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5.0 von 5 Sternen
Macht durch Disziplin!, 26. April 2005
Ein amerikanischer Geschichtslehrer möchte seiner Klasse zeigen, wie die Nazis ein ganzes Volk beherrschen konnten. Dazu erfindet er ein paar Schlagworte - Macht durch Disziplin!, Macht durch Gemeinschaft!, Macht durch Handeln! - und eine Bewegung mit eigenem Gruß: Die Welle.
Doch was als Experiment, als Learning by Doing gedacht war, läuft bald aus dem Ruder. Die „Welle" gewinnt an der Highschool ungeahnte Popularität, der Druck auf die, die der Welle nicht angehören, wird immer stärker. Ihre Mitglieder definieren sich mehr und mehr nur noch durch die Organisation, durch die „Welle". Ein Schüler, der bisher am Rande stand, ziemlich unten in der Hierarchie, ernennt sich zum „Leibwächter" des Geschichtslehrers und ist plötzlich bei allen angesehen. Ihren Lehrer verehren mittlerweile alle als ihren „Führer". Diejenigen, die sich weigern, der Welle beizutreten, werden ausgegrenzt. Freundschaften werden aufgekündigt, weil der Freund/die Freundin nicht der Welle angehört.
Was als Experiment begann, endet als bedrohliche Wirklichkeit. Nur mit Mühe kann der Geschichtslehrer das Experiment wieder abblasen. Ein Beispiel, wie eine Massenbewegung entsteht und alle in ihren Bann zieht. Ein Beispiel wie faszinierend eine Bewegung sein kann, wie sie zum Selbstläufer wird, selbst heute, selbst in den USA. Faschismus ist nicht Vergangenheit.
Die Welle ist mittlerweile an vielen Schulen Standardlektüre geworden.
Aber ich muss auch einige kritische Worte dazu verlieren. Denn hier wird, anders als vielfach behauptet, nicht die Entstehung einer faschistischen Organisation geschildert. Sondern die einer Massenbewegung, einer Organisation, die ihren Mitgliedern das Denken abnimmt. Und das kann eine Kirche, Sekte, politische Partei, Jugendgruppe oder vieles mehr sein. Dass ist zwar bedrohlich, aber nicht unbedingt faschistisch sein.
War die Entstehung der Sozialdemokratie im neunzehnten Jahrhundert faschistisch? Wohl kaum, aber sie folgte dem gleichen Muster. Ist die katholische Kirche faschistisch? Man muss sie nicht mögen, aber sie mit den Nazis gleichzusetzen, wäre doch sehr stark vereinfachend.
Auch die zahlreichen maoistischen Gruppen und Grüppchen, die in den Siebzigern wie hundert Blumen aus der deutschen Studentenbewegung sprossen, funktionierten wie die Welle. Sie verboten ihre Mitgliedern das Denken, die Freundschaft mit Nicht-Mitgliedern, waren intolerant und fanatisch. Waren sie faschistisch? Das wäre in meinen Augen eine arge Verharmlosung der Nazis. Denn diese folgten zwar auch den Prinzipien der Massenbewegung und doch waren sie noch weit brutaler, als all die anderen Gruppen, die davor oder danach einer „Welle" folgten.
So sollte man das Buch sehr kritisch lesen. Aber das ist bei Büchern - und nicht nur bei Büchern - immer angesagt. Sonst folgt man auch nur einer neuen „Welle".
(C) Hans Peter Roentgen
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28 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Es hätte uns im Unterricht geholfen, 12. Dezember 2006
Rezension bezieht sich auf: Die Welle. ( Ab 13 J.) (Taschenbuch)
Als wir in der 10. Klasse die Weltkriege und NS-Zeit behandelten, gab es, ganz wie in der Klasse des Romans hier, einige, die sich fragten: "Wie kam es dazu?" und "Wieso haben so viele einfach mit gemacht?" Ich gehörte nicht zu den Schülern, die das fragten. Aber wohl auch nur deshalb, weil ich zuvor "Die Welle" gelesen hatte und somit zumindest eine Ahnung hatte, was da vor sich ging.
"Die Welle" beschreibt die wahren Ereignisse an einer amerikanischen Schule. Es fängt harmlos an, indem auch sie die NS-Zeit durch nehmen und ein Experiment wagt, bei dem jeder einer Gruppe zugeteilt wird und jeder bestimmte Rechte hat (oder sie ihm verwehrt werden). Schnell breitet sich das Experiment auf die ganze Schule aus und scheint zu eskalieren.
Ein Ruf: "Stop! Das war nur ein Spiel! Und jetzt sage ich: dass es vorbei ist." hätte nichts genützt. Also muss der Lehrer einen anderen Weg finden, dieses Experiment sinnvoll zu beenden. Seine Lösung ist so einfach wie genial und ich persönlich war trotzdem überrascht.
Ein großartiges Buch für den, der mehr erfahren möchten, warum so viele Hitler (scheinbar) willenlos und ohne Fragen gefolgt sind. Bei weitem nicht nur ein Roman für Jugendliche.
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24 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Wie entsteht Faschismus?, 8. April 2004
Ja, ein weiteres von unzähligen Romanen zum Thema Hitler. Allerdings ist es wirklich mal was anderes, weil es in der heutigen Zeit spielt. Und es ist ja auch eine wahre Geschichte, was das Ganze noch interessanter macht, wie ich finde.
So entschließt sich der Geschichtslehrer Ben Ross, ein Experiment mit seinen Schülern des Geschichtskurses zu machen. Denn die können sich einfach nicht vorstellen, wie die Menschen sich auf damals auf Hitler haben einlassen können und warum sie nichts dagegen unternommen haben.
Ben Ross erfindet also Die Welle, und bald ist die ganze Schule an diesem Projekt beteiligt. Aus stillen Schülern werden Kommandeure und nur wenige merken, was dort wirklich mit ihnen geschieht. Ross denkt sich Grundsätze aus, und es gibt dann sogar einen speziellen Gruß. Es werden immer neue Mitglieder dazugeholt und wer nicht mitmachen will, der wird verprügelt.
Die Auswirkungen sind echt drastisch.
Ich finde die Aufmachung und Gestaltung des Buches schön, weil jedes Kapitel mit einem Bild beginnt und wichtige Stellen sind hervorgehoben.
Außerdem ist das Nachwort auch interessant, da es aus einem Interview mit dem Lehrer besteht, der dieses Experiment gemacht hat.
Dieses Buch ist nicht nur etwas für Leute, die sich mit dem 2. Weltkrieg beschäftigen, sondern auch für diejenigen, die es einfach interessant finden, zu entdecken, wie leicht sich Menschen manipulieren lassen.
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