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Die Wasserfälle von Slunj: Roman
 
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Die Wasserfälle von Slunj: Roman [Taschenbuch]

Heimito von Doderer
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 400 Seiten
  • Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Juli 1991)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423114118
  • ISBN-13: 978-3423114110
  • Größe und/oder Gewicht: 19,2 x 12,1 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (5 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 304.963 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Österreich um die Jahrhundertwende: Wien beherrscht ein riesiges, zum Teil noch wildes und unerschlossenes Reich. Es ist eine Hauptstadt der Kultur, der Industrie und der Affären. Eine geordnete Welt, so scheint es. Man macht Karriere, unterhält Geschäftsbeziehungen, gewinnt oder verliert eine Geliebte, alles ohne Skandale und Probleme. . . Doderers letzter vollendeter Roman mit einer Fülle von Gestalten und Szenen, die authentische Realität für sich beanspruchen dürfen.

Über den Autor

Als Heimito von Doderer am 5. September 1896 in Weidlingau bei Wien als Sproß einer wohlhabenden Architekten- und Ingenieursfamilie geboren wird, ist noch alles in Ordnung. Der doppelköpfige Adler hat noch viel Platz, seine Schwingen auszubreiten und der alte Kaiser Franz ist Herr über 46 Millionen Untertanen. Als der Fähnrich Ritter von Doderer 1920 jedoch aus sibirischer Gefangenschaft zurückkommt, ist die k.u.k. Herrlichkeit dahin, die Familie hat einen großen Teil ihres Vermögens eingebüßt. Entgegen den Wünschen des Vaters beschließt der Vierundzwanzigjährige Schriftsteller zu werden, nimmt jedoch in Wien ein Geschichts- und Psychologiestudium auf, das er mit der Promotion abschließt. 1938 erscheint der erste Roman: ›Ein Mord den jeder begeht‹. Die Anerkennung als Schriftsteller bleibt ihm versagt – bis 1951, dem Erscheinungsjahr der ›Strudlhofstiege‹. Um sich dem Mammutwerk zu nähern, empfahl Helmut Qualtinger einst folgenden Weg: den »spannenden Krimi« ›Ein Mord den jeder begeht‹(1938) zu Anfang, dann die ›Kurz- und Kürzestgeschichten‹, des weiteren die ›Dämonen‹ und schließlich die ›Strudlhofstiege‹. In der Tat ist die Lebensgeschichte des Conrad Castiletz eine aufregende Erzählung, die in manchem auf das spätere Werk vorausweist: skurriles Personal, geschliffene Sprache, Zufälle und Unwahrscheinlichkeiten, die mit einer solchen Selbstverständlichkeit erzählt werden, daß selbst das Ungeheuerlichste plausibel erscheint. Auch wenn Doderer erst mit den nach 1951 erschienenen Büchern bekannt wurde, ist das Vorkriegswerk nicht weniger bedeutend. Unter anderem entstanden bis zum zweiten Weltkrieg die beiden Romane ›Ein Umweg‹ (veröffentlicht 1940) und ›Die erleuchteten Fenster oder Die Menschwerdung des Amtsrates Julius Zihal‹. Der Roman ›Die Strudlhofstiege‹, das bedeutendste Werk Doderers, ist für den mittlerweile 55-jährigen der schriftstellerische (und somit finanzielle) Durchbruch, dem offizielle Ehrungen folgen. Die Jugendstiltreppe im IX. Bezirk ist geographischer Mittelpunkt einer Beschreibung der Wiener Gesellschaft zwischen 1910 und 1925. Der souverän gearbeitete Erzählteppich faßt die unterschiedlichsten Lebensstränge in pralle Bilder und köstliche Geschichten zusammen. Mit zum Teil denselben Figuren schrieb Doderer diese österreichische „chronique scandaleuse“ in den fast 1400 Seiten umfassenden ‘Dämonen’ (1956) weiter. Dostojewskij frech herbeizitierend ist der in den späten zwanziger Jahren spielende Roman auch eine Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Ideologie. In beide Romane sind all die Turbulenzen eingegangen, die Doderer in den vergangenen Jahrzehnten erlebt hat: seine seelischen, sexuellen und politischen. Zu ihnen zählt die spannungsreiche Beziehung zu Gusti Hasterlik, der Kampf gegen den cholerischen Vater, der »barbarische Irrtum«, wie er später sagte, in der NSDAP einen gesellschaftlichen und politischen Ort finden zu können, den er 1940 mit der Konversion zum Katholizismus wettzumachen versucht. All dem wohnt der Wunsch inne, »ein Mensch zu werden«, sich von den inneren und äußeren Fesseln zu befreien, seinem literarischen Generalthema. »Mein Leben: eine Schachtel, in die ich verpackt war, aus der ich mich herausgenommen habe.« So schrieb auch: »Mein eigentliches Werk besteht, allen Ernstes, nicht aus Prosa oder Vers: sondern in der Erkenntnis meiner Dummheit.« Die Heirat 1952 mit Maria Thoma war Ausdruck des nächsten Schritts: sich selbst Form und Ordnung zu geben. Bei ihr im niederbayerischen Landshut lebte er jedoch nur in Abständen, um zu arbeiten, ansonsten blieb er in Wien, der Stadt, die ihm literarischer Rahmen geworden war. Grotesker Familienroman und Totalitarismuskritik in einem ist sein komischstes Werk: ‘Die Merowinger’ von 1962. Krönender Abschluß des Lebenswerks sollte der vierteilige ‘Roman No. 7’ sein. Zu Lebzeiten erschienen ist nur der erste Teil: die Vater-Sohn-Geschichte ‘Die Wasserfälle von Slunj’ (1963), die dem Literarischen Quartett im Doderer-Gedächtnisjahr 1996 eine Empfehlung wert war. Am 23. Dezember 1966 starb er in einem Wiener Krankenhaus an Darmkrebs, Folge seiner Alkoholexzesse – »Der Tod steht am Rande unseres Lebens und blickt in dieses hinein. Er umrandet unsere Existenz.« (Aus dem Tagebuch vom 6. April 1964). Thomas Zirnbauer

