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Die Wahrheit über Arnold Hau
 
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Die Wahrheit über Arnold Hau (Taschenbuch)

von Robert Gernhardt (Herausgeber), F. W. Bernstein (Herausgeber), Friedrich Karl Waechter (Herausgeber)
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 189 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 3., Aufl. (September 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596132304
  • ISBN-13: 978-3596132300
  • Größe und/oder Gewicht: 19,1 x 12 x 1,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 238.721 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

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    Nr. 39 in  Bücher > Belletristik > Romane & Erzählungen > Zeitgenössische Literatur > Deutschsprachige Autoren > Gernhardt, Robert

Produktbeschreibungen

Autorenporträt

F.W. Bernstein zeichnet, macht Gedichte und schreibt Texte auf Papier, oft über Zeichnungen und Zeichnende. Seine Lyrik, Grafik und Satire wird zur sog. "Neuen Frankfurter Schule" gezählt. F.W. Bernstein lebt als Pseudonym des Zeichenlehrers Fritz Weigle in Berlin. Dieser, Jahrgang 1938, studierte Kunst in Stuttgart und Berlin und ist seit 1984 Professor für "Karikatur und Bildgeschichte" an der HdK Berlin, seit Ende 1999 außer Diensten.

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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Herrlicher, intelligenter Nonsens, 5. August 2009
Die Autoren Waechter, Bernstein und Gernhardt (alias 'Lützel Jeman') publizierten Ende der 60er bereits mittels der satirischen Zeitschrift "pardon" äußerst erfolgreich intelligenten Nonsens. "Arnold Hau" ist meiner Ansicht auf gleichem Niveau und angenehm unverkrampft humorvoll. Satiren auf Literaturbetrieb & Co sind witzig und lässig inszeniert, Gedichte reimen sich klassisch, sind inhaltlich aber teilweise wunderbar absurd - und nicht zuletzt zeichnet sich das ganze Büchlein durch eine gehörige Portion Selbstironie aus.
Wem's gefällt, dem seien gleich noch andere Werke der "Neuen Frankfurter Schule" empfohlen: z.B. die "Welt im Spiegel"-Komplettausgabe oder "Die Wahrheit über Hänsel und Gretel": gibt es wohl leider nur noch gebraucht, aber wer suchet der findet...
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54 von 76 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein Großer wird dem Orkus des Vergessens entrissen, 25. Dezember 2009
Von Dr. Horst Wolfgang Boger (Berlin & Potsdam, Germany) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REVIEWER)    (REAL NAME)   
Der Universalgelehrte und homme de lettres Arnold Hau ist neben Clemens Blaubrot, Ernst August Dölle und Theodor W. Adorno eine der größten Gestalten des deutschen Geisteslebens im 20. Jahrhundert. Allen vieren ist dessen ungeachtet ein Schattendasein zuteil geworden.

Clemens Blaubrot, der bedeutendste Naturlyriker der Kaiserzeit, sah angesichts der heraufdämmernden ökologischen Katastrophe zu verstummen sich genötigt.

Sein Abschied von der Naturlyrik ist in seinem resignativen Vierzeiler "Absage und Zusage" konzis gefasst:

"Ich habe ganz aufgegeben,
das Singen von Blume und Baum,
ich stelle mich jetzt dem Leben,
geb allen Problemen Raum!"

Unvergessen bleibt sein meditativ-spirituelles Gedicht "Identität - ja oder nein?"

"Bin ich's oder bin ich's nicht?
Wer ist's -, wenn ich's nicht wär?
Ein Reh ist Reh im Walddickicht
und selbst der Bär bleibt Bär.
Ich seh mich so -
die andern so;
ich weiß oft selbst nicht recht
bin ich hier oder anderswo,
bin Herr ich oder Knecht.
Bin ich ein Fürst? Ein Bettelmann?
Bin Heil'ge ich oder Hur?
Bin ich Gi-Ga-Gantenbein
Oder ein Wuschl nur?"

Die vier Fragen am Schluss hat die Blaubrot-Forschung noch nicht abschließend zu beantworten vermocht.

Ernst August Dölle, der an Hegels Dialektik von Herr und Knecht methodisch streng geschulte Psychologe und Philosoph (vgl. Dichotomie und Duplizität), konnte mit seiner lebend'gen, der noumenalen Welt abgelauschten Unversöhntheit von Dichotomie und Duplizität gegen das Unheil Lewin'scher Felder und Skinner'scher Abrichtungskäfige ('operant conditioning chambers', vulgo "Skinner boxes") nicht sich zu behaupten. Daran vermochte auch die Erfindung des DÖLLE-LÜTTCHENSschen Schnarrkastens (1925) kein Jota zu ändern.

