Natürlich handelt es sich um einen Tendenzroman, Suttner ging es um ihr Anliegen, nicht darum, grosse Literatur zu schaffen. Dennoch kann dieses Buch auch für literaturgeschichtlich Interessierte sehr aufschlussreich sein. Insbesondere wenn man sich mit Literatur der Moderne befasst, sollte dieses Buch als ein Beispiel frühmoderner Denkweise betrachtet werden: Suttners Hauptfigur ist eine selbstständig denkende Frau, mit grosser Fortschrittsgläubigkeit, die Protagonistin - wie auch Suttner - glauben an eine ständige, geistige Höherentwicklung des Menschen, die letztlich zum Ende aller Krieg führen müsse. Fortschrittsglaube, Darwinismus, Pazifismus, die "Frauenfrage", demokratisches Bewusstsein... All diese Ideen und Theorien, die in der Moderne kontrovers diskutiert werden, finden sich schon in diesem Roman zentral diskutiert (Pazifismus) oder andeutungsweise("Frauenfrage").
Die Erzählart des Romans ist freilich recht traditionell, es wird aus der auktorialen Ich-Perspektive erzählt. Auffällig ist höchstens, dass die Autorin schon eine Art "Montagetechnik" anwendet, so werden z. B. Kriegserklärungen, Kriegsberichte, Briefe usw. in den Textzusammenhang verwoben und jeweils aus der Perspektive der Hauptfigur kommentiert und häufig in ihrer Phrasenhaftigkeit entlarvt.
Der Roman kann uns auch ein Bild seiner Zeit liefern: man erhält Einblick in die Lebensweise der österreichischen Aristokratie der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und die Geschichte der kriegerischen Auseinandersetzungen im damaligen Europa läuft vor den Augen des Lesers ab.
Die Germanistik hat diese Roman weitgehend ignoriert, wohl deshalb, weil er ihr - zu Recht - als literarisch unbedeutend erschien. Für eine literaturgeschichtliche Betrachtung etwa der Wiener Moderne aber scheint es mir sehr sinnvoll zu sein, diesen Roman zu lesen, da er ein anschauliches Zeitbild vermittelt.