Kai Meyer verwebt in dieser Geschichte reale Orte und Gegebenheiten mit der Fantastik von Piratengeschichten, Seemannsgarn und der Magie und den Wesen einer Fantasy-Welt - und das gelingt ihm auch hervorragend!
Das Ergebnis ist eine Geschichte, die den Leser oder, wie hier, Hörer rasch in den Bann zieht und mitfiebern lässt, aber auch Tagträume von Feldarbeit leistenden Geistern, bedrohlichen Klabautern oder gar hexhermetischen Holzwürmern erlaubt.
Dabei beachtet der Autor zwar die üblichen Eckpunkte einer fantastischen Heldengeschichte, wie vor allem Begegnungen mit neuen Gegnern, aber auch unterstützenden Figuren wie dem Geisterhändler, einem Pitbull-Mann oder einer Piratenprinzessin, kreiert aber auch völlig neue Elemente wie das bereits angesprochene Verknüpfen verschiedener Genre.
Auch die Liebe ist ein Thema. Zwar geht es auch um die Verbundenheit mit der Familie oder dem, was man als solche empfindet, es geht aber auch um die zarte Bande erstmals Verliebter - und das ist, wie so oft ja auch tatsächlich, auch hier gleich ziemlich verzwickt.
Mit all ihren Elementen versteht Kai Meyers Geschichte es wirklich gut zu begeistern und die Begeisterung auch aufrecht zu erhalten.
Andreas Fröhlich als Sprecher dieses Hörbuches ist eine sehr gute Wahl gewesen. Zwar verfügt er nicht über das Repertoire eines Rufus Beck, was verschiedene Dialekte angeht, doch hinter ihm verstecken muss er sich auch nicht. Stets trifft er den richtigen Ton für die jeweilige Situation, und durch unterschiedliche Betonungen und Stimmlagen vermag auch er es, jedem auftretenden Charakter eine einzigartige Färbung zu geben.
Erwähnenswert ist auch die Sounduntermalung an einigen Stellen des Hörbuches. Kaum vernehmbar hört man plötzlich das Rauschen von Wellen oder das Gelage in einer Taverne, in der nach mehr Rum gerufen wird. Dieser Einsatz ist zunächst gewöhnungsbedürftig, zumal er wirklich sehr dezent und sehr leise eingesetzt wurde, verstärkt dann jedoch die aufkommende Stimmung beim Hören ungemein.
Einzig kritikwürdig beim Ton des Hörbuches sind die auftretenden Schwankungen. Bei gleich bleibender Lautstärke wechseln eher sehr leise gesprochene Passagen recht häufig mit solchen, in denen die Personen laut werden. Sicherlich sollte man einen solchen Unterschied bemerken und entsprechend einbringen, wenn man aber teils kaum noch etwas versteht und im nächsten Moment glaubt, angebrüllt zu werden, trübt dies das Hörerlebnis jedoch deutlich.
Die stabile Plastikbox schützt die fünf CD der leicht gekürzten Fassung und macht sich dank der hübschen Illustration vom Joachim Knappe sicherlich auch hübsch im Schrank, das Booklet hingegen hätte etwas ausführlicher ausfallen dürfen. Zwar erhält man Informationen über Vorleser und Autor sowie über die Titel der einzelnen Tracks, die etwa in fünfminütige Abschnitte teilen, darüber hinaus befindet sich jedoch lediglich Werbung für den zweiten Teil und andere Hörbücher im Booklet, schade.
Zu empfehlen ist diese Geschichte auf jeden Fall und fesseln wird sie junge und jung gebliebene Hörer gleichermaßen, zu warnen ist jedoch vor dem Ende. Es handelt sich um einen Cliffhanger, also um ein offenes Ende praktisch inmitten der Geschichte, so dass man den zweiten Teil dieser Reihe schnell griffbereit haben sollte, wenn man etwas ungeduldiger ist.