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Produktinformation
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Robert Darnton schreibt in seinem Nachwort, dass das Lesen der Encyclopédie sich in ein Spiel verwandeln konnte, "in eine Jagd nach Hinweisen zwischen den Zeilen und an entlegenen Plätzen, in eine Dechiffrier- und Detektivarbeit, die eine kritische Geisteshaltung förderte". Die Gefährlichkeit des Buchs, an dem die größten Geister des 18. Jahrhunderts mitwirkten, lag zudem in seinem Programm, das gesamte Wissen der Epoche nach allgemeinen Prinzipien zu strukturieren und die Grenzen zwischen dem, was gewusst werden kann und dem Unerforschlichen neu zu ziehen und damit das Christentum dem Bereich des Nicht-Wissen-Könnens überantworteten.
Worin besteht die Aktualität dieses historisch einmaligen Projekts? Vielleicht ist die Ankündigung der Herausgeber ein wenig angestrengt, dass es sich hier um ein Orakel auf dem Weg ins 21. Jahrhundert handelt. Das Buch bereitet vor allem ein außergewöhnliches Lesevergnügen in inhaltlicher und literarischer Hinsicht, das in der vorliegenden Ausgabe noch verstärkt wird durch eine Reihe von kommentierenden und Ausblicke bietenden Artikeln, die von Wissenschaftlern, Schriftstellern und Intellektuellen eigens dafür verfasst wurden, sowie durch zahlreiche eingefügte philosophisch-literarische Zitate, die einen Kontrapunkt zum Haupttext bilden.
Nicht Aktualität also, sondern jene Jagd nach Hinweisen und die subtile Detektivarbeit zur Förderung kritischen, und wie man nach einer mehr als 200-jährigen Erfahrung wohl auch hinzufügen darf, selbstkritischen Geistes, von der Darnton spricht und die so manche Fragwürdigkeit und Kuriosität ans Licht fördert: Das ist es, was das Versinken in die singuläre Welt der Enzyklopädie dem heutigen Leser, vor allem in der auch äußerlich sehr schönen Präsentation in der Anderen Bibliothek, zu bieten hat. --Jens Kertscher
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Hundertsechzig Männer und eine (sic) Frau arbeiteten von 1751 bis 1772 daran, das gesamte Wissen ihrer Zeit aufzuzeichnen und die Wissenschaften in ein System zu bringen. In der Überzeugung, der Mensch könne durch Vernunft aus seiner „selbst verschuldeten Unmündigkeit“ (Kant) ausgehen, setzten sich die Encyclopedisten zum Ziel, alle Gebiete menschlichen Handelns und Forschens unter rationalen Gesichtspunkten zu beleuchten. Allein die zahlreichen Verbote durch Staat und Kirche zeigen das Konfliktpotential dieses Werkes, dessen Geist maßgebend für die französische Revolution war.
Wovon geht jedoch heute die Anziehungskraft dieses nun schon 230 Jahre alten Werkes aus ?
Zum einen ist es sicher der Geist, in dem dieses Werk entstand. Die Aufbruchstimmung, die Europa zur Zeit der Aufklärung erfasst hatte, die neue Dynamik der Wissenschaft und Philosophie. Jedoch ist die Encyclopedie auch geistesgeschichtlich ein Meilenstein – denn der Versuch, Wissenschaften in einem System zu ordnen steht ganz in der Tradition von Aristoteles, Bacon, später Hegel und Humboldt. Die Idee einer umfassenden Bildung, eines humanistischen Wissens, ist eng mit der europäischen Geistesgeschichte verknüpft und die Encyclopedie bildet einen wichtigen Teil dieser Bewegung.
Doch auch die Arbeitsweise, die Terminologie der Encyclopedisten hat ob ihres Alters noch Aktualität. Interessant ist es, immer wieder aufs neue zu sehen, wie sich die Aufklärer einem Thema nähern und es entwickeln, wie sie versuchen rationale Argumente und Erklärungen aufzufinden. Auch wenn angesichts des Zeitalters der Postmoderne der Anspruch, Menschen durch Wissen „tugendhafter & glücklicher“ zu machen obsolet erscheint, so hat zumindestens der konsequente Wille zur Vernunft und zur humanistischen Grundwerten immer noch seine Berechtigung.
Schließlich bleibt noch das Vergnügen, wenn der Leser zum Beispiel im Artikel „Runzeln“ waghalsige Theorien zur Entstehung derselben liest, wenn Jaucourt eine Laus auf seinem Handrücken beschreibt, oder wenn immer wieder subtile Sticheleien gegen die Arbeitsweise von Kollegen fallen und die im Elfenbeinturm gefangenen Aufklärer plötzlich ganz menschlich erscheinen.
Sicherlich ist die im Eichborn Verlag erschienene und von Enzensberger herausgegebene Neuausgabe ausgewählter Artikel der Encyclopedie hervorragend gelungen, nicht nur die Edition (Selg und Wieland) lässt nichts zu wünschen übrig, sondern auch die Ausstattung ist dem Verlag gut gelungen. Überdies sind 25 Essays zeitgenössischer Intellektueller zu Themen wie „Krieg“ oder „Heiliger Stuhl“ enthalten. Besonders interessant sind die zahlreichen literarischen Zitate, die von den Editoren sorgfältig ausgewählt und den Artikeln beigegeben wurden. Diese ermöglichen es dem Leser noch mehr Gesichtspunkte des Themas aufzufinden und stellen ein spannungsgeladenes Reflexionsfeld her, insofern kann man auch diese Neuausgabe in der Tradition der Aufklärer sehen – denn auch sie lädt zum Nachdenken ein.
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