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Die Wannsee-Konferenz. Wie die NS-Bürokratie den Holocaust organisierte
 
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Die Wannsee-Konferenz. Wie die NS-Bürokratie den Holocaust organisierte [Gebundene Ausgabe]

Mark Roseman
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe
  • Verlag: Propyläen (2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3549071507
  • ISBN-13: 978-3549071502
  • Größe und/oder Gewicht: 22,1 x 14,2 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Am 31. Juli 1941 richtete der Stellvertreter Adolf Hitlers, Reichfeldmarschall Hermann Göring, ein Schreiben an den SS-Obergruppenführer sowie Chef der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes (SD) Reinhard Heydrich. Darin forderte er ihn auf, in kurzer Frist einen "Gesamtentwurf über die organisatorischen, sachlichen und materiellen Voraussetzungen zur Durchführung der angestrebten Endlösung der Judenfrage vorzulegen". Im November lud Heydrich vierzehn hochrangige Funktionäre aus Partei- und Staatsapparat für den 20. Januar 1942 an den Wannsee. Auf dieser -- wie es in dem Einladungsschreiben heißt -- "Besprechung mit anschließendem Frühstück" wurden Heydrichs "Gesamtentwurf" diskutiert und von der Runde als verbindlich angenommen.

Das Protokoll der Konferenz im Gästehaus der SS, Am Großen Wannsee 56-58, wurde dreißigfach ausgefertigt. Die einzig je aufgefundene 16. Ausfertigung entdeckten Ermittler des US-Anklägers Robert Kempner 1947 in den Akten des Unterstaatssekretärs Martin Luther. Ein Faksimile dieses als "Geheime Reichssache" gekennzeichneten Dokuments findet sich neben den erwähnten Schreiben Görings und Heydrichs im Anhang zu Rosemans Buch. Norbert Kampe notiert in seinen dem Dokumententeil vorangestellten Anmerkungen treffend: Aus dem Text des Protokolls geht "ungeachtet aller Tarnfloskeln und gespreizter bürokratischer Sprache eindeutig hervor, dass nach den bereits durchgeführten diversen Deportationen und Mordaktionen nun die systematische Ermordung aller Juden das Ziel der vereinten Anstrengungen reichsdeutscher Judenpolitik" sein sollte.

Mark Rosemans Buch dokumentiert und bewertet souverän und überzeugend den gegenwärtigen Stand der Forschung zur Wannsee-Konferenz und deren Vorgeschichte. So liefert es eine konzise wie bestechende Darstellung des Übergangs der "Judenpolitik" vom Massenmord zum Völkermord. --Andreas Vierecke

Perlentaucher.de


Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.01.2002
"Ausführlich" und "überzeugend" sind die Epitheta, mit denen Rainer Blasius dem Autor des Bandes sein Lob ausspricht. Ausführlich und überzeugend, so schreibt Blasius, setze sich Roseman mit der Frage auseinander, "warum die Wannsee-Konferenz überhaupt stattfand". Dass der Autor dabei die Überzeugung vertritt, an Hitlers Willen zur Vernichtung der Juden und an seiner Verantwortlichkeit könne kein Zweifel sein, scheint Blasius ebenso anzuerkennen wie die Mühe, die sich der Band in der Auseinandersetzung mit der jüngeren Holocaust-Forschung gibt. Das Ergebnis dieser Diskussion sieht der Rezensent in der Darstellung, "wie sich der 'genozidale Krieg' aus den brutalen Massenmorden seit Sommer 1941 entwickelte", und in einem Resümee, demzufolge Eichmanns "Wannsee-Protokoll" ein "Hinweisschild" dafür gewesen ist, dass der Genozid nunmehr zur offiziellen Politik geworden war.

