Ja, wäre es. Allerdings nicht, wenn man besagten Film dann als Buchverfilmung betiteln möchte.
Ich war - zugegebender Maßen - wirklich gespannt auf die Verfilmung des Romans "Die Wanderhure", wobei ich damals dem Buch schätzungsweise 4 von 5 Sternen gegeben hätte. Einfach, weil der Handlungsablauf in Gedanken an das Mittelalter des 15. Jahrhunderts in gewisser Weise schon an eine Aneinanderreihung von glücklichen Zufällen grenzt. Doch zu dem Buch gibt es bisweilen sicherlich genug Rezensionen, durch die eine Kaufentscheidung erleichtert wird - daher äußere ich mich lieber zu dem Film.
Letztlich hat Sat1 meiner Meinung nach einen Film geschaffen, der tatsächlich lediglich 15% der Handlung des Buches aufgreifen kann.
Der Anfang, d.h. der Verbannungsgrund und das Grundgerüst der Intrigen rund um Marie, sowie der gen Ende stattfindende kleinen Hübschlerinnenaufstand, erinnern noch an die ursprüngliche Bestsellervorlage. Damit hat es sich dann jedoch auch schon, denn noch nicht einmal das Ende kann her geben, was das Buch vorlegt.
30 Minuten nach Beginn des Filmes habe ich mich gefragt, welchen Film ich hier eigentlich sehe und ob ich tatsächlich die Romanverfilmung vor mir habe, die wochenlang in der TV-Werbung angepriesen wurde. Zwischenzeitlich musste ich sogar an völlig unpassenden Stellen lachen - einfach, weil die Handlung so schrecklich verbogen wurde, um die vorgegebene Spielzeit einzuhalten. Beispielsweise hat man entscheidende Stellen gekürzt, sodass der Wandel in Maries Verhalten und Denken kaum nachvollziehbar ist, sowie man einige Szenen hinzu gedichtet hat. Ein Treffen zwischen Marie und Michel fand beispielsweise nie statt. Ohnehin sind die Charakterzüge hier ganz anders dargestellt - die "Film-Marie" hat kaum etwas gemein mit der "Buch-Marie", wirkt sogar unsympathisch auf mich und auch Michel ist im Film ein ganz anderer. Denn der "Buch-Michel" war beispielsweise überaus treu, und Marie gewiss auch nicht so 'bissig' zu ihm ;)
Die dargestellten Protagonisten wirken nebenbei auch noch schlecht in Szene gesetzt, die Darstellen können kaum die Charaktertiefe zeigen, die erforderliche wäre um die Charaktere als halbwegs realistisch zu empfinden, doch diesen Punkt schiebe ich, den Schauspielern zur Liebe, auf die drastisch vereinfachte Handlung des Filmes und dessen Länge.
Hinzu kommt, dass Alexandra Neldel, in meinen Augen, gänzlich fehlbesetzt war. Es gelingt mir einfach nicht, mein Bild von Marie in ihr wiederzuerkennen - das kann ja durchaus an mir liegen, allerdings frage ich mich, wer es vermag, in Neldel eine 17(!)jährige, liebliche Bürgerstocher zu erkennen.
Gegen den Film, aus Sicht derer, die das Buch gelesen haben, sprechen also die stark gekürzte und Großteils geänderte Handlung, als auch die geänderten, teilweise schlecht inszenierten Charaktere.
Wer das Buch allerdings NICHT gelesen hat kann dem Film, abgesehen von den recht flachen Darstellungen, sicherlich Gutes abgewinnen.
Die Kostüme sind passend und liebevoll, die Umgebung wirkt (auf mich als Laien) passend, und das Flair von Mittelalter kommt besser als bei anderen Produktionen dieser Art zur Geltung. Immerhin sehen nicht alle Nebendarsteller geschniegelt und gebügelt aus.
Als Minus-Punkt, auch für Solche, die das Buch vorher nicht kannten: die Sprache. Weit entfernt von Mittelalter, wobei ich lediglich erwartet hätte, dass Wörter wie "Ticket" nicht vorkommen.
Daher auch die zwei Sterne - über meinen Ärger als vorheriger Leser des Buches hinweg, grade, weil ich mich über die Hälfte des Filmes hinweg gefragt hab, ob ich tatsächlich eine Romanverfilmung vor mir habe. Wobei ich mich frage, wieso das Autorenehepaar dieses Drehbuch abgesegnet hat.