Theodor W. Adorno, der große Dialektiker und Aphoristiker musste zu der resignativen Einsicht sich durchringen, dass "Wahr [...] nur die Gedanken [sind], die [...] selber nicht [sich] verstehen." (Minima Moralia: Reflexionen aus dem beschädigten Leben, # 122, S. 254). Man müsste wohl hinzufügen: Auch das Publikum war nicht in der Lage, Adornos Gedanken zu verstehen, was es freilich nicht davon abhielt, seine Bücher zu kaufen und gut sichtbar in den Wohnungen zu plazieren, ja gelegentlich daraus zu zitieren und dabei eine eingeweihte Mimik aufzusetzen. Gleichwohl: Adorno blieb ein geistiger Metöke.

Auch Arnold Hau ward die schuldige Anerkennung versagt.

Haus Werk ist so reichhaltig, so tiefschichtig, dass es wohl auf keine simple Formel zu bringen ist. Der kerygmatische Kern besteht aber sicherlich in seinen durch den Dekalog und durch Platons "Nomoi" inspirierten Gesetzen, die hier in Auszügen zitiert seien (S. 184 ff.):

"Ihr sollt nicht nachts auf die Frauen eurer besten Freunde steigen und ausrufen: 'Juvivallera! Die Sache macht ja Spaß!'"

"Geht nicht ans Henkelkörbchen der Witwe, um die besten Sachen herauszuklauen, den Rest aber zu lassen, vielleicht noch mit dem Briefchen: 'Wohl bekomms!'"

"Wer die Erstgeburt ausrottet, dem soll sie bis in das vierte Glied auch ausgerottet werden."

"Wer seine Notdurft nicht verscharrt, der soll verstoßen sein tausendfach."

"So einer dem Weibe beiwohnt, das zur selben Zeit einem anderen Manne beiwohnt, so soll er weder Seiler noch Einzelhändler werden können."

"Wer der Witwe beiwohnt im ersten Monat der Trauer, der soll zwei Scheffel Weizen erhalten. Wer ihr aber in jedem weiteren Monat beiwohnt, der soll leer ausgehen."

"So einer seinen Schwestervater mit einem Beil bedroht, so soll man ihm einmal ganz deutlich klarmachen, daß es so nicht geht."

Doch weder die Gottesmänner, noch die Philosophen, noch die Rechtsgelehrten schenken diesen Gesetzen, die dem gesellschaftliche Leben der Menschen ein neues, tragfähiges Fundament hätten verleihen können, die ihnen gebührende Beachtung.

Als Lyriker gelingen Hau feinste, durch Alfred Brehms Werk und durch unmittelbare, präzise Naturbeobachtungen inspirierte Nuancierungen (S. 91 ff.):

"Das BIRKHUHN, das die Beine spreitet,
ein schönes Glücksgefühl begleitet."

"Das erbsengroße GRABBELTIER
steigt unbemerkt aus dem Klavier.
Es hat genug von der Musik
und wirft sich auf Atomphysik."

"Der HABICHT fraß die WANDERRATTE,
nachdem er sie geschändet hatte."

"Die ZIRBELENTE sprach gedämpft:
'Ich hab mein Leben lang gekämpft.
Nun sollen auch mal andre ran,
zum Beispiel dieser Karajan.'"

Inspiriert durch ein ein nunmehr klassisches Werk, nämlich Deutscher Sozialismus von Werner Sombart, kann Hau zur Überwindung eines im atomistischen Individualismus verharrenden liberalen Denkens sich durchringen (S. 93):

"Das SCHNABELTIER, das SCHNABELTIER
vollzieht den Schritt vom Ich zum Wir.
Es spricht nicht mehr nur noch von sich,
es sagt nicht mehr: 'Dies Bier will ich!'
Es sagt: 'Dies Bier,
das wollen wir!
Wir wollen es, das SCHNABELTIER!'"

Doch Hau bleibt trotz solcher immensen Leistungen erfolglos. Weder das Schnabeltier, noch der Mensch kann zu Beifall und Zuspruch sich verstehen.

Er resigniert. "Ich habe zeit meines Lebens nach dem Menschen gefragt, nun soll er gefälligst nach mir fragen!", so vertraut er seinem Tagebuch an (S. 188). Aber das Tagebuch bleibt stumm und auch der Mensch tut nicht das, was Hau so sehnlich sich erwünscht.

Das letzte große, seherische Wort, das von ihm - vor seinem geheimnisvollen Verschwinden in den 1960er Jahren - überliefert ist, lautet (ibid.):

"Ich aber sage euch: Rapsutin [sic] hat auch nur mit Wasser gekocht ... Arnold Hau."

Den drei Autoren und Herausgebern, Fritz Weigle Bernstein, Robert Gernhardt und Friedrich Karl Waechter, gebührt das Verdienst, das Werk dieses großen Mannes einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu haben, wenn auch nur als Exzerpt.

Hoffen wir nun, dass der Name "Arnold Hau" endlich den Glanz und den Klang erhält, die ihm verdientermaßen zukommen.

