Ein sehr mutiges und ehrliches Buch, welches Johan Stenebo da geschrieben hat. Es ist keinesfalls nur "die Meinung einer Privatperson".
Das Buch enttarnt mutig die Strukturen hinter IKEAs Mauern. Fragen werden beantwortet und Vermutungen finden traurige Bestätigung. Er beschreibt sehr detailiert die Arbeitsweise von IKEA und den Umgang vor allem mit IKEAs Führungskräften. Die zunehmende Beamtenmentalität und dass "Fehler machen" inzwischen sehr wohl zur Entlassung führt. Aber auch, wohin es führt, wenn ein Unternehmen sich aus Angst vor Fehlern nicht mehr weiter entwickelt. Wenn mutige Querdenker oder Führungskräfte mit Ecken und Kanten der 80er und 90er Jahre frustriert das Unternehmen verlassen, ausgebrannt sind oder gefeuert werden, um ein System von "best practice", Kontrolle und rundgelutschten, angepassten, austauschbaren Führungskräften zu erhalten.
Er räumt auf mit der Legende vom kauzigen, menschenfreundlichen Ingavar Kamprad und stellt ihn als das dar, was er ist: Hochintelligent und kühl berechnend bis ins kleinste Detail.
Es liest sich gerade für Insider spannend, da Johan Stenebo viele Akteure bei ihrem richtigen Namen nennt. Und hat man einige Zeit bei IKEA gearbeitet und ist über die Mitarbeiterebene oder das eigene Möbelhaus hinausgekommen, so kennt man eben auch viele der angesprochenen Personen oder Vorgehensweisen im Unternehmen IKEA und nickt eifrig mit dem Kopf. In vielerlei Hinsicht ist dieses Buch sogar (zu) sehr vorsichtig formuliert und zwischen den Zeilen mehr eine "Liebeserklärung" an ein großartiges Konzept. Damit dieses auch nach Ingvar Kamprads Tod erhalten werden kann, mahnt er dringend notwendige Veränderungen an, die durch die immer stärker werdende Beamtenmentalität jedoch in weite Ferne gerückt zu sein scheinen.
Für Nicht-Insider ist dieses Buch insofern spannend, da Johan Stenebo dem Mythos IKEA ein Ende setzt. Er beschreibt in aller Deutlichkeit, dass sich IKEA bald in nichts mehr von einem normalen Konzern unterscheidet. Weshalb Frauen in EINFLUSSREICHEN Funktionen bei IKEA keine Chance haben und Männer einen schwedischen Pass besitzen sollten. Und weshalb so ein Buch niemals von einem (noch)-Mitarbeiter innerhalb IKEAs geschrieben werden könnte. Wer wirklich in den Stiftungen die alleinige Macht hat und wohin die Gewinne über eine Insel in der Karibik geschleust werden.
Beim Lesen dieses Buches werden vor allem Nicht-Insider sehr schnell feststellen, dass das Bild von IKEA in der Öffentlichkeit so ganz und gar nicht mit dem wirklichen IKEA übereinstimmen. Durch seinen tiefen Einblick, den er bei IKEA hatte, beschreibt er eine "fleckige IKEA-Sonne".
Johan Stenebo prangert an, dass ein Unternehmen mit den (nach aussen vertretenen) Werten, der Geschäfts- und Mitarbeiteridee auch eine Verantwortung der Außenwelt und der Öffentlichkeit gegenüber hat und es normalerweise keinen Grund geben sollte dieselbe Transparenz zu haben, wie andere Unternehmen vergleichbarer Größe auch.
Ein sehr ehrliches und vor allem mutiges Buch für die Vielen.