Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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128 von 142 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Neuverfilmung einer realen Begebenheit, 5. April 2008
Gruppendynamik bei Gehorsamkeit gegenüber Autorität
Das Jugendbuch Die Welle" von Morton Rhue bot in seinem Publikationsjahr 1981 Zündstoff für zahlreiche Diskussionen in den Vereinigten Staaten, da sich die Kurzgeschichte auf einen Tatsachenbericht stützte. Basis für den Stoff bildet ein Sozialexperiment zu Diktatur und Nationalsozialismus des ehemaligen Geschichtslehrers Ron Jones aus dem Jahr 1967 an der Cubberley High School in Palo Alto. Ein Schüler befragte den Lehrer Jones zum begeisterten Verhalten der Deutschen gegenüber dem Naziregime und nach den Gründen für die Behauptung der Deutschen, dass sie angeblich nichts von den Verbrechen gegen die Juden gewusst hätten. Der Lehrer blieb den Schülern damals die Antwort schuldig. Stattdessen führte er ein Experiment durch: Er lehrte ihnen Disziplin und Gehorsam, formierte sie zu einer Gemeinschaft und schränkte ihre Persönlichkeit ein. Das Experiment führte zu erschreckenden Erkenntnissen. Jones war aber am meisten über sich selbst erstaunt. "Ich denke, es war die Tatsache, dass ich die ganze Bewegung selbst genossen habe. Ich genoss die Macht, die Kontrolle, die Verehrung. Es war berauschend, dieses fiebrige Gefühl, diese Spannung, und dafür war ich verantwortlich."
Das Jugendbuch, welches auch mittlerweile beliebter Lesestoff in deutschen Schulen geworden ist, wurde bereits im Jahr 1981 für das US Fernsehen von Alexander Grasshoff verfilmt. Bei dem hier besprochenen Film mit Jürgen Vogel in der Hauptrolle handelt sich es um eine völlig neuartige Verfilmung des altbekannten Stoffes. Die Handlung wird nun aus den USA der 60er Jahre in das moderne Deutschland und seiner Jugendkultur verlegt. Ausgangspunkt ist eine Projektwoche zum Thema Autokratie," die nach Dewings Leitsatz Learning by doing" praktiziert wird. Der Sprachgebrauch der Jugendlichen und auch ihre Mittel (das Logo der Welle auf Hauswände, etc. sprayen) lassen den Film erfrischend modern wirken. Während das reale Experiment damals friedfertig beendet werden konnte, bedient sich dieser Film einer zusätzlichen Dramatik mit blutigem Ausgang. Im Gegensatz zu Jones verfällt in diesem Film der Lehrer Wenger, gespielt von Jürgen Vogel, teilweise selbst seinen Ideen. Auch die Außenseiterproblematik wird hier erweitert. Die Außenseiterrolle von Robert Billings aus der Vorlage bleibt in der Person des Tim bis zuletzt bestehen. Die Außeneiterproblematik wird sogar noch um einige Personen erweitert. Dazu zählen der Ausländer Sinan, der aggressive Kevin, die schüchterne und übergewichtige Lisa und der aus zerrütteten Familienverhältnissen stammende Marco. Auch das Footballspiel aus der Vorlage wird hier in Form eines Wasserballmatches mittels Gewalttätigkeiten überzogen dramatisiert.
Der Film bietet eine recht interessante Darstellung des altbekannten Stoffs, sozusagen Unterhaltungskino mit pädagogischer Note, der mit Sicherheit den zukünftigen Medienkanon des einen oder anderen Sozialkundeunterrichts an deutschen Schulen bereichern wird. Er ist jedenfalls eine Empfehlung wert!
Der Film sensibilisiert für politisches Mitläufertum und Verblendung, aber auch für die Verführbarkeit des Menschen. Ron Jones ist sich jedenfalls sicher: "Das Experiment funktioniert heute immer noch, an jeder Schule! Es funktioniert, weil die meisten von uns einsam sind."
Trotzdem: Die Handlung wirkt unter Betrachtung der dramatischen Zuspitzung für unsere Zeit nicht authentisch. Der Film berücksichtigt nicht unsere gesellschaftlichen Veränderungen der letzten Jahre. Der Film verhält sich unkritisch gegenüber der heutigen Realität, die von einem teilweise recht egozentrischen Individualismus, liberaler und antiautoritärer Erziehung, der Marktwirtschaft und Leistungsdenken geprägt ist. Neonazigruppen oder autoritär geführte Sekten finden ihre Mitglieder doch vorwiegend unter Menschen, die sozial abgesondert sind oder sich gerade in einem sozialen Loch befinden. Diese Menschen erfahren dort in der Gemeinschaft eine Stärkung ihres Selbstwertgefühls, welches für jeden Menschen dieser Erde wichtig ist.