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Bewundernswert ist zum einen die konzentrierte und dicht gearbeitete "Durchführung" (Doderer selber verglich den Roman mit dem Satz einer Symphonie), in der Motive höchst durchdacht eingewoben, durchgeführt und, wenn es die Komposition erfordert, wieder mit einem sarkastischen Stiefeltritt hinausgekickt werden. Noch großartiger ist allerdings die Tiefe der psychologischen Charakterdarstellung, die sich treffender Metaphern bedient, um gleich wieder zum Leitmotiv zu werden - im Dienste des großen Themas, des Herausfallens einzelner Personen aus dem geordneten Daseins, des Durchbruchs durch die gesellschaftliche Oberfläche zu tiefen Zerrüttungen der Personen. Vor diesem Hintergrund braucht einen das komplexe Personengeflecht nicht weiter zu irritieren.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ohrwurm TOP 1000 REZENSENT
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
Heimito von Doderer (1896-1966), wohl der österreichischste aller Großautoren, verursacht einen Zwiespalt der Gefühle: Höchste Verehrung für sein literarisches Schaffen, Bewunderung für seinen Humor und dennoch Vorbehalte seiner eigenen Person gegenüber. Doderers Vita wirft einen Schatten auf sein Werk: Beitritt zur NSDAP 1933, gemütliches Wohnen in Dachau und sein nicht gerade chevaliereskes Betragen gegenüber seiner ersten jüdischen Ehefrau Gusti Hasterlik in gefährlicher Zeit (in den Romanen als Grete Siebenschein verewigt). Nach dem Zweiten Weltkrieg verhinderten diese Stationen das Zustandekommen eines moralisch einwandfreien Verehrer-Kultes wie er um Thomas Mann möglich wurde. Sehr zum Kummer Doderers unterblieb auch jede Nominierung zum Literatur Nobelpreis.
Und dennoch. Dies sei alles hier zur Seite geschoben.
Blickt man allein auf das Werk, so steht fest:

Die "Wasserfälle von Slunj" ist Doderers bester Roman.
Vielleicht sogar einer der besten der westlichen Literaturgeschichte.

