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Die Wahlverwandtschaften: Ein Roman (insel taschenbuch) [Broschiert]

Johann Wolfgang Goethe , Hans-Joachim Weitz , Walter Benjamin
4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

Erhältlich bei diesen Anbietern.



Kurzbeschreibung

13. September 1972 insel taschenbuch (Buch 1)
"Es ist ein Werk von so zarter und unerbittlicher Kenntnis des Menschenherzens, so ausgeglichen in Güte und Strenge, Klarheit und Geheimnis, Klugheit und Ergriffenheit, Form und Gefühl, daß wir es nur mit Staunen das unsere nennen." Thomas MannEduard und Charlotte leben in zweiter Ehe zusammen auf ihrem Landgut und erfüllen sich damit ihre Jugendliebe. Die Zweisamkeit wird gestört, als Eduard seinen alten Freund Otto, einen in Not geratenen Hauptmann, als Berater und Gartenvermesser auf sein Gut einlädt und Charlotte ihrerseits ihre auf dem Internat unglückliche Pflegetochter Ottilie als häusliche Gehilfin zu sich nimmt. Die Harmonie zwischen Eduard und Charlotte ist durch das Eindringen der Freunde gestört: Charlotte fühlt sich zu dem praktisch denkenden Hauptmann hingezogen, der sensible Eduard empfindet eine innige Neigung zur empfindsamen Ottilie. Während Charlotte und der Hauptmann ihren gegenseitigen Neigungen entschlossen entgegenzutreten versuchen, lassen Eduard und Ottilie die langsam entstehende Liebe zu. Aus dieser 'Wahlverwandtschaft', die sich mit der unabwendbaren Kraft eines Naturvorgangs entwickelt, gibt es kein Zurück, aber auch keinen anderen glücklichen Ausgang.

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Produktinformation

  • Broschiert: 336 Seiten
  • Verlag: Insel Verlag (13. September 1972)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3458317015
  • ISBN-13: 978-3458317012
  • Größe und/oder Gewicht: 17,7 x 10,9 x 1,9 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 566.797 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Über den Autor

Johann Wolfgang Goethe, am 28. August 1749 in Frankfurt am Main geboren, absolvierte ein Jurastudium und trat dann in den Regierungsdienst am Hof von Weimar ein. 1773 veröffentlichte er Götz von Berlichingen (anonym) und 1774 Die Leiden des jungen Werthers. Es folgte eine Vielzahl weiterer Veröffentlichungen, zu den berühmtesten zählen Italienische Reise (1816/1817), Wilhelm Meisters Lehrjahre (1798) und Faust (1808). Johann Wolfgang Goethe starb am 22. März 1832 in Weimar.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Eduard - so nennen wir einen reichen Baron im besten Mannesalter - Eduard hatte in seiner Baumschule die schönste Stunde eines Aprilnachmittags zugebracht, um frisch erhaltene Pfropfreiser auf junge Stämme zu bringen. Sein Geschäft war eben vollendet; er legte die Gerätschaften in das Futteral zusammen und betrachtete seine Arbeit mit Vergnügen, als der Gärtner hinzutrat und sich an dem teilnehmenden Fleiße des Herrn ergötzte.

Hast du meine Frau nicht gesehen? fragte Eduard, indem er sich weiterzugehen anschickte.

Drüben in den neuen Anlagen, versetzte der Gärtner. Die Mooshütte wird heute fertig, die sie an der Felswand, dem Schlosse gegenüber, gebaut hat. Alles ist recht schön geworden und muß Euer Gnaden gefallen. Man hat einen vortrefflichen Anblick: unten das Dorf, ein wenig rechter Hand die Kirche, über deren Turmspitze man fast hinwegsieht; gegenüber das Schloß und die Gärten.

Ganz recht, versetzte Eduard; einige Schritte von hier konnte ich die Leute arbeiten sehen.

Dann, fuhr der Gärtner fort, öffnet sich rechts das Tal, und man sieht über die reichen Baumwiesen in eine heitere Ferne. Der Stieg die Felsen hinauf ist gar hübsch angelegt. Die gnädige Frau versteht es; man arbeitet unter ihr mit Vergnügen.

Geh zu ihr, sagte Eduard, und ersuche sie, auf mich zu warten. Sage ihr, ich wünsche die neue Schöpfung zu sehen und mich daran zu erfreuen.

Der Gärtner entfernte sich eilig, und Eduard folgte bald.


