...ja, weil, der Mensch von Natur aus "SCHLECHT" ist, und sich vor allem durch Macht ausübende Gemeinschaften und dem Phänomen von Massenveranstaltungen lenken, leiten und problemlos manipulieren lässt. "Der Mensch ist von Natur aus "SCHLECHT" - Erst eine gute und gesunde Erziehung macht ihn zu einem anständigen und positiven Individuum!" Mit diesem Zitat verblüffte mich einer meiner Dozenten innerhalb meines sozialpädagogischen Studiums, und referierte eine gute Stunde im gegenseitigen Meinungsaustausch mit uns Studenten über diese durchaus im ersten Moment für uns sehr provokative Behauptung. Sehr aufschlussreich und informativ machte er uns darauf aufmerksam, dass Pädagogik eigentlich nichts anderes ist, als Manipulation mit dem Ziel Menschen zu positiven Dingen anzuleiten. Er brachte hier sehr viele Alltagsbeispiele, angefangen vom berühmten Zimmer aufräumen bis hin zum Erlernen des Lesens, Schreibens und Rechnens - alles Dinge, die der Mensch ohne eine gewisse Anleitung, oder ohne einen Anreiz bzw. Zwang, niemals von sich aus machen oder erlernen würde. Pädagogik ist also die Fähigkeit einem Kind etwas beizubringen, das es selbständig oder freiwillig vielleicht nicht erlernt, gemacht oder sogar abgewiesen hätte.
Das Fatale an dieser Wissenschaft ist der Punkt, dass man alle pädagogischen Methoden und Didaktiken nicht nur zur positiven Veränderung von Menschen (Kindern) gebrauchen, sondern sie konträr genauso gut zur negativen Manipulation missbrauchen kann, ohne dass die "Betroffenen" etwas davon bemerken. Das wird auch in dem Film - Die Welle - ganz deutlich und realistisch dargestellt. Der Gymnasiallehrer Rainer Wenger, gespielt von Jürgen Vogel, zeigt mit einer hervorragenden schauspielerischen Darbietung, wie man in einem Schulprojekt in kürzester Zeit tatsächlich eine Schulklasse gezielt durch die zwei diktatorischen Grundvoraussetzungen - Macht durch Disziplin, und Macht durch Gemeinschaft - negativ manipuliert, und welche unmittelbaren und erschreckenden Folgen und Auswirkungen eine derartige Manipulation, sowohl auf die Klasse, und wenig später auch auf die Schule und das soziale Umfeld der Jugendlichen haben.
Das konsequente Ausschließen von allen Schülern, die sich nicht an die vereinbarten Regeln, Vorgaben und Vorschriften des Systems halten einerseits, kombiniert mit den tollen Gefühlen wirklich zu der Gemeinschaft dazuzugehören, etwas Wert zu sein und im Notfall auch Freunde zu haben andererseits (Kennen wir das nicht auch irgendwo her? - aus dem Alltag, aus der Schule, aus der Arbeit?), zieht die meisten Schüler, und vor allem den bisherigen Außenseiter Timm Stoltefuss, gespielt von "Youngstar" Frederick Lau, gleich ganz fest in den Bann. Das Adrenalin, das vor allem in vielen Gemeinschaftsaktionen, wie zum Beispiel dem gemeinsamen Schreiten auf der Stelle, regelmäßig freigesetzt wird, kann man als Zuschauer regelrecht spüren, genauso wie die innerlichen Glücksgefühle von Timm, die wenig später auch in euphorische Begeisterung ausarten. (Kennen wir das nicht von irgendwo her? - aus der Freizeit, aus dem Fußball etc.?)
Timm bemerkt aber genauso wie seine Mitschüler nicht, dass es sich bei dieser Gefühlswelt nur um eine Scheinwelt handelt, die sich hinter einer falschen Maskerade versteckt. So eskaliert die Situation bereits am zweiten Tag des Projektes, und die Geschichte - Die Welle - findet ein drastisches aber absolut realistisches Ende. "Was? - Eine Diktatur ist in Deutschland nicht mehr möglich!" - "Wirklich nicht?"