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Produktinformation
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Die Bereitwilligkeit, mit der die deutsche Armee in einen solchen Krieg zog, blieb lange nur mäßig erforscht -- vermeintliche Pflichterfüllung gegenüber der NS-Regierung ist ein zu schlichtes Erklärungsmuster. Wolfram Wette setzt sich nun tiefgründig mit dieser Frage auseinander und findet in Die Wehrmacht. Feindbilder, Vernichtungskrieg, Legenden Traditionen und ideologische Ausrichtungen, die die Wehrmachtsführung langfristig beeinflusst hatten. Einflüsse, "dank" derer das deutsche Militär widerstandslos den "historisch beispiellosen Krieg gegen die Sowjetunion" durchführte.
Denn Deutschlands Offiziere waren angefüttert mit "preußisch-deutschen Anschauungen über Krieg und Kriegsnotwendigkeiten", obrigkeitsstaatlichem Denken, Judenfeindlichkeit und negativen Russlandbildern. Wette stellt seinen Lesern ausführlich die historischen Entwicklungslinien dieser fatalen Sichtweisen vor, zeigt deren Auswirkungen in den Köpfen von Offizieren wie auch einfachen Soldaten sowie deren grauenhafte Folgen auf den (Ab-)Schlachtfeldern im Osten.
Wettes verständlich vermittelte Argumentationslinien sind inhaltlich äußerst schlüssig. Man fragt sich nach deren Lektüre unvermeidlich, warum nicht schon weit früher ein Autor das Verhalten der Wehrmacht so deutlich in diesem historisch-ideologischen Rahmen verortet hat. Falsche Rücksichtnahmen, Tabuisierung oder anders orientierte Forschungsrichtungen haben zur Missachtung dieses wichtigen Themas beigetragen. Wette schließt die Lücke nun mit einem brillanten Buch, das zu den herausragenden Studien in Sachen Wehrmacht, Ostfeldzug und Verbrechen gezählt werden darf. --Joachim Hohwieler
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Einen ersten Überblick geben die Überschriften der einzelnen Kapitel: I. Feindbilder Russland, Sowjetunion und Bolschewismus; II. Antisemitismus im deutschen Militär; III. Wehrmacht und Judenmorde; IV. Generäle und Gefreite; V. Die Legende von der „sauberen" Wehrmacht; VI. Ein Tabu bricht.
Mit seinem unermüdlichen Forscherdrang, der in zahlreichen Publikationen seinen Niederschlag fand, hat Wolfram Wette einen wesentlichen Beitrag zu diesem „Tabubruch" geleistet. Man liest mit Wohlwollen und Faszination, wie Wette in seinem aufgeklärten Duktus den Leser an der Hand nimmt, wie Wette seinen Gegenstand in den Griff kriegt, wie Wette das weite Feld „Militär, Feindbild und Vernichtungskrieg" souverän überblickt.
An einem einzigen Punkt kann ich Wolfram Wette nicht beipflichten; denn für den Autor bildet die Umbenennung der „Rüdelkaserne" in Rendsburg den „Anfang eines neuen Traditionsverständnisses". Nein, Wettes Optimismus vermag ich nicht zu teilen, denn die Rendsburger Kaserne wurde mit einer historisch nachweislich falschen Begründung umbenannt, die überwältigende Mehrheit der Soldaten der Garnison Rendsburg sprach sich gegen den neuen Kasernenpatron aus, gegen die edle Gestalt des Judenretters Feldwebel Anton Schmid (+ 1942). und schließlich wird der neue Traditionsname „Feldwebel Schmid" ohnehin aus der Bundeswehr verschwinden, da der Standort Rendsburg aufgrund der Truppenreduzierung geschlossen wird. Wie gesagt, dieser angebliche „Anfang eines neuen Traditionsverständnisses" stand unter einem unglücklichen Stern. Und erst knapp fünf Jahre nach der missglückten Umbenennung in Rendsburg kam Bewegung in die erstarrte Traditionsfront der Bundeswehr; denn am 28. Januar 2005 ließ das Bundesministerium im Bendlerblock verlauten: „Der Bundesminister der Verteidigung, Dr. Peter Struck, hat entschieden, die Werner-Mölders-Kaserne in Visselhövede und das in Neuburg an der Donau stationierte Jagdgeschwader 74 Mölders umzubenennen." Diese dürre Mitteilung an die Presse markiert, so denke ich, den „Anfang eines neuen Traditionsverständnisses" - und zwar im Blick auf den 12. November 2005. Dann feiert die Bundeswehr ihr 50. Gründungsjubiläum.
Mein abschließendes Fazit: Mit Wolfram Wettes vorliegendem Werk „Die Wehrmacht" sind die Traditionen der Kriegsgeschichte endgültig überwunden. Militärgeschichte hat sich aus den ideologischen Zwängen des Generalstabes befreit; sie ist heute eine Disziplin der aufgeklärten Geschichtswissenschaft. Für diese epochale Tat gilt Nestor Manfred Messerschmidt und dem Autor Wolfram Wette die öffentliche Anerkennung des Rezensenten!
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