Endlich gibt es dieses außergewöhnliche Fernsehspiel auf DVD. Ich bewerte die "Wannseekonferenz" mal nur aus historischem Blickwinkel: die schauspielerischen Leistungen überzeugen voll und ganz, die Uniformen sind größtenteils in Ordnung, es wird zu keiner Sekunde langweilig. Man hat sich zwar einige dramaturgische Freiheiten genommen (es war niemals eine Sekretärin anwesend - das Protokoll führte Eichmann), der kläffende Hund im Garten sowie die lautstarken Auseinandersetzungen Stuckarts mit den übrigen Teilnehmern sind meines Wissens nicht geschichtlich verbürgt. Trotzdem gelingt es dem Film voll und ganz, dem Zuschauer die bürokratische Kälte zu vermitteln, mit der die Teilnehmer der Konferenz über das Schicksal der Juden Europas entschieden (das zu dieser Zeit längst besiegelt war). Vor allem Dietrich Mattausch glänzt in seiner Rolle als souverän-jovialer Managertyp. Neben ihm verkommen die übrigen Darsteller zu Statisten. Gerd Böckmann als Eichmann wirkt m.E. zu harmlos und brav (da kommt Stanley Tucci in der US-Version "Conspiracy" glaubwürdiger rüber). Sehr gut besetzt sind auch Friedrich Beckhaus als Gestapo-Müller und Martin Lüttge als Lange. Für Zuschauer, die mit den Instanzen des 3. Reiches nicht so vertraut sind, ist es mitunter schwer, die organisatorischen Zusammenhänge zu verstehen - aber das ist auch nicht unbedingt notwendig. Wie schon gesagt, es wird sehr eindrucksvoll die Atmosphäre des eiskalten Massenmord-Plans vermittelt. Man wird wieder einmal darin bestätigt, daß das Thema "3. Reich" am besten von deutschen Filmemachern verarbeitet wird (Ausnahmen sind Polanskis "Der Pianist" und natürlich Spielbergs "Schindlers Liste"). Ich gebe allerdings nur 4 Sterne, weil die technische Umsetzung auf DVD zu wünschen übrig läßt: keinerlei Bonusmaterial (obwohl sich zu diesem Thema viel angeboten hätte) und vor allem sehr bescheidene Bildqualität (die mich an eine alte VHS-Aufnahme erinnert). Schade, denn diese außergewöhnliche Produktion hätte eine angemessenere DVD-Umsetzung verdient gehabt.