Der im November 2010 vom Brandenburgischen Verlagshaus/Siegler herausgegebene Band "Die Waffen-SS: 1. bis 9. Division" beinhaltet die beiden englischsprachigen Originalausgaben "
The Waffen-SS (1): 1. to 5. Divisions (Men-at-Arms)" und "
The Waffen-SS (2): 6. to 10. Divisions (Men-at-Arms)", die bereits in den Jahren 2003 und 2004 bei Osprey Publishing erschienen sind. Die 10. SS-Panzer-Division "Frundsberg" wurde jedoch ausgespart. So weist das 92seitige deutsche Hardcover mit seinen Abmessungen (24 x 18 x 1,2 cm) auch die doppelte Buchdicke gegenüber den beiden englischsprachigen, jeweils 48seitigen, Paperbackausgaben vor.
Die deutsche Ausgabe ist somit inhaltlich beinahe und strukturell die 1:1 Umsetzung der beiden Originalbände. Nach einer Einführung werden die ersten neun Divisionen der "Waffen SS" jeweils in den Abschnitten Ursprünge, Kommandeure, Verbände und Einheiten, Einsätze und spezielle Abzeichen vorgestellt. In einem Mittelteil, dessen Seiten mit A - L (Seiten 43 - 54) ausgewiesen sind, werden Zeichnungen der verschiedenen Uniformen und ihrer meist grimmig drein blickenden Träger präsentiert. Neben den verschiedenen Diensträngen lassen einige Bilder auch spezielle Kommandeure, wie z. B. "Obergruppenführer" Artur Phleps erkennen.
Zur bereits geäußerten Kritik ist anzumerken, dass das Hoheitsabzeichen (Reichsadler) tatsächlich auf der rechten Brustseite der Uniform getragen wurde, auf dem dem Cover des Bandes "Rommels Afrikakorps" (der hier nicht zur Rezension steht!) jedoch spiegelverkehrt dargestellt ist. Auch an Abbildungen, Fotos und den Texten gibt es gegenüber denen in den Originalausgaben wenig zu bekritteln. Es sind aber leider einige Druckfehler festzustellen, wie z. B. Wornhout (S. 12 ) statt Wormhout und La Paradis (Seite 29) statt Le Paradis. Ein "Pars pro toto" für die gesamte Reihe der Bände daraus abzuleiten, ist jedoch undifferenziert und oberflächlich....
....zu kritisieren ist jedoch die recht kurzsilbige und ungenaue Darstellung der Verbrechen der "Waffen-SS". Hier zu einige Beispiele:"....war der Vorwand für die Zerstörung des friedlichen Dorfes Oradour-sur-Glane in der Nähe von Limoges, wobei mehr als 640 Menschen, Frauen und Kinder ums Leben kamen" (S. 24). Tatsächlich waren es 642 Menschen, darunter 207 Kinder und 254 Frauen, die am 10. Juni 1944 von den Totenkopfträgern gnadenlos ermordet wurden. "....Truppen der Leibstandarte wurden ferner auch verdächtigt, rund 80 britische Offiziere am 28. Mai 1940 bei Wornhout erschossen zu haben." (S. 12) Tatsächlich wurden 80, nach anderen Quellen 97 wehrlose britische und französische Kriegsgefangene ermordet. "....erschossen allerdings Soldaten seiner Einheit in der Nähe von Malmedy 83 amerikanische Kriegsgefangene, sie sie eigentlich nur beaufsichtigen sollten." (S. 15). Tatsächlich wurden erneut wehrlose Gefangene mit Maschinengewehrsalven umgebracht. Lediglich beim Massaker von Le Paradis am 27. Mai 1940 wird Klartext gesprochen: "....wurden rund 100 Kriegsgefangene der 2. Royal Norfolks in einer Scheune zusammengetrieben und durch Maschinengewehrfeuer ermordet (S. 29).
Während die lediglich die "SD-Einsatzgruppen" als verbrecherisch bezeichnet werden (S. 28) verliert der Autor Gordon Williamson kein einziges Wort darüber, dass sich gerade die verlustreichsten Eliteeinheiten, aus weltanschaulich und pseudoreligiös gedrillten und verblendeten "Rassekriegern" zur Durchführung eines Vernichtungs- und Eroberungskrieges zusammensetzten. Die Verbrechen der einzelnen Einheiten werden nur als kurze Randnotiz im Abschnitt "Einsätze". dargestellt....
....daher wäre neben einer Erklärung zur weltanschaulichen Verblendung in der Einleitung, auch bei jeder Division ein weiterer, ausführlicherer Abschnitt "Verbrechen" mehr als angebracht!
Das archaische Symbol des Totenkopfes an einer Uniform des 20.Jahrhunderts (!) ließ bereits zweifelsfrei erkennen, welchem Ungeist ihre Träger entsprungen, und welche Untaten von ihnen zu erwarten waren.
In der Hoffnung auf entsprechende Modifikation in der nächsten Auflage, kann der preisgünstige Band noch mit 4 Amazonsternen bewertet werden.