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Die Weisheit der Wüstenmönche: Von der Kunst, das Leben zu meistern - Mit einer Einführung von Abt Odilo
 
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Die Weisheit der Wüstenmönche: Von der Kunst, das Leben zu meistern - Mit einer Einführung von Abt Odilo [Gebundene Ausgabe]

Michael Cornelius , Abt Odilo Lechner


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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Lebenskunst aus der Wüste

Vor fast 2000 Jahren zogen Menschen in die Wüsten Arabiens, um dort in der Leere und Abgeschiedenheit die Ruhe des Herzens zu finden. Sie führten ein frei gewähltes asketisches Leben in Höhlen, Bergen oder Zellen und wurden so zu den legendären Lehrmeistern des christlichen Abendlandes. Der langjährige Benediktinerabt Odilo Lechner gibt eine Einführung in den einzigartigen spirituellen Schatz des frühen Mönchtums.
Die jahrtausendealten Weisheiten der Wüstenväter, die sich in den inspirierenden Geschichten und Gleichnissen widerspiegeln, haben bis heute nichts an Gültigkeit verloren.

Sinnsuchende aus ganz Europa folgten den Wüstenvätern seinerzeit in die unwirtlichsten Gegenden von Syrien und Ägypten, um von ihnen Weisungen für ihr eigenes Leben zu erhalten. »Vergleiche dich nicht mit anderen, wohne in dir selbst und du wirst Ruhe finden«, so einst der Rat eines Eremiten. All die märchenhaften Sinngeschichten, die sich um die berühmtesten Wüstenmönche wie den Einsiedler Antonius, den Asketen Pachomius oder den Säulenheiligen Simeon ranken, zeigen, wie man jeden Tag einen neuen Anfang machen kann, wie man Herzensruhe findet und erkennt, welche Dinge im Leben wirklich zählen.


Über den Autor

Michael Cornelius wurde 1959 geboren und lebt am Starnberger See. Er begann seine schriftstellerische Laufbahn beim Radio, arbeitete als Croupier, Programmplaner für das Privatfernsehen und war u.a. Redakteur für das SZ-Magazin. Er ist Ghostwriter und Herausgeber zahlreicher Bücher. "Der schönste Moment" ist sein erster Roman.

Auszug aus Die Weisheit der Wüstenmönche von Michael Cornelius, Abt Odilo Lechner. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

DEN MÖNCH IN SICH ENTDECKEN

VON ABT ODILO LECHNER

Immer rascher verändert sich unser Wissen.

Wir wollen und müssen auf dem neuesten Stand

wissenschaftlicher Erkenntnis und technischer

Kenntnisse sein. Und jeweils das Neueste

soll uns in den Medien vermittelt werden. Umso

erstaunlicher ist es, wenn zwei Journalisten

wie Michael Cornelius und Juergen Schlagenhof

sich Sprüche der Wüstenväter, bis zu siebzehn

Jahrhunderte alt, als Lektüre wählen und

in diesem Buch anderen als Lektüre vorlegen.

Was waren das für Menschen, die vom 3. bis 5. Jahrhundert

aus ihren Städten und Dörfern in die Wüste

von Ägypten, Palästina, Syrien oder Mesopotamien

zogen? Anachoreten hießen sie, Flüchtlinge aus

dem Land des Gewohnten, man nannte sie Eremiten,

Menschen der Einöde und Einsamkeit. Sie waren

Mönche, solche die allein, ohne Familie leben und

die nur auf eines ausgerichtet sind.

So vielfältig ihre Motive waren, auszuziehen aus der

betriebsamen Welt, eines suchten sie vor allem:

Gott in sich zu entdecken, das Evangelium

Christi radikal zu leben, ohne Kompromisse und

Abschweifungen. Wie Antonius, um 251 in

Mittelägypten geboren, traf sie ein Wort Jesu ins Herz

wie das: "Wenn du vollkommen sein willst, geh,

verkauf deinen Besitz ... folge mir nach." (Mat, 19,21).

So lebten sie in Höhlen, Hütten oder Zelten.

Meist hatten sie ihre Zellen (Kellien) in Rufweite

voneinander, um sich in Bedrängnissen der

Seele und des Leibes beizustehen. Aus solchem

Beistand erwuchsen auch die Sprüche, kurze

Geschichten von wegweisenden Worten oder
Zeichen, die erfahrene, reif gewordene Mönche

anderen mitteilten. Jüngere, Suchende, Bedrängte

kamen und pflegten zu bitten: Sag mir ein Wort,

wie ich gerettet werde, wie ich heil werden kann.

Sag mir ein Wort - ein Wort, an das ich mich halten

kann, das meinem Leben eine Richtung, einen Sinn

gibt, das mich der Verlorenheit entreißt. Solch ein

Wort möchten auch heute viele hören. An gelehrten

Erörterungen oder klugen Anweisungen fehlt es

ihnen nicht. In den Vätersprüchen begegnen sie einer

anderen Weisheit. Die kommt aus großer Stille,

aus lebenslanger Erfahrung, aus der Einfachheit eines

verborgenen Lebens. Sie gibt nicht glatte, sofort

begreifbare und umsetzbare Rezepte. Sie gibt nicht

wohlschmeckende Desserts. Sie gibt eher ein

Stück hartes Brot, an dem man lange kauen muss,

aber das Nahrung schenkt für den ganzen Weg.

So, denke ich, kann man immer wieder an einem

dieser Sprüche kauen: Sie lassen spüren, da ist etwas,

was mich angeht, woran auch meine Seele leidet,

wonach auch meine Seele sich sehnt. Und dieses

Wort hilft mir, unnütze Sorgen beiseite zu lassen,

in mir weiterzufragen, in mir zu entdecken, was für

mich wichtig ist.

Ich bin dankbar, dass diese Worte aus der Wüste

weitergegeben und wohl zu Ende des 5. Jahrhunderts

in den griechischen Apophthegmata und in einer

lateinischen Zusammenstellung gesammelt wurden.

Ich bin dankbar, dass sie durch die Jahrhunderte

hindurch in Mönchsregeln und geistlichen Weisungen

weitergewirkt haben.

Regeln wie die des Pachomius († 346), des Basilius

(† 379) oder des Benedikt († 547) suchen die Weisheit

der Alten zusammenzufassen in eine Ordnung der

gemeinsamen Suche nach Gott. Auch für Benedikt

steht am Anfang seines Weges die Einsamkeit in der

Höhle von Subiaco. Aber dann, als sich Schüler

um ihn sammeln, erkennt er: Die Suche nach dem

Unendlichen beginnt mit der rechten Ordnung

der kleinen endlichen Dinge, des Schlafens und

Aufstehens, des Essens und Trinkens, des Arbeitens

und des Betens. Die Suche nach Gott beginnt

mit der Suche nach dem rechten Maß in unserem

irdischen Dasein.

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