Eberhard Kolb (Jahrgang 1933) gehört zu den renommiertesten deutschen Zeithistorikern der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Seine 1984 in erster Auflage publizierte Monographie "Die Weimarer Republik" gehört gleichsam zum inneren Kern der Standardliteratur über die erste deutsche Demokratie und verdient daher eine differenzierte Würdigung.
Kolbs Darstellung zur Geschichte der Weimarer Republik im engeren Sinne beschreibt drei grob voneinander abgrenzbare Phasen: die konfliktreiche Entstehung, die krisenhafte (innere und äußere) Konsolidierung und das Scheitern einer Republik, die dem Ansturm der deutschnationalen und nationalsozialistischen Antidemokraten keinerlei Immunstoffe mehr entgegenzusetzen hatte. Kolb thematisiert dabei auch die wesentlichen kultur-, sozial- und wirtschaftshistorischen Entwicklungslinien und Brüche. Er schildert all das in einer klaren, verständlichen, logisch und argumentativ gut nachvollziehbaren Sprache und liefert eine kompakte Einführung in die Geschichte der Weimarer Republik.
Gleichwohl hat dieser Titel das fachwissenschaftliche Terrain nie so recht verlassen. Das ist dem eigentlich hochgradig verdienstvollen, außerordentlich detaillierten Forschungsüberblick zuzuschreiben, der, zusammen mit dem wissenschaftlichen Apparat, mehr als die Hälfte des Buches ausmacht und sich tatsächlich stark an den "zünftigen" Historiker wendet. Dieses Defizit hinsichtlich der Massentauglichkeit ist aus fachwissenschaftlicher Perspektive natürlich der große Pluspunkt. Keine andere Monographie macht einen dermaßen umfangreichen und gründlichen Forschungsbericht zur Geschichte der Weimarer Republik so gut zugänglich wie die Monographie von Kolb. Die regelmäßige Überarbeitung und Korrektur der Arbeit stellt sicher, dass auch die jeweils neueste Auflage den aktuellen Stand der Forschung umfassend reflektiert.
So liegt das große Verdienst dieses Buches vor allem darin, eine wohl fundierte, sehr strukturierte Unterstützung zur "Navigation" durch das schier unüberschaubare Schrifttum zur Geschichte der ersten deutschen Demokratie geliefert zu haben. Wer umfassendere historische Informationen erhalten möchte, der ist bei allen Vorzügen von Kolbs Arbeit sicher besser beraten, wenn er zu den umfangreichen und lebendig geschriebenen Monographien von H.A. Winkler oder H. Mommsen greift.