Mehr als 90 kurze und längere Sufi Geschichten findet man in dem Buch, jede hat einen tieferen Sinn, teilweise sind es auch gelungene Paradoxien, über die man wunderbar schmunzeln kann, wie z.B. die folgende auf Seite 165 des Buches:
"Die Stimme in der Nacht"
Eine Stimme flüsterte mir letzte Nacht zu:
"So etwas wie eine Stimme, die in der Nacht flüstert, gibt es nicht!"
Fazit: Ein ungewöhnliches und herausragendes Buch. Die Geschichten sind sehr vielseitig, es geht oft um den Kampf gegen das eigene Ego (z.B. die falschen Vorstellungen wie Neid, Hass, Selbstgefälligkeit, Stolz, Imponiergehabe und große Gelehrtheit) und auf der anderen Seite stehen Beispiele von Dienen, Geduld, Bescheidenheit, Großzügigkeit, Armut und Gottvertrauen.
Der Grund warum die Sufis viele Geschichten erzählen, erschließt sich auf Seite 190 des Buches, dort steht: "Der Grund, warum die Sufi-Sicht dieser Erzählung dargestellt wird, ist ihre Erfassung in der Psyche, so dass der Schüler, wenn sie in ihm zu arbeiten beginnt, in Zukunft seine Lage von einer höheren Warte aus beurteilen kann."
So zum Abschluß noch zwei Zitate aus dem Buch:
"Wenn Ihr euch selbst gefunden habt, dann besitzt ihr Wissen. Bis dahin habt ihr nur Meinungen. Meinungen beruhen auf Gewohnheiten und dem was euch zweckdienlich erdenkt. Die Wahrheitssuche auf dem Weg erfordert ständige Selbstbegegnung." (Seite 138/139)
"Erkenntnisstufen":
"Zuerst dachte ich, ein Lehrer muss in allen Dingen Recht haben.
Dann kam es mir so vor, als läge mein Lehrer in vielen Dingen falsch.
Dann erkannte ich, was richtig und was falsch war.
Es war falsch, in einem der beiden ersten Geisteszustände zu verharren.
Richtig war, dies auch allen anderen zu vermitteln. (Seite 233)