Im Jahr 1909 hat der Journalist Arthur Brehmer ausgewählte Zeitgenossen gebeten, über die Welt in 100 Jahren, also im Jahr 2010 zu reflektieren. Herausgekommen ist ein spannender Sammelband mit Zukunftsprojektionen und Phantasien.
Auffällig ist der fast durchweg optimistische, teils poetische Ton. Die Zukunft wird in jedem Fall deutlich besser. Im Jahr 2010 lebt der Mensch freiheitlicher, gesünder, friedlicher, wohlhabender, kultivierter und zivilisierter. Dafür sorgen insbesondere Fortschritte der Technik. Der erste Weltkrieg, der aus allen Zukunftsträumen rüde geweckt hat, scheint am Horizont noch nicht erkennbar gewesen zu sein.
Natürlich gibt es Fehlprognosen zuhauf (ab 1950 gibt es keine Kavallerie mehr, Theater werden nur noch bei Premieren besucht, es gibt keine Berufspoeten mehr usw.).
Bemerkenswert aber sind die "Vorhersage-Treffer". Das 21. Jahrhundert wurde als Jahrhundert der drahtlosen Kommunikation beschrieben. Texte und Bilder können "drahtlos" übertragen werden. Eine Art Videotelefonie ist dann möglich.
Auch auf die Gefahr der gegenseitigen Vernichtung durch leistungsfähige Waffensysteme wird hingewiesen. Die Metapher der Weltvernichtung auf "Knopfdruck", die auch heute noch im Gebrauch ist, wird bemüht. Interessant ist die Argumentation der Pazifistin Berta von Suttner, die gerade die Gefahr der Vernichtung als Garant für Frieden ansieht. In den 80er Jahren hätte von Suttner damit übrigens nicht auf Seiten der Friedensbewegung gestanden, sondern eher im Lager des Nachrüsters Helmut Kohl.
Ein Sonderlob hat der Verlag Olms verdient. Das Buch ist hochwertig gestaltet und zu einem sehr anständigen Preis zu erwerben. Jeder, der sich für Zukunftsthemen interessiert, sollte das tun.