Zum Inhalt: Ein Panorama Wiens an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert wird aufgerollt. Die Handlung spielt im eleganten Milieu des Großbürgertums, wobei die neue Schicht der industriellen Unternehmer und Ingenieure mit Selbstbewußtsein auftritt. Viele Charaktere und Handlungsfäden werden miteinander verwoben. Im Zentrum des Geschehens steht die Figur des Donald Clayton. Er ist der Sohn des reichen und tüchtigen englischen Unternehmers Robert Clayton. Die Familie stammt aus England, und Clayton senior, der emotional und begeisterungsfähig ist, hat sich einst unter dem Eindruck einer gelungenen Hochzeitsreise mit seiner damals jungen Frau Harriet in Wien angesiedelt. Es trifft sich aufs beste, dass Neigung und Geschäftssinn zusammen wirken. Rasch verschaffen sich die Claytons Respekt. Alles entwicklet sich prächtig. Die Wiener Gesellschaft nimmt die Engländer, deren Exotik einen unerschöpflichen Reiz darstellt, gerne in ihre Mitte auf. Die Firma prosperiert. So werden die verschiedenen Gestalten und Schicksale um die Claytons teilweise sehr humorvoll ineinander verwoben. Der österreichische Buchhalter Chwostik wird zum Glücksfall und wächst - ebenfalls ein Leitmotiv Doderers - von unscheinbaren Anfängen über sich selbst hinaus. Der junge Donald Clayton indes wird zum tragischen Helden. Wiewohl von den Lebensumständen begünstigt und von seinem tatkräftigen Vater liebevoll gefördert, erreicht der junge Clayton nicht das Potential seines Vaters. Beide, Vater und Sohn, sind einander sogar äußerlich ähnlich, fast wie Brüder, dennoch fehlt es dem jungen Clayton an Entscheidendem: Donald ist von seiner Grundhaltung her passiv und handelt nicht. Dies wird zunächst kaum bemerkt, da die äußeren Umstände ohnedies alles bestens laufen lassen. Mit der Ankunft eines jüngeren Cousins aus Kanada aber wird zunehmend fühlbar, dass Donald ins Hintertreffen gerät. Der junge Cousin, ein Kind noch, schart ohne Anstrengung Freunde um sich. Ein Defizit, das man bei Donald bis dahin noch gar nicht bemerkt hatte. Auch eine sich entspinnende Liebesgeschichte zwischen Donald und einer jungen Ingenieurin gerät ins Stocken. Es ist Donalds Tragik, dass er seine Schwäche nicht erkennt. Und damit - in der Auffassung Doderers - verweigert, die ihn angeborenen Fesseln zu überwinden. Als Kind schon hat Donald unter Angstzuständen gelitten. Immer wieder taucht vor ihm die Vorstellung einer Wasserwand auf. Nie wagt er jedoch, an das Fenster zu treten und bis auf den Grund dieser Wasserwand zu blicken. Diese Passivität, dieses Sich-Nicht-Überwinden wird zu seiner Schuld. Letztlich ist es diese ungelöste Lebensaufgabe, an der Donald zugrunde geht.
Den Titel "Die Wasserfälle von Slunj" leitet sich von einem Dorf in Kroatien her. Der kleine Ort Slunj mit seinen Wasserfällen spielt am Beginn des Romans eine Rolle. Am Ende laufen dort wieder alle Handlungsfäden schicksalhaft zusammen.
Stilistisch gehört Doderer zu den wenigen Schriftstellern, die im Alter immer besser wurden. Die Wasserfälle erschienen 1963 und sind damit Doderers letzter Roman, der ganz fertig gestellt wurde ("Der Grenzwald" blieb Fragment). Die Sprache hier ist verdichtet, knapp für Doderer, die Handlung streng komponiert, die Personen mit faszinierenden Entwicklungsbögen versehen.

