Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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40 von 45 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Enttäuschung, 7. April 2008
Die Begeisterung für das Buch "Die Welle" kann ich ganz und gar nicht teilen. Ich habe mir dieses Buch gekauft, da ich das Thema "Wie entsteht Faschismus" sehr interessant finde. Doch das Buch ist eine Enttäuschung! Die ganze Handlung ist viel zu sehr vorhersehbar, die Gedanken der Charaktere schwach und überhaupt fehlt die Tiefe in diesem Buch. Auch wenn das Buch aufzeigt, wie schnell (in diesem Buch aber etwas zu schnell!!) sich so eine Bewegung entwickeln kann, ist es doch alles viel zu oberflächlich geschildert. Alles in allem würde ich dieses Buch nicht weiter empfehlen.
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98 von 113 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Selbst das beste Beispiel für Manipulation und Massenkonformität: der unhinterfragte Glaube an die Richtigkeit der "Welle", 20. Dezember 2008
Ein Politiklehrer an einer amerikanischen Highschool unternimmt einen Unterrichtsversuch, bei dem seine Schüler, ein schlapper und fauler Haufen, durch Symbole, Disziplin und Führung plötzlich um 180 Grad verwandelt und zu einer für alle Zwecke zu missbrauchenden Kampftruppe werden. Moral von der Geschicht: Die Schüler, Mitglieder einer freien Gesellschaft, haben sich selbst in kürzester Zeit zu einer jener willenlosen Massen formen lassen, mit denen die Nazis Europa in den Weltkrieg stürzten.
Inzwischen gibt es kaum einen Schüler, der während seiner Schullaufbahn diesem Plot in Gestalt des Films oder des Buches "Die Welle" entkommt. Der vermeintliche Tatsachenbericht "über einen Schulversuch, der zu weit ging" hat inzwischen fast den Rang eines Glaubensbekenntnisses angenommen, das da heißt: Oh Herr, beschützte mich vor dem Nazi in mir und meiner eigenen Verführbarkeit durch Autoritäten, so dass nie mehr geschehen kann, was in der Nazi-Zeit geschah."
In Wahrheit handelt es sich bei diesem Buch um eines der erschreckendsten Beispiele für massenmedial verbreiteten Schwachsinn. Dass Menschen manipulierbar sind, ist natürlich richtig, aber die Sozialpsychologie weiß seit langem, dass dazu zunächst und vor allem die extreme Isolierung von der normalen Lebenswirklichkeit gehört, sodann eine pausenlose emotionale und kognitive Reizüberflutung, die dem zu Manipulierenden keine Möglichkeit lässt, zu Sinnen zu kommen. Nach diesem Muster, unterstützt durch Schlafentzug und eine bestimmte Diät, funktioniert die so genannte Gehirnwäsche" bei Sekten oder religiösen Organisationen, ein Unternehmen, das aber immer wieder in Gefahr gerät, wenn die gerade erst Manipulierten wieder in Kontakt mit der Wirklichkeit geraten.
Vergleicht man dieses vielfach erforschte und wissenschaftlich anerkannte sozialpsychologische Design von Manipulation und Gehirnwäsche mit dem so genannten Schulversuch an der fraglichen US- Highschool wird sofort klar, dass die vom Autor behauptete Manipulierung einer Schülergruppe so wie beschrieben nie und nimmer stattgefunden haben kann. Eine so weitgehende Mentalitätsveränderung, wie sie in dem Buch behauptet wird, kann nicht durch einen Lehrer verursacht werden, der seine Schüler gerade mal zwei, maximal drei Stunden pro Woche sieht. Und selbst wenn er es versuchen sollte, hätte er gegen die mentalitätsbildende Kraft, die von Mitschülern anderer Kurse, Freunden, Geschwistern, Eltern, den Massenmedien und den Freizeitveranstaltungen, also von 99 % der Schülerwirklichkeit ausgeht, keine Chance. Jeder, der diese Zeilen liest und zweifelt, stelle sich nur einmal für eine Sekunde vor, wie lächerlich es ihm vorgekommen würde, wenn sein Politik- oder Geschichtslehrer in der Stunde plötzlich die Faust geballt und "Kraft durch Disziplin" gefordert hätte.
Handelt es sich also bei dem Plot der "Welle" um absoluten Nonsens, ist der weltweite Erfolg dieses Machwerkes doch auch wieder erschütternd und lehrreich zugleich. Denn wenn sich die Lobpreiser dieses Werkes, das landauf landab an den Schulen gezeigt wird, vor den Gefahren der Manipulation, der Verführung und der Konformitätsneigung wirklich so fürchten, dann liefern sie mit Buch und Film Die Welle" und dem allgemein propagierten Glauben an die Richtigkeit der dort vermittelten Botschaft selbst den besten Beweis für die Verführbarkeit der Menschen. Aber es ist dann wie immer in der Geschichte eine Verführbarkeit und Verdummung durch die, die uns vermeintlich vor der Verführbarkeit und der Verdummung schützen wollen. Dem unbedingt notwendigen Ziel einer Erziehung gegen rechts- und linksradikale Intoleranz leistet "Die Welle" in ihrer gedanklichen Dürftigkeit deswegen leider einen Bärendienst.
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102 von 120 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
1.0 von 5 Sternen
Das Gegenteil von Gut ist nicht Böse, sondern "Gut gemeint"., 5. März 2008
Es ist unbestritten wichtig, sich bei der Auseinandersetzung mit dem Thema Nationalsozialismus zu fragen, wie es soweit kommen konnte.
