Weihnachten ohne eine der berühmtesten Geschichten von Charles Dickens? Undenkbar! "Die Weihnachten des Mr. Scrooge" ist unzählige Male verfilmt, vertont und modernisiert worden, fand Eingang in die Episoden vieler Fernsehserien und ist vermutlich so ziemlich jedem Menschen bekannt - in der einen oder anderen Form.
Das Buch allerdings kennt man nicht unbedingt. Das Werk des englischen Schriftstellers, das im Dezember 1843 erstmals erschien, ist wunderbar von Carl Kolb ins Deutsche übersetzt worden. Der sprachlichen Schönheit kann man sich nicht entziehen. Es eignet sich zum Selbstlesen, aber natürlich auch zum Vorlesen unter dem Weihnachtsbaum und wird weihnachtliche Stimmung ins Haus zaubern.
Die Handlung selbst amüsiert, erschreckt und macht nachdenklich: Ebenezer Scrooge ist ein alter, garstiger Geizhals. Weihnachten hält er für Unsinn. So reagiert er denn auch mit einem verächtlichen "Pah! [...] Possen!" auf den fröhlichen Weihnachtsgruß seines Neffen, der ihn wie jedes Jahr besucht. Der knickerige Senior ist der alleinige Inhaber des Warenhauses "Scrooge und Marley". Ein bedingungsloser Materialist. Für andere Menschen hat er bestenfalls Verachtung und Misstrauen übrig.
Zwei Herren bitten ihn um Spenden für die "Armen und Verwahrlosten", denn gerade sie litten im kalten Winter besonders. "Vielen Tausenden fehlt es am gewöhnlichsten Lebensbedarf, Hunderttausende vermissen auch die geringste Behaglichkeit, Sir!"
Doch Ebenezer Scrooge kennt kein Erbarmen und kontert: "Gibt's keine Gefängnisse?" Er würde sie einfach in Arbeitshäuser stecken, die Armen. Er hält sie für "Müßiggänger" und "überflüssige Bevölkerung".
Was im 19. Jahrhundert im Zuge der Verelendung durch die Industrialisierung aktuell und sozialkritisch war, hat auch heute nichts an Aktualität verloren.
In einer einzigen Nacht erhält Scrooge dann Besuch von seinem verstorbenen Teilhaber Jacob Marley - seinem einzigen Freund - und drei weiteren Geistern. Sie öffnen ihm die Augen und helfen ihm, sein Leben zu ändern. So findet auch er am Ende Lachen und Lebensfreude wieder.
Charles Dickens musste den Druck seiner Weihnachtserzählung bei der Erstveröffentlichung aus eigener Tasche bezahlen. Sein Verleger war finanziell dazu nicht in der Lage. Das Buch schlug ein: Es wurde ein Bestseller. Allerdings gab es derzeit keinen Schutz für geistiges Eigentum, so dass seine Geschichte von findigen Geschäftemachern nachgedruckt und als Raubkopie weiterverkauft wurde. Finanziellen Gewinn gemacht hat Dickens damit nicht. Aber seine Geschichte erreichte und erreicht seit fast 170 Jahren die Herzen der Menschen weltweit.
Der Begriff "Scrooge" hat längst Eingang in die englische Sprache gefunden und steht für einen geizigen Zeitgenossen mit niederträchtiger Gesinnung. "You Scrooge!" bekommt man auch schon einmal halb im Scherz zu hören, wenn man zu sehr knausert und knappst - oder auf die Weihnachtsdekoration verzichtet. "Die Weihnachten des Mr. Scrooge" bzw. "A Christmas Carol", wie es im Original heißt, ist in vielerlei Hinsicht zum Volksgut geworden.
Ein einmaliges Stück Weltliteratur, das man kennen muss!