Jahrelang erschienen eher kleckerweise Bücher zum Thema Kartenlegen nach Lenormand, inzwischen werden es deutlich mehr. Kann es sein, daß es schick wird, die Qualität aber gleichzeitig nachläßt?
Diesen Eindruck habe ich u. a. von diesem Buch, das meiner Meinung nach keinen umfassenden Einstieg in die Kartendeutung bietet. Viel zu knapp sind die Einzelkarten beschrieben, wichtige Aspekte wurden dabei außer Acht gelassen und sogar Fehler gemacht. Jeder Kartenleger hat seine persönliche Art zu deuten - und das ist auch gut so - aber die Bedeutungen der einzelnen Karten sind nicht beliebig interpretierbar, sondern weitgehend traditionell festgelegt. Das Herz ist kein klassischer Signifikator für Gesundheit und die Störche auch nicht für Beruf. Ebenso habe ich in meiner Laufbahn noch nie die Eulen als Kinder gedeutet gesehen, im Gegenteil, sie stehen schon rein assoziativ für ältere Menschen. Das ist meiner Ansicht nach keine Auslegungssache und solche offensichtlichen Fehler dürfen in einem Einsteiger-Buch nicht vorkommen.
Auf die Angabe von Kombinationen verzichtet der Autor bis auf ein kurzes Beispiel anhand der Sense völlig. Er begründet dies damit, daß es von zu vielen Lage-Faktoren abhinge, wie man sie deutet. Sich stur an Kombinationstabellen zu halten ist in der Tat nicht förderlich für die intuitive Deutung, aber wenigstens eine einführende Übersicht gab es bisher zur Orientierung für den Anfänger noch in jedem guten Lenormand-Buch. Und das ist auch unabdingbar, denn manche Kombis sollte man in den Anfängen einfach lernen, sonst überwiegt bei den ersten Deutungsversuchen schnell der Frust den Lerneifer.
Im zweiten Teil des Buches geht es dann um Legesysteme, zuerst die kleinen, dann die großen, einige scheinen vom Autor selbst entwickelt zu sein. Als besonders hilfreich empfinde ich sie nicht, zumal zuviel auf astrolgische Aspekte zurückgegriffen wird, was zu speziell für ein Buch über Grundwissen ist. Dies gilt ebenso für die Numerologie, die bei einigen Legearten Anwendung findet. So etwas würde ich Schülern erst zur Vertiefung lehren, wenn sie fortgeschritten sind bzw. sich in besonderem Maße dafür interessieren.
Gut beschrieben und nachvollziehbar ist die 9er-Legung, aber die wichtige Große Tafel wird leider nur angekratzt. Man findet den Ansatz einer systematischen Vorgehensweise, die sich dann aber wieder verliert, der Leser wird stattdessen mit einer umfangreichen Beispieldeutung demotiviert. Es gibt also keine übersichtliche Schritt-für-Schritt-Anleitung als Grundgerüst für einen Anfänger, an dem er sich bei den ersten Deutungsversuchen orientieren kann. Somit möchte ich dieses Buch nicht weiterempfehlen.