Die Idee, selbstgerechtes "Mir könnte das nicht passieren!"-Denken mal auszuhebeln, ist da sehr gut - denn seinerzeit "passierte" das vielen Millionen Menschen, und zwar nicht nur in Deutschland. Hitler und seine Ideologie fanden weltweit Befürworter.
Das Buch "Die Welle" wirbelte in den 70ern viel Staub auf. Allerdings ist dieser inzwischen wieder recht dick auf diesem Werk gelandet. Die ansich gute Idee, Schüler - ohne, daß sie es merken - in den Sog von Gruppenzwang, Ausgrenzung Anderer und elitärem Denken geraten zu lassen mit Gründung einer eigenen Organisation, einem eigenen Emblem und festen ethischen Werten verflacht aber leider recht schnell in allzu Offensichtlichem.
"Richtig" und "Falsch" werden, um so richtig deutlich zu sein in der Botschaft, von Anfang an festgemauert und der mahnende Zeigefinger hebt sich auf jeder Seite. Die kritische Schülerin ist aus nur ihr bekannten Gründen von Anfang an kritisch und die Welle-begeisterten Experimentler unglaublich fix im gefährlichen Fahrwasser.
Der stete Hinweis auf den Deutschen Faschismus verwirrt mich zunehmend. Es wäre (zumindest in der heutigen Zeit) ehrlicher, man würde die drohende Gefahr nicht ausschließlich auf die Zeit zwischen 1933-45 fokussieren, werden doch auch in der "Welle" Entwicklungen beschrieben, die man in jeder Sportmanschaft latent antreffen kann: "WIR sind die Besten, die Kings, die einzig Wahren! Und der Andere ist der Feind!"
WOOO nun die Grenzüberschreitung stattgefunden haben soll, die vom alltäglichen Ausgrenzungsverhalten in Holocoust-Nähe rutscht - es tut mir leid, das war mir in der "Welle" absolut nicht plausibel!
Ein Teenager-Pärchen zankt sich? ER reagiert ungewohnt heftig? Auweia! Und ein Junge wird verprügelt, von dem der Leser und die nunmehr aufgeschreckten Jugendlichen eher nebenbei erfahren, daß er Jude ist? Na sag mal an...
Dabei kommt es doch ansonsten NIIIIEEE vor, daß Schüler von anderen Schülern verdroschen werden und Pärchen sich streiten... Und feste Gruppierungen (Politik, Sport, Musikbands, Eliteschulen etc.) reagieren normalerweise absolut relaxt und nie geballt-abwehrend auf Kritiken von außen oder gar auf Konkurrenz...
Zumindest scheint der Ort des Welle-Geschehens, jene USA-Schule, von jeher so ein Ort von Friede-Freude-Eierkuchen gewesen zu sein, bar jeder Gruppierung bzw. jeden Gruppendenkens...
In diesem Buch wird dann das Welle-Experiment als real-fiktives Aha-Erlebnis behauptet und Hitler als immer noch im Hintergrunde brodelnde Gefahr, so ein bissel wie das böse Sumpfmonster, das vielleicht noch nicht ganz tot ist und zwecks Eroberung der Weltherrschaft einst wieder hervordrängen könnte... Botschaft: Wenn wir alle ganz doll aufpassen, nur dann, kann nie wieder sowas wie in Deutschland geschehen.
Nicht EINMAL wird der Blick auf aktuell vorhandene, täglich zu erlebende Ursprungsquellen gelenkt: Verdroschen wird im Buch also (geschichtsträchtig) ein Jude, und das Grauen liegt offen vor uns. - Gab es an dieser Schule eigentlich Schwarze? Indios? Puertoricaner? Hat man an jener Schule schon mal was vom Ku-Klux-Klan gehört? Vom Vietnam-Krieg? Von der Christianisierung des schwarzen Kontinentes und der Ureinwohner des einst von Columbus entdeckten Landes?
Und in der heutigen Rezeption: Woran erinnert einen denn nur die Formulierung "Achse des Bösen"?
Ein Sprichwort, daß ich sehr mag, lautet: "Das Gegenteil von Gut ist nicht Böse, sondern Gut gemeint!" - Das trifft für mich auf die "Welle" zu. Das Böse hat braune Hemden an und lebte so in der Mitte des 20. Jahrhunderts in Deutschland, und fatalerweise fielen viele naive Leute darauf hinein. Und auch heute sind wir latent in Gefahr. Aber ein engagierter Lehrer kann einen dann mal irritieren, und morgen... spielen wir was Anderes.
Nie, absolut nie, wird das wahre Hier und Heute hinterfragt. Der Blick wird nur in die Großeltern-Genration gelenkt und wie sehr wir dafür anfällig "wären".
Wie wenig dieses Verhalten in den Siebzigern bereits ausgestorben war und wie anfällig (oder bereits angefallen) wir heute immer noch (und nicht "schon wieder") SIND, wird bequemerweise ausgeblendet.
Für die ansich gute Idee hätte ich gerne mehr Sterne vergeben. Aber das Buch macht es dem Leser allzueinfach, sich "richtig" zu positionieren. Es erzeugt Selbstgerechte und keine kritischen Nachdenker, schon gar keine sich-selbst-Hinterfrager. Auch in den Rezensionen liest mal allzuoft die Frage, wie man denn selbst DAMALS gewesen WÄRE.
Und das hilft uns im Alltag absolut nicht weiter. Um solche Diktaturen zu bekämpfen, müssen wir uns damit auseinandersetzen, wie wir SIND.
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