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen Keine Angst vor Goethe 7. März 2010
Von Pj TOP 1000 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
4.0 von 5 Sternen Keine Angst vor Goethe, 6. März 2010

Eduard und Charlotte, ein Ehepaar welches sich im zweiten Ehe-Anlauf fand, lebt zufrieden auf seinem Landgut und genießt die Zweisamkeit. Da kündigt sich unerwartet Besuch an - ein Freund Eduardens, der Hauptmann, kommt auf längere Zeit zu Besuch, ebenso wird Ottilie, die Nichte Charlottes, ins Haus aufgenommen. Eduard verliebt sich blindlings in die stille Ottilie, Charlotte und der Hautpmann finden sich ebenso in einer deutlich reiferen Liebe zueinander. Im Grunde genommen sind sich alle einig und könnten in den neuen Verbindung weiterleben, würde da nicht ein Unglück geschehen, welches Ottilie die unmoralische Seite der ganzen Situation dramatisch klar macht. Sie entzieht sich, schwört Abstinenz - und stirbt letzendlich.

"Die Wahlverwandtschaften" ist als Analogie aus der Chemie genommen, welche ziemlich am Anfang erläutert wird. Die Theorie sagt aus, daß zwei chemische Elemente, welche sich zueinander gezogen fühlen, keine Wahl haben als sich zu verbinden und daß das Hinzufügen eines Elements die friedliche Ruhe zweier anderer Elemente komplett zerstören kann.

Das Buch ist unfaßbar modern, da Goethe sich keinerlei Moralvorstellungen unterwirft. Eduard und Ottilie erleben vielleicht das, was so manch treuer Ehemann und liebender Vater beim Erscheinen des jungen Au-Pair Mädchen erleben mag - ob er es nun will oder nicht. Das heiterste Pahr sind ein Graf und ein Gräfin, welche - beide geschieden - munter und vergnügt ihre freie Beziehung erleben. (Diese stellen auch die interessante These auf, daß Ehen nur auf sieben Jahre geschlossen werden sollten. Wer sonst nichts aus dem Buch liest, sollte sich diese Passage durchlesen, welche auch munter von Frau Pauli in ihrem Wahlprogramm geklaut wurde.) Der Hauptmann und Charlotte sind die reifsten Personen und scheinen letztendlich bereit, sich aus dem ganzen Chaos auszuklinken um gemeinsam eine ruhigere Liebe zu erleben. Ausgerechnet Mittler, der immer für das moralisch korrekte sorgen möchte, tritt mit seinen Ausführungen immer wieder daneben. Von daher - absolut lesenswert..

Schwierig ist allerdings der Sprachstil. Ottilie ist schon sehr betulich, Eduard sehr naiv und leidenschaftlich und Charlotte gar so vernünftig. Beim Lesen (auch anderer Bücher von Goethe) bekommt man immer wieder den Eindruck, daß der gute Herr so gar keinen Sinn für Humor hatte und daher seine Figuren auch immer nur in bitterem Ernst oder würdiger Erhabenheit erleben läßt. (Daher auch die vier Sterne.) Wenn man sich aber darauf einläßt, dann bietet das Buch eine selbstvertändlich hochintelligente und auch schöne Lektüre.
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2 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Einflußräume 9. September 1999
Von Ein Kunde
Aus zwei Verbindungen zwei Elemente segmentieren und in wechselseitigem Austausch neue Konstellationen bilden lassen = Wahlverwandtschaften. Doch weniger die Neigung als vielmehr das para-wissenschaftliche Gesetz(te) stellen sich beim Jubilar als konstituierend heraus: Das Sinnhafte wird permanent von den Protagonisten - bestrebt, sich ihrer Ausweglosigkeit zu ent-deuten - addiert, das Fatale gleichsam präfiguriert. Man sollte also meinen, Triebhaftes und Getriebene triumphierten über Sittsames und Konventionalisierte. Doch die Stille des Gewässers trügt. Was als Wahrheit auf der Seeoberfläche treibt, erweist sich als linker Pfad; mit dem Einzug des Wunderbaren in die Erzählung wird jede vorhergehende (Un-)Ordnung absorbiert. Es bleiben Dichotomien. Paarbildungen sind in den `Wahlverwandtschaften' das überdauernde Prinzip in prinzipieller Vergänglichkeit oder (besser) Umorientierung. Weniger die Protagonisten, deren polarisierende Wesenszüge sich in der frappierenden Namenskonvergenz (otto als anagrammatische oder ethymologische Basis) zu einem geschlossenen Quartett (Quintett) elementarer Verwandtschaftlichkeit zu formieren scheinen, bestimmen hier den Ablauf der Dinge: Im Hintergrund lauern Prinzipien, deren Un(vorher)sagbarkeit und Gewalttätigkeit die Strukturen menschlicher und letztlich auch erzählerischer Einflußräume unterwandern. Daß hier noch ein Autor - und ist er auch der gefeierte große Dilettant der deutschen Literatur - die Fäden in der Hand hält, scheint unmöglich. Feiern wir also den Text - indem wir ihn lesen, natürlich. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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