Jürgen Vogel äußerte sich selbst kritisch in einem Interview: "Man muss immer berücksichtigen, in welcher sozialen Struktur man gerade lebt und wie desillusionierend die Zukunft ist, die vor einem steht. Wenn ich kurz nach der Wende in Hoyerswerda gelebt hätte, als dort ringsherum alles zusammengebrochen ist, ich weiß nicht, ob ich da als Jugendlicher nicht auch 'ne Glatze geworden wäre."
Für Interessierte an "Der Welle" könnte auch das Filmmaterial zu den Experimenten des amerikanischen Psychologen Stanley Milgram (1933 -1984) zur Thematik "Gehorsamkeit gegenüber Autorität" spannend sein. Die Bildstellen der deutschen Schulen müssten zumindest über die filmisch dokumentierten Experimente Milgrams in Deutschland verfügen. In den Milgram Experimenten wird dargelegt, dass sich ganz normale Menschen unter autoritären Druck dazu zwingen lassen, andere Menschen systematisch zu misshandeln. Die Probanden wussten dabei nichts von dem Experiment und waren teilweise über sich selbst und die Situation so erschrocken, dass sie sich später in psychologische Behandlung begeben mussten. Vielleicht wurde aus diesen Gründen nie wieder eine Wiederholung dieser Forschungen angestrebt. Aber auch Milgram räumte ein, dass bestimmte Voraussetzungen gegeben sein müssten, damit sein Experiment funktioniert (Autoritäre Erziehung durch die Eltern oder in der Ausbildung, Belohnungsmechanismen für Gehorsamkeit, beruflicher Erfolg durch Gehorsamkeit, usw.). Die Milgram Experimente fallen in etwa in die gleiche Zeit wie der Unterrichtsversuch von Ron Jones. - Christoph Erlemeier -
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
macht betroffen, 19. Oktober 2009
Diktatur bzw. Faschismus im 21sten Jahrhundert, ist das hierzulande noch vorstellbar? Definitiv und leider ja, wie man im Film "Die Welle" eindrucksvoll miterleben kann! Glänzend gespielt von allen Darstellern und eine keineswegs unglaubwürdig oder an den Haaren herbeigezogene Handlung! Am Ende des Films bleiben Schock und Betroffenheit, und das Gefühl, dass die Geschichte ebenso gut in meiner Stadt, in der nächstgelegenen Schule gespielt haben könnte! Für mich einer der bewegendsten Filme der letzten Jahre! Müßte Pflichtprogramm in allen Schulen werden!
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10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Super Film und super Verpackung!, 28. August 2009
Länge:: 2:19 Minuten
Habe leider im Kino den Film "Die Welle" verpasst und konnte auch nach der Veröffentlichung auf den Film warten bis diese Edition etwas günstiger geworden ist. Der Film ist gut gemacht und zeigt, dass es auch noch heute eine Diktatur geben kann. Natürlich gibt es auch hier wieder Klischees (Ausländer, Außenseiter, Streber, etc.) aber dies gehört einfach dazu. Es gibt keine perfekten Klassen und der Herr Wegner möchte dies seiner Klasse zeigen, dass es keine Unterschiede in der Gruppe gibt! Leider läuft sein Projekt ziemlich aus dem Ruder bis die Welle alle überrollt. Das Bild ist perfekt und besteht zum Großteil aus kalten Farben. Der Ton ist auch super (wird auch nicht sehr oft beansprucht).
Die Aufmachung ist wunderbar gemacht (wie man es eben aus der Premium Edition kennt) mit einigen Zeilen Text zum Film/über den Film. Dabei liegt noch ein Booklet mit Infos zu den Darstellern, Filminhalt, Wellen-Sprecher (über die Charaktere), Praktische Übungen (für die Schule z.B.) und den Kapiteln (24 Seiten). Das Innere sowie das Cover ist mit der Welle "besprüht" (das Cover wurde sogar ausgestanzt). Auf der 1. DVD ist der Film in Deutsch Dolby 5.1 und DTS 5.1 vorhanden sowie als Hörfilm. Untertitel für Hörgeschädigte auf Deutsch. Als Extras gibt es ein Making-of (kurze Version), Videotagebuch von Dennis Gansel, Teaser & Trailer, etc. Auf der 2. DVD ist ein besseres (meiner Meinung nach) Making-of vorhanden, Outtakes, Videotagebuch vom Regisseur, geschnittene Szenen, Alternatives Ende, Musikvideos sowie die Making-of's dazu, Rede von Herrn Steinmeier, Die Kerner Sendung mit Liveexperiment, Ausschnitte aus der Verleihung "Deutscher Filmpreis", Ron Jones besucht den Drehort, Interviews mit Darsteller, Regie, Produktion und Ron Jones, Storyboard, etc. Die Bonus-DVD hat eine ziemlich lang Laufzeit von fast 2 Stunden.
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