Die Gedanken kommen und gehen, und gehen, wie die Wellenbewegungen des Meeres, fließend in einander über.
Virginia Woolfs 'Die Wellen' ist ein Meisterwerk nicht nur der englischen, sondern der Weltliteratur.
In Fachkreisen würde man von einem ununterbrochenen 'Stream-of-Conscience' sprechen. Für den Laien stellt es sich so dar:
6 Personen werden auf ihrem Lebensweg begleitet, allerdings nicht von einem auktorialen/allwissenden Erzähler begleitet, sondern sie erzählen ihre Lebensgeschichten selbst, durch die Aneinanderreihung ihrer Gedanken.
So erfährt der Leser wie jede einzelne Person sich im Laufe des Lebens entwickelt, aber auch wie die anderen der Gruppe jeweils betrachtet werden. Hierdurch ergibt sich, wie in einer anderen Rezension schon geschrieben, ein feines Netz zwischen den Protagonisten.
Keine der Gedankengänge, könnte ohne die der anderen Personen stehen bleiben, oder der Geschichte soviel Lebendigkeit geben. Es ist die Abwechslung der Gedanken, die eben wie Wellenbewegungen von der Autorin hervorgebracht und nacheinandergestellt werden.
Überbrückt werden die verschiedenen Lebensabschnitte von der Beobachtung eines Tages am Meer selbst. Dort wird eine Allegorie auf das Leben ausgebreitet. Der Morgen am Meer- der Anfang des Lebens, - und das Fortschreiten bis zum Abend.
Das Leben als ein Kommen und Gehen, eine ständige Bewegung, die nicht immer harmonisch, aber doch im Ganzen einmütig wirken muss.
Eine poetische Betrachtung des Lebens und so ergreifend, da die Gedanken der 6 Personen so menschlich und uns selbst so nah sind, dass wir uns in der einen oder anderen zu gewissen Zeiten immer wieder entdecken können.
Wer hat also Angst vor Virginia Woolf und diesem Meisterwerk der Sprache?
Ich verschwende keinen Gedanken daran und lese!
Trotzdem die Warnung am Schluß:
Für eine schnelle, lockerleichte Lektüre ist 'die Wellen' nicht zu empfehlen! Der Leser muss selbst die Ruhe besitzen, die einzelnen Gedanken der Protagonisten und ihre Perspektiven so zusammenzufügen, dass eine Welt um die 6 entsteht.