Auf das Buch war ich recht neugierig, da ich demnächst nach London fliege und mir natürlich das Wachsfigurenkabinett anschauen werde. ;-)
"Die Wachsmalerin" lässt sich leicht lesen und liefert einiges an Hintergrundwissen über die Französische Revolution. Ich fand es sehr spannend, das alles noch einmal in einem Roman zu lesen, was ich mal in der Schule gelernt hatte (und schon wieder vergessen hatte). Besonders gut kommt meiner Meinung nach die Wut des einfachen Volkes rüber und die Unterschiede zwischen den gemäßigten Revolutionären und den radikalen. Besonders die Willkürherrschaft ist eindrücklich geschildert und man kann mit richtig mit den Hauptpersonen mitleiden, denn es hat wirklich jeden auf ein einfaches Wort eines anderen hin gereicht.
Auch über die Kunst des Wachsbildens erfährt man etwas.
Die Figuren an sich sind sehr liebevoll gestaltet. Maries Onkel, der sich vom überzeugten Royalisten zum noch überzeugteren Revolutionär wandelt und der immer bemüht ist, nur ja nichts falsch zu machen, damit man ihm nichts anhaben kann. Marie selber, die ihre wahren Gedanken oft verbergen muss, da sie im Herzen Royalistin ist. Ebenso der Maler David, Maries erste große Liebe, und ihre Freundin Laure. Alle diese Figuren wirken überzeugend und das macht das Buch lebenswert.
Warum nur drei Sterne? Einen Stern Abzug gibt es für das enttäuschende Ende. Die Jahre nach der Schreckensherrschaft werden auf ein paar Seiten knapp abgehandelt, dabei war Maries Leben noch lange nicht vorbei.
Der andere Stern für ein paar Kleinigkeiten: Zum einen sind gerade am Anfang relativ große Zeitsprünge von einem Absatz zum anderen. Das ergibt nur Momentaufnahmen aus Maries Leben und stört den Lesefluß meiner Meinung nach. Zudem habe ich den teilweise stattfindenden Wechsel zwischen Vergangenheits- und Gegenwartsform beim Lesen störend empfunden, vor allem, wenn alle paar Sätze gewechselt wird.
Fazit: Das Buch ist interessant und auf jeden Fall lesenswert, wenn man die Schwachstellen in Kauf nehmen kann.