© Perlentaucher Medien GmbH

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen

18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Die Perspektive verschiebt sich, 21. August 2003
Von 
Thomas Dunskus (Faleyras Frankreich) - Alle meine Rezensionen ansehen
(REAL NAME)   
Lange Zeit ist das „Protokoll" dier Wannsee-Konferenz vom 20.1.1942, das auf 15 Seiten (von denen etwa die Hälfte den Mischlingsfragen gewidmet sind) als beweisträchtiges Schlüsseldokument angesehen worden für den Entschluss der NS-Führung, die Juden in ihrem Machtbereich physisch zu vernichten. Roseman stellt die Dinge wesentlich differenzierter dar, deswegen heißt es im englischen Titel auch "...a Reconsideration".

Sein Buch ist voller Sätze, in denen bisherige Interpretationen relativiert, zurückgenommen oder in Frage gestellt werden. So zitiert er (S. 9) Eberhard Jäckel, der sich fragt, warum diese Konferenz überhaupt stattgefunden hat, er vermerkt (S. 10f), dass die Dokumentenlage alles andere als umfassend ist und wir darüber nur spekulieren können, er stellt fest (S. 51), es gäbe keinen einzelnen klaren Befehl, alle Juden zu ermorden (David Irving wird dies mit Befriedigung vermerkt haben), er beklagt (S. 53) den Mangel an amtlichen Akten, nennt Eintragungen in Himmlers Dienstkalender rätselhaft, oder stößt sich an der Abwesenheit von wichtigen Dienststellen, wie Reichsbahn, Wehrmacht, oder der Kanzlei des Führers - wenn auch nicht an der merkwürdigen Tatsache, dass Heydrich in der Teilnehmerliste gar nicht erscheint.

Trotz dieser und anderer Unsicherheiten in Bezug auf Fakten oder Interpretationen kommt Roseman auf S. 111 zu dem Schluss, dass von diesem Zeitpunkt an die „Endlösung" den Tod aller europäischen Juden bedeutete, denn so stünde es im Protokoll, obzwar bürokratisch verklausuliert. Hierbei ist jedoch anzumerken, dass das Wort „Tod" nicht generell mit „Tötung" gleichzusetzen war, wie sich an der entsprechenden Stelle aus den Überlegungen hinsichtlich der verschiedenen Gruppen von Juden ergibt. Fazit ist für Roseman, dass die Konferenz selbst kein Augenblick der Entscheidung war, sondern nur ein Hinweisschild auf eine veränderte politische Lage.

Vor der großen Bedeutung, die dem „Protokoll" lange Zeit hindurch zugemessen wurde, ist die Frage in den Hintergrund getreten, was denn nun in den verschiedenen Folgekonferenzen, die das Jahr 1942 markieren, besprochen bzw. entschieden worden ist. Ausgangspunkt der Wannsee-Konferenz war doch schließlich im Juli 1941 Görings Auftrag an Heydrich „in Bälde einen Gesamtentwurf ...zur Durchführung der angestrebten Endlösung der Judenfrage vorzulegen"; hierzu mussten ja nun entsprechende Arbeiten durchgeführt werden. Roseman erwähnt solche Folgetreffen im März und im Oktober 1942, misst ihnen aber eigentlich wenig Bedeutung zu. Man kommt nicht umhin, großen Langmut seitens Göring zu vermuten , vielleicht auch sein Desinteresse nach dem tödlichen Attentat auf Heydrich im Mai 1942 - jedenfalls relativiert dies die Bedeutung von Heydrichs Auftrag durchaus.

Im Zusammenhang mit den späteren Konferenzen ist eine Anmerkung bei Roseman interessant, die sich auf das sog. Schlegelberger-Dokument bezieht, demzufolge Hitler die „Endlösung" (in der ihr heute zugeschriebenen Form) abgelehnt habe. Roseman verweist hier explizit auf David Irvings Homepage, ist aber selbst eher skeptisch.

