Was sich im ersten Moment wie ein Wald- und Wiesenroman der gängigsten bayrischen Heimatromanautoren anhört, entpuppt sich nach dem Lesen der ersten Seiten als ein perfekt recherchierter, spannend geschriebener historischer Roman.
Endlich mal ein historischer Roman, der in Deutschland spielt, nicht wie viele seiner Art in Schottland, Irland, England oder den USA.
Mit der „Waldgräfin" ist Alienor, die Tochter des Freigrafen zu Sassenberg in der Eifel gemeint. Die Geschichte spielt im Jahre des Herrn 1066 und beginnt mit der Schilderung des Lebens der Grafentochter Alienor. Allerdings wird das harte Leben einer Burgbewohnerin hier alles andere als verherrlicht, wie in so vielen Romanen dieses Genres. Beim Lesen glaubt man, die klammen, kalten Burgmauern zu spüren, unter denen die Burgbewohner im Winter leiden.
Von der Autorin wird sehr detailgenau geschildert, wie viel Umsicht und Organisationstalent nötig sind, um einen großen Haushalt auf einer mittelalterlichen Burg zu führen.
Alienor ist die älteste Tochter des Freigrafen, sie hat noch eine jüngere, bettlägerige Schwester, die anderen acht Geschwister sind gestorben, genau wie Alienors Mutter bei der letzten Geburt. Dadurch hat Alienor jetzt den Rang der Hausherrin zu erfüllen, sie muss die Vorratskammern kontrollieren und füllen, damit im Winter kein Burgbewohner hungern muss, sie hat die Aufgabe, sich um das Gesinde zu kümmern.
Während des Lesens wird immer klarer, wie hart das Leben zur damaligen Zeit, im dunklen Mittelalter, doch war und wie abhängig die Frauen von den Entscheidungen der Männer waren.
Aber Alienor meistert alle an sie gestellten Aufgaben mit Bravour und geht auch einem Streit mit ihrem Vater nicht aus dem Wege.
Eines Tages bringt ihr Vater von der Jagd einen seltsamen Wilderer mit, zerlumpt, von edler Statur, der deutschen Sprache nicht mächtig.
Nach einiger Zeit stellt Alienor fest, dass der Fremde normannisch spricht, die Sprache ihrer verstorbenen Mutter.
Da der Fremde dem Grafen trotz Folterungen seine Herkunft nicht preisgeben will, schenkt der Graf den gebrandmarkten und in Halseisen gelegten Fremden seiner Tochter als Sklave und Reitknecht.
Zuerst fürchtet sich Alienor vor der Wildheit des Fremden, dessen Name Erik lautet, doch nach und nach freundet sie sich mit ihm an.
Als Erik bei einem Kampf lebensgefährlich verletzt wird und glaubt, sterben zu müssen, vertraut er sich Alienor an und erzählt von seiner edlen Herkunft und seinem heidnischen Glauben.
Hin und her gerissen zwischen Schuldgefühlen und wachsender Zuneigung, ihrem christlichen Glauben und seinen heidnischen Göttern nimmt Alienor den Kampf gegen Religion, Wundbrand und ihren Vater auf.
Heimlich bringt sie Erik zu dem jüdischen Medicus, der auch im Burggelände lebt und sich mit orientalischen Heilmitteln und Heilkräutern bestens auskennt und bringt sich und alle Beteiligten dadurch in tödliche Gefahr.
Wer den "Medicus" verschlungen und wem "Die Päpstin" gefallen hat, der wird diese Buch lieben und nicht eher aufhören zu lesen, bis die letzte Seite umgeschlagen ist, denn dieses Buch hat alles, was zu einem guten historischen Roman gehört.
Und meiner Meinung nach schreit das Buch nach einer Fortsetzung.