Yaschim Togalu wird 1836 damit beauftragt, zwei Morde aufzuklären. Morde, die den Fortbestand der Monarchie gefährden können. Er hat dafür lediglich 10 Tage Zeit. In diesen zehn Tagen rührt Yaschim an Geheimnissen, die mit den Janitscharen - einer 1826 zerschlagenen Elitetruppe des Sultans - zu tun haben und nicht nur ihn selbst, sondern auch anderen das Leben kosten können...
Goodwin hat nicht nur Byzantinistik studiert, sondern sie ist offenbar auch seine Leidenschaft. Eine Leidenschaft, an der er die Leser mit Yaschim Togualus erstem Fall teilhaben lässt. Yaschim ist in zweifacher Hinsicht etwas Besonderes: Zum einen ist er Eunuch, zum anderen ist er Vertrauter des Sultans und so etwas wie dessen persönlicher Problemlöser. Er ist mit dem Leben in den Palästen und in und um Konstantinopel vertraut. Durch seine Augen erfährt man über das "alte" Konstantinopel und Sultan Mahmuds Modernisierungsbestrebungen. Er liebt französische Literatur und kocht herrliche Gerichte, deren Beschreibungen den Mund wässrig machen und fast zu Genussseufzern verleiten! Yaschim erfährt Unterstützung durch zwei höchst interessante Freunde: den polnischen Botschafter, der in einer halb verfallenen Residenz lebt, eigentlich kein Land mehr zu repräsentieren hat und ein sehr kluger, trinkfester Mann ist. Schliesslich ist da noch Preen - ein(e) Köcek-Tänzer(in). Eine Diva, die Angst vorm Altern hat und Yaschim mit Informationen versorgt.
"Die Weisheit des Eunuchen" ist ein sehr dichter, bildhafter & informativer, aber (daher?) auch ein manchmal zu komplexer Kriminalroman. Goodwin erweckt das alte Konstantinopel mit seinen Palästen, dem Harem des Sultans, den Märkten, Ränkeschmieden und Intrigen in orientalischer Opulenz zum Leben.
Ich hatte viel Freude daran, Yaschim begleiten zu dürfen, auch wenn die Geschichte für meinen Geschmack etwas weniger komplex hätte sein können. Daher auch "nur" 4 Sterne. Kein schnelles, aber dafür ein feines Leseerlebnis!