Ein Meisterwerk der Weltliteratur.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von ludwigwitzani TOP 500 REZENSENT
Format:Taschenbuch
Zwei Genüsse gibt es, die die Literatur dem Leser schenkt: eine gute Geschichte und eine gute Sprache. Die wahren Meister bieten beides in einem Werk - man denke nur an "Madame Bovary" von Flaubert oder "Die Buddenbrooks" von Thomas Mann. Es scheint aber geradezu ein Merkmal vieler Bücher zu sein, dass die Autoren unübersehbar ihre Stärken nur in nur einem der beiden Bereiche zeigen können. Entweder gibt es Meister der Konstruktion von Geschichten wie etwa Ken Follett, den niemand als Sprachgenie bezeichnen wird - oder begnadete Ästethen der Sprache - wie etwa Heimito von Doderer. Ehe mir das für das vorliegende Buch klar wurde, musste ich aber erst 150 Seiten lesen und mir schließlich eingestehen, dass die Konstruktion der Geschichte tatsächlich keinen Vergleich mit der Sprache aushält, in der sie dargestellt wird.
Deswegen ist die Handlung des vorliegenden Romans auch schnell erzählt. Es geht um die englische Industriellenfamilie der Claytons, genau gesagt: um Vater und Sohn, die in der besseren Wiener Gesellschaft vor dem Ersten Weltkrieg heimisch werden, ferner um den geschickten Chwostik, der innerhalb der Firma vom Handlanger zum Direktor aufsteigt, ehe er am Ende dem Vater die Nachricht vom Tod des Sohnes bringen muss.
Bis dahin vergehen fast vierhundert Seiten detaillierter Milieu- und Personalbeschreibung, von der "verkröterten Troglodytenexistenz" der Hausmeisterin Wawelka, von Fini und Feverl, zwei jungen Wiener Prostituierten, die schließlich auf dem Hof eines ungarischen Viehbarons landen, dem Gymnasiasten im Metternich-Club, der unzeitgemäßen Ingenieurin Monica - und vielen mehr. Auch wenn all diese Gestalten wie Treibholz in einem großen Fluss dahin dümpeln, sind die sprachlichen Wendungen, Aphorismen und Reflexionen, die der Autor bei seinen Darstellungen gleichsam nebenbei ausbreitet, schlichtweg grandios. "Wann ist man erwachsen?" fragt Doderer scheinbar beiläufig, um zu antworten Wenn man nicht mehr auf sich selbst hereinfällt." An einer anderen Stelle heißt es "Nur auf der allerobersten Stufe des Schweigens steht der Tiefsinn - unten aber der Stumpfsinn." Und so geht das über den gesamten Roman, so dass man versucht ist, es den Angehörigen der weltweiten Doderer-Fangemeinde gleichzutun und sich diese Sprüche in einem besonderen Notizbuch zu notieren.
Aber, man traut es sich kaum zu sagen, unleugbar ist auch, dass der Roman mit dem zunehmenden Fortgang der Handlung zerfasert. Handlungsträger werden unter großen Buhei einfach entfernt, andere treten mit Getöse neu und unnötig noch nach 300 Seiten in die Geschichte ein. Am Ende habe ich jedes Interesse an der Weiterentwicklung der Erzählung verloren, denn die Handlungsführung wurde immer beliebiger. So steht am Ende des Buches auch der klassische deus ex machina: Der arme und liebeskranke Donald Clayton stürzt in die Wasserfälle von Slunji, und alle machen lange Gesichter.
Insgesamt ein Buch, dessen imponierende sprachliche und psychologische Kraft den Leser den Mangel an Handlungsführung nur um so schmerzlicher verspüren lässt.
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