Antworten. Diese binden die einzelnen Verfasser der Essays mit ein in ihre jeweiligen Betrachtungen spezieller und bis heute bekannter, wichtiger, teils entscheidender 'Erinnerungsorte' (Kreuzzüge, Karl der Große, Petersdom, Pest, Barbarossa, die Erfindung der Brille, Papsttum, der Deutsche Orden und vieles mehr).
Eine Rezeption, die bereits im Vorwort in ihren Motiven verdeutlicht wird. Machtfragen, fälschender Umgang mit mittelalterlichen Urkunden, der unbedingte Wille zur historischen Verankerung des eigenen Reiches, vielfach sind die je egozentrischen Motive, diese Epoche der Geschichte in einem ganz bestimmten, persönlich gefärbtem Licht leuchten zu lassen.
So zeigen die Autoren beispielsweise am Erinnerungsort des 'Wikingers' einander widersprechende Bilder auf, die zu einem durchaus ambivalenten 'Erinnerungsraum' führten und auf vielfachen, auch widersprüchlichen Quellen beruhen. Nicht anders ergeht es in der Rezeption Dantes, der als 'italienischer Dante', als 'deutscher Dante' und als 'Welt-Dante' aufzeigt, dass eben jedes Land, jede Erinnerungskultur 'ihren' Dante sich erschaffen hat.

Diese detaillierte Darstellung der Rezeptionen und der damit einhergehenden 'Färbung' der Erinnerungen bieten die Autoren auf der Basis aktueller historisch gesicherter Fakten. In den über 30 behandelten Themen, Orten und Personen des Buches entsteht so im Lauf der Lektüre ein breites Bild mittelalterlichen Lebens, werden viele Deutungen und Legenden auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft und in ebenso vielfacher Weise durchaus korrigiert, ohne dabei die 'Welt des Mittelalters', wie sie allgemein bekannt vorliegt, völlig auf den Kopf zu stellen.

Ein Buch, dass in Sprache und Form historisch interessierten Lesern gut zugänglich ist, in dem viele Details vermeintlich altbekannter Fakten sich neu ordnen und erweitert werden, in dem die Gründe für ein bestimmtes Verständnis bestimmter Ereignisse und Personen dargestellt werden, das aber letztlich jenen Aberglauben, jene Mystik und jene auch geistige Enge in Teilen auch zu bestätigen weiß, die man jener Epoche (fast) immer schon zugeschrieben hat. Jedem historisch interessiertem Leser ist das Buch durchaus zu empfehlen.
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