Im Gegensatz zu den Veröffentlichungen von anderen Mitgliedern der ökonomischen Zunft (Sinn, Bofinger, Hickel usw.) bleibt dieses auf einem sehr sachlichen und unpolemischen Niveau. Zielgruppe ist auch nicht der ökonomisch interessierte Bürger, sondern spricht ausgebildete Ökonomen an, da entsprechendes Vorwissen vorausgesetzt werden muss.
Binswanger beschäftigt sich zu Beginn mit der klassischen (politischen) Ökonomie und der Neoklassik. Er zeigt sehr deutlich, wo die Grenzen dieser Modelle liegen, und dass sie für die Verwendung und Erklärung der Gewinnwirtschaft des 20./21. Jahrhunderst nicht geeignet sind, da die systemimmanenten Mängel zu groß sind. Die Argumentation erfolgt sowohl technisch, als auch verbal.
Als primärer Mangel wird herausgearbeitet, dass kein (richtiger) historischer Zeitbezug bzw. Dynamisierung (auch in den entsprechenden postkeynsianischen und neuen endogenen Wachstumsmodellen) besteht; dass die Bedeutung des Geldes, der Geldschöpfung, Kreditwirtschaft und die Definition des Kapitalbegriffs verkannt oder ignoriert wird; dass ein endogenes , also systembehaftetes Wachstum in der Wirtschaftstheorie nicht enthalten ist.
Neben ausführlichen Analysen des Kapitalbegriffs, Grenz- und Nettoproduktionstheorie, (vermeintlich) ökologische Wachstumsgrenzen und Verteilungsproblematik des Sozialprodukts, arbeitet Binswanger ein eigenes Modell bzw. Erklärungvorschlag für das Verständnis der modernen Ökonomie aus.
Hierbei wird gezeigt, dass es einen Zwang zum Wirtschaftswachstum gibt, der aus der Geldsphäre resultiert, wodurch sich eine "Wachstumsspirale" ergibt, sobald man eine Interdependenz einzelner Perioden betrachtet. Die Ergebnisse werden auch in einem Makromodell formalisiert.
UNter der Annahme der heutigen Rahmenbedingungen kann ein notwendiges Mindestwachstum von 1.8% ermittelt werden. Wird dies nicht erreicht, fällt das Sytem wie ein Kartenhaus zusammen, im Bestfall gibt es eine große Wirtschaftskrise. Binswanger bleibt jedoch Optimist und liefert die entsprechenden Argumente, warum trotz aktueller Wachstumsschwäche in Europa dieses Szenario wahrscheinlich nicht greift.
Am Schluss wird untersucht, welche langfristigen Wachstumschancen und Wachstumshemmnisse sich innerhalb des Systems befinden und welche Herausforderungen sich daraus für die Zukunft ergeben.
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Fazit: Binswanger geht an die verschiedenen Wirtschaftstheorien erfrischend anders heran, als man es von der Literatur sonst kennt, ohne zu polemisieren oder analytische Fehler zu begehen. Die von ihm herausgearbeitet Theorie hat sowohl Elemente der vorherrschenden Lehre (Neoklassik), als auch der polit. Ökonomik des 18. und 19. Jahrhunderts.
Das Buch hat einen, nicht nur im Endergebnis in Form seines Modelles, hohen Erkenntnisgewinn und das Potenzial die Richtung des Mainstream zu ändern. Für diesen Preis ist das Buch uneingeschränkt empfehlenswert - eine der besten deutschsprachigen Bücher auf dem Markt.