Ja, der Klappentext und auch das Titelbild dieser Ausgabe wecken eher falsche Erwartungen - nämlich daß es sich hier um einen dieser unzähligen pseudo-historischen Romane handelt, bei denen längst vergangene Epochen die exotische Kulisse für ergreifende Frauenschicksale bilden. (Man kennt sie ja - dutzende von Novellen, deren Titel, wie hier, eine weibliche Berufsbezeichnung bildet - alles von der Wanderhure bis zur Hebamme.) Wer auf so etwas eher skeptisch reagiert, der könnte von diesem Buch positiv überrasch werden! Für die Irreführung durch den Verlag, anders kann man es nicht nennen, gibt es aber einen Stern Abzug, denn es wird ja auch die Auflage ezensiert, nicht nur die Geschichte an sich.
Nicht völlig ohne Ironie, und auch nicht völlig ohne gruselige Details, aber mit viel Atmosphäre wird Catherines Geschichte -und die der Menschen um sie herum- in einer Zeit des Umbruchs geschildert. Alle Beteiligten sind auf ihre Art Außenseiter, aber Tragik wird höchstens wohldosiert verbareicht. Selbst die Liebesgeschichte steht nicht wirklich im Zentrum der Geschichte - und wird dadurch nur anrührender. Und Happy End...? Na ja.
Dazu kommt, daß es tatsächlich hilfreich war, ein, zwei zentrale, historische Figuren des Buches nachzuschlagen, etwas, was dem französischen Publikum vielleicht erspart blieb... Aber seit wann ist es denn ein Minuspunkt, wenn man beim Lesen etwas lernen kann? Die Zumutung, nicht alles schon zu kennen, was man zwischen den Buchdeckeln findet, ersparen uns viel zu viele Autoren!
Alles in allem, eine positive Überraschung, lebendig erzählt, und ich habe es noch vielen Lesern ans Herz gelegt.