sondern wirkt tatsächlich wie ein Medikament gegen Seelenschmerz. Denn viele Inhaltsstoffe des Kakaos beeinflussen genau die Bereiche des Gehirns, die für das Glücks- und Lustempfinden zuständig sind. Allen voran das Serotonin." ( Sabine Hoffmann)
Sabine Hoffmann hat mit " Die Welt des Kakaos " das bislang informativste Buch zu diesem Thema geschrieben, das ich gelesen habe.
Sie beginnt mit einem historischen Exkurs und weiß zu berichten, dass die ältesten Kakaonachweise bei Ausgrabungen von Trinkgefäßen in Honduras gefunden wurden. Es wird vermutet, dass man die Pflanze ab etwa 1100 v. Chr. nutzte.
Am Golf von Mexiko waren die Olmeken das erste Volk, das etwa 1000 v. Chr. Kakaokulturen zur Herstellung von Trinkschokolade anlegte.
Man erfährt wie die Mayas und die Azteken dereinst den Kakao zubereitet haben und dass die Azteken, die ab etwa 1200 n. Chr. im Hochtal von Mexiko lebten, die Kakaofrucht " cacahuatl " nannten. Die Spanier leiteten daraus das Wort " chocolatl " ab.
Den Azteken erschien der Kakao so kostbar, dass sie die Kakaobohnen als Zahlungsmittel einsetzten. Der letzte aztekische König Montezuma trank große Mengen des Luxustrunks in goldenen Bechern und gab seinen Kriegern davon zu trinken, weil er zu wissen meinte, dass durch Kakao der Widerstand aufgebaut und die Müdigkeit bekämpft werde. Der Eroberer Mexikos Hernan Cortes kam zum gleichen Denkergebnis.
Man liest in der Folge sehr dezidiert wie der Kakao Europa eroberte, die Spanier spezielle Kannen mit Quirl und Holzdeckel erfanden, die Jesuiten mit Kakao regen Handel betrieben, während die puritanischen Dominikaner ihn während der Fastenzeit verboten.
Interessant zu lesen ist wie dieses Getränk seinen Durchbruch am französischen Hofe erlebte. Es wurde das Lieblingsgetränk Ludwig XIV und galt in Versailles als Symbol der vornehmen Lebensart.
In Deutschland setzte sich der Trunk erst Ende des 17. Jahrhunderts durch. Friedrich der Große von Preußen würzte ihn mit Senf und Pfeffer und erhob eine hohe Luxussteuer auf den Kakao.
In angrenzenden Ländern, wie etwa Sachsen erlebte die Trinkschokolade ihren ersten Boom, besonders in Leipzig und Dresden. Die ersten Schokoladenfabriken entstanden übrigens in Sachsen.
Der Holländer van Houten entwickelte 1828 ein Verfahren zur Entfettung der Kakaomasse, dadurch wurde der Weg zur Instantschokolade geebnet. Der Schweizer R. Lindt erfand schließlich das " Conchieren ". Damit wurde es möglich Schokoladetafeln von unvergleichlichem Schmelz herzustellen.
Die Autorin berichtet in der Folge ausführlich über den Kakaobaum, die Ernte der Früchte und wie aus dem Samen Kakao wird. Sie erklärt gut nachvollziehbar wie sich Aromen bilden und verdeutlicht, dass von den dunklen Bohnen bis zur Kakaomasse die Herstellung von Kakaopulver und Schokolade ein gemeinsamer Prozess ist.
Man erfährt Näheres über den Vorgang des Conchierens, um dann über die verschiedenen Bohnensorten aufgeklärt zu werden. Schokolade ist nicht gleich Schokolade. Der Boden und das Klima haben Einfluss auf die Aromen der Schokolade.
" Porcelana " heißt die edelste Untersorte der Kakaobohnensorte mit dem Namen " Criollo ". Sie hinterlässt den Eindruck von Butter und Honig auf der Zunge.
Die Herkunftsländer des Kakaos werden intensiv fokussiert und es wird gut erläutert, woran man Qualität erkennt.
Dann wird man breit gefächert über die Edelschokoladen-Hersteller in Europa in Kenntnis gesetzt. Lindt in der Schweiz kennt mittlerweile jeder. Feines aus Belgien umschmeichelt den Gaumen in ganz besonderer Weise. Neuhaus in Belgien hat 1912 die ersten Pralinen hergestellt.
Die besten Zartbitter-Pralinen, die ich je auf der Zunge hatte, kamen aus einer kleinen Manufaktur in Brügge. Ich schwor nie mehr Pralinen zu essen bis ich wieder nach Brügge komme. Diese Pralinen alleine sind eine Reise in die alte Hansestadt wert. Ich hoffe, dass ich bald wieder Brügge aufsuchen kann.
Die Autorin besuchte zwei Schokoladenmanufakturen in Berlin und berichtet davon.
Ferner erfährt man alles Wesentliche worauf man achten soll, wenn man Schokolade aufbewahrt. Man muss Schokolade immer trocken lagern. Feuchtigkeit lässt Schimmelbildung entstehen.
Wie man Schokolade verkostet , wie man sauer, süß, bitter und salzig erschmeckt und sie schließlich mit allen Sinnen begreift, bleibt auch nicht ungewiss.
Wenn man hochwertige Schokolade verkostet ist alles möglich: blumige, fruchtige, erdige, rauchige oder nussige Geschmacksnoten.
Sehr interessant ist das Kapitel " Traumpaare " im Buch.
Schokolade und Wein sind ein solches Traumpaar, was ich bestätigen kann. Nichts ist köstlicher als Rotwein mit ein paar Stückchen Bitterschokolade.
Schokolade und Kaffee sind ein weiteres Traumpaar, aber auch Schokolade und Tee werden genannt.
Lesenswert sind auch die Seiten, die sich mit den Gewürzen für Schokolade befassen. Ausführlich zur Sprache kommen Anis, Annatto ( das ist der Samen des Orleansbaumes), Chilis, Cayennepfeffer, Ingwer, Kardamom, Koriander, Minze, Muskat, Pfeffer, Safran, Salz, Vanille und Zimt.
Die gesundheitliche Seite der Schokolade wird des Weiteren näher beleuchtet. Schokolade enthält u.a. Polyphenole und sekundäre Pflanzstoffe, die Bakterien hemmen. Wenn man diszipliniert mit ihr umgeht, macht Schokolade nicht dick, sondern streichelt stattdessen die Seele.
Das Kakao - Menü zum Ende des Buches eignet sich als Festtagsmenü.
Das Kakao-Lexikon zum Schluss macht den Leser sprachlich zum Kenner, zum geschmacklichen Connaisseur wird man allerdings nur, wenn man immer wieder kostet.
Ein wirklich hochinformatives Buch mit vielen schönen Bildern.
" Stark ist, wer eine Tafel Schokolade mit bloßen Händen in vier Teile zerbrechen kann - und dann nur einen davon isst. " ( S. Hoffmann)
Empfehlenswert.