Nachtrag (8. Januar 2010)

Bedauerlicherweise hat der S. Fischer Verlag das vordere und das hintere Vorsatzpapier der Ausgabe von
"Die Wahrheit über Arnold Hau", die in Die Drei. Die Wahrheit über Arnold Hau / Besternte Ernte / Die Blusen der Böhmen (Haffmans Verlag 1981) enthalten sind, unterschlagen. Wir können dort sogleich erkennen, mit welch philologischer Kompetenz Arnold Hau sich einem großen Text der Deutschen Literatur nähert.

Hier dokumentiere ich das vordere Vorsatzpapier. Die Anmerkungen von Hau sind in eckige Klammern gesetzt.

Faust: Der Tragödie Erster Teil
Nacht.

In einem hochgewölbten, engen gotischen Zimmer Faust, unruhig auf seinem Sessel am Pulte.

FAUST. Habe nun, ach! Philosophie,
Juristerei und Medizin,
Und leider auch Theologie
Durchaus studiert, mit heißem Bemühn. [Ne ganze Menge!]
Da steh ich nun, ich armer Tor!
Und bin so klug als wie zuvor; [sehr gut!]
Heiße Magister, heiße Doktor gar [Heißt er nicht Faust?]
Und ziehe schon an die zehen Jahr [zehn?]
Herauf, herab und quer und krumm
Meine Schüler an der Nase herum -
Und sehe, daß wir nichts wissen können! [Könnte von mir sein]
Das will mir schier das Herz verbrennen.
Zwar bin ich gescheiter als all die Laffen,
Doktoren, Magister, Schreiber und Pfaffen; [antiklerikal]
Mich plagen keine Skrupel noch Zweifel,
Fürchte mich weder vor Hölle noch Teufel - [schlechter Reim, besser: Fürchte mich weder vor Taunus noch Eifel]
Dafür ist mir auch alle Freud entrissen,
Bilde mir nicht ein, was Rechts zu wissen,
Bilde mir nicht ein, ich könnte was lehren,
Die Menschen zu bessern und zu bekehren.
Auch hab ich weder Gut noch Geld,
Noch Ehr und Herrlichkeit der Welt;
Es möchte kein Hund so länger leben! [Hunde können nicht studieren]
Drum hab ich mich der Magie ergeben,
Ob mir durch Geistes Kraft und Mund
Nicht manch Geheimnis würde kund;
Daß ich nicht mehr mit saurem Schweiß
Zu sagen brauche, was ich nicht weiß;
Daß ich erkenne, was die Welt
Im Innersten zusammenhält,
Schau alle Wirkenskraft und Samen, [na!]
Und tu nicht mehr in Worten kramen. [besser: Tüten (?)]

O sähst du, voller Mondenschein,
Zum letzenmal auf meine Pein, [guter Reim!]
Den ich so manche Mitternacht
An diesem Pult herangewacht:
Dann über Büchern und Papier,
Trübsel'ger Freund, erschienst du mir! [Damit ist der Mond gemeint]
Ach! könnt ich doch auf Bergeshöhn
In deinem lieben Lichte gehn,
Um Bergeshöhle mit Geistern schweben,
Auf Wiesen in deinem Dämmer weben, [Entweder weben oder baden. Beides zusammen geht nicht!]
Von allem Wissensqualm entladen,
In deinem Tau gesund mich baden!

Weh! steck ich in dem Kerker noch?
Verfluchtes dumpfes Mauerloch,
Wo selbst das liebe Himmelslicht
Trüb durch gemalte Scheiben bricht!
Beschränkt mit diesem Bücherhauf,
den Würme nagen, Staub bedeckt, [dichterische Freiheit]
Den bis ans hohe Gewölb hinauf
Ein angeraucht Papier umsteckt; [angerauht]
Mit Gläsern, Büchsen rings umstellt,
Mit Instrumenten vollgepfropft,... Lesen Sie weiter... ›
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11 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen Sicherlich nicht Gernhardts Meisterstück, 24. August 1999
Von Ein Kunde
Arnold Hau ist (oder war) einer der großen verkannten Dichter unserer Zeit. Und total erfunden. Letzteres hat Robert Gernhardt gemeinsam mit F.W. Bernstein und F.K. Waechter zustande gebracht, und in diesem Büchlein findet man das Ergebnis: lauter Texte über und von Arnold Hau, ebenso reichliche Zeichnungen von Bernstein, Waechter und Gernhardt selbst, die den Lebensweg des Hau illustrieren bzw. aus seinem Werk stammen. Das läßt sich so grundsätzlich ganz komisch an - einige Spitzen zum Literaturbetrieb und insbesondere zu der Art, wie über Dichter gesprochen wird, finden sich im Text "über" Hau; und einiges komische und absurde in den Texten, die der Mann selbst verfaßt haben soll. So richtig zünden will das Feuerwerk aber nicht, das hier abgebrannt wird. Eine Menge ist es schon, aber die Menge allein macht halt nicht die Musik; und auch die Komposition ist nicht ganz gelungen. So scheint's mir. Aber natürlich kann man darüber (und über vieles) geteilter Meinung sein. Ich lese lieber Gernhardts Gedichte. Aber streiten wir uns nicht. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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