Gegenüber dem englischen Original beinhaltet die deutsche Ausgabe ein zusätzliches, vom Leiter der Wannsee-Gedenkstätte, Dr. Norbert Kampe, verfasstes und im Original nicht enthaltenes Kapitel, das sich mit den Unterschieden auseinandersetzt, die in den Abbildungen der diversen Dokumente dieses Komplexes in der Literatur aufgetreten sind. Kampe kreidet hier zu Recht dem Entdecker des Protokolls, Robert Kempner, handwerkliche Fehler an, die dieser bei seinem Umgang mit den Akten an diversen Stellen gemacht hat, unterstreicht aber, der Text sei stets korrekt nach dem Original wiedergegeben worden. Eine echte Dokumentenkritik ist dies verständlicherweise nicht, obwohl eine solche Arbeit weiterhin wünschenswert wäre angesichts der historischen Bedeutung dieser Papiere und der noch nicht ausgeräumten Unklarheiten in Bezug auf verschiedene Fragen hierzu.

Ein Gesichtspunkt, der in Bezug auf den Inhalt speziell des Protokolls große Bedeutung hat, ist das Problem der Sprache. Der Urtext ist natürlich in (einem unschön gestelzten) deutsch. Da es aber bei der Interpretation des Dokumentes sehr darauf ankommt, welcher Sinn diesem oder jenem Wort beigelegt wird, entsteht bei der Übertragung in fremde Sprachen ein grundsätzliches Problem dadurch, dass die Übersetzung durch die Einstellung des Übersetzers zum Text beeinflusst wird. An einem Beispiel von vielen aus der französischen Fassung des Protokolls, wie sie in der französischen Übersetzung von Rosemans Buch („Ordre du Jour: Génocide...", Audibert, 2002) gezeigt wird, soll dies deutlich gemacht werden:

Der deutsche Text lautet (S. 15 des Protokolls): „Mit der Bitte des Chefs... ihm bei der Durchführung der Lösungsarbeiten entsprechende Unterstützung zu gewähren, wurde die Sitzung geschlossen."

In der französischen Fassung heißt es „En mettant un terme à la réunion, le chef... demanda aux participants de lui accorder tout leur soutien dans l'exécution des tâches décidées."

Hier sind also aus diffusen ‚Lösungsarbeiten' konkrete ‚beschlossene Aufgaben' geworden und der unbefangene französische Leser bekommt einen ganz falschen Eindruck vom Stand der Forschung. War dies sozusagen vorauseilender Gehorsam des Übersetzers? Es steht zu befürchten, dass auch Übersetzungen des Protokolls in andere Sprachen ähnliche Bedenklichkeiten enthalten. Man muss sich auch fragen, inwieweit Roseman in der Lage war, den sogar für Deutsche schwierigen Text des „Protokolls" immer voll zu erfassen.

Wie unbefangen mit dem „Protokoll" heute umgegangen wird, zeigt sich auch darin, dass die filmisch sehr gute Darstellung der Konferenz (Deutschland, 1984), die zu passenden Gelegenheiten immer wieder vorgeführt wird, keinen Anspruch auf wörtliche Genauigkeit erhebt, während die in den USA gezeigte Fassung des selben Streifens vorgibt, dass ein stenographisches „Wortprotokoll" verbatim als Text des Drehbuchs verwendet wurde. So wird dem Zuschauer eine historische Genauigkeit vorgespiegelt, die es in dieser Sache nun einmal nicht gibt. Es wird lange dauern, bis sich die Erkenntnisse von Autoren wie Roseman gegen solche Dramatisierungen der Geschichte durchsetzen werden.

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3 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Schaudern und Ratlosigkeit, 7. Mai 2010
Von 
Die Frage, welche Rolle die Wannseekonferenz beim Massenmord an den Juden spielte, ob sie eine Zäsur war oder lediglich ein weiteres Stück Wegstrecke zum Holocaust, ist letztlich nur für Historiker interessant.

Trotzdem ist dieses Buch überaus lesenwert, zeichnet es doch die jahrelange Entwicklung zum Genozid nach. Das Buch lässt den Leser schaudernd aber auch ratlos zurück: Was bringt 15 "kultivierte" Menschen dazu, darunter viele Akademiker und insbesondere Juristen, über ein solches Verbrechen nicht nur nachzudenken, sondern es auch zu verüben? Auch der Autor weiß letztlich keine Antwort.
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