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Lakonisch-melancholisches Sittenbild, 25. Oktober 2001
Rezension bezieht sich auf: Die Wache (Gebundene Ausgabe)
Ein äußerst lesenswertes Buch über die Seefahrt und was sie aus den Menschen macht, über vereinsamte, ja auch über verbitterte Männer, über die Liebe zum Leben und -- wie sollte es anders sein -- zum Meer. Ein Sittenbild aus vielen lakonisch erzählten Ereignissen, fast alle haben mit Frauen zu tun, Frauen aus der Sicht der Seeleute wohlgemerkt, immer wieder erneute, oft rührend hilflose Annäherungsversuche. Komische Geschichten sind darunter und verzweifelte, die von Schuld handeln, die man sich nur morgens auf der Wache in den frühen Stunden vor Sonnenanbruch im Nebel erzählen kann, wenn alles verschwimmt, und auch der Autor den Leser über die Stimme dessen, der nun spricht, im Unklaren läßt. Poetisch, knallhart, zynisch und lakonisch -- dabei hervorragend ins Deutsche übertragen (und das bei einer verwirrenden Fülle nautischer Fachbegriffe). Griechische Literatur at its best!
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Derbe Seemannswelt, 2. Februar 2002
Rezension bezieht sich auf: Die Wache (Gebundene Ausgabe)
Der griechische Autor Nikos Kavvadias, der in seiner Heimat vor allen Dingen mit seinen Gedichten berühmt wurde, beschreibt in seinem einzigen Roman "Die Wache" indirekt autobiografisch seine Erfahrungen als Matrose und Funker auf den Weltmeeren. Im vorliegenden Band befinden sich die Männer auf dem Schiff "Pytheas", ein altes Frachtschiff, das Ende der Vierziger Jahre durch das Chinesische Meer kreuzt. Geschildert sind die Gespräche der Männer während ihrer Wachen, die vor allen Dingen von ihren meist zur Unfähigkeit verdammten Beziehungen zu Frauen berichten, weshalb sie sich unterwegs zu Huren flüchten. Sie berichten außerdem von Stürmen auf dem Meer und von zweifelhaften Heldentaten, von Erlebnissen, Abenteuern und Krankheiten, von ihren Ängsten und Sehnsüchten. Geständnisse, die sie sich gegenseitig machen. Oft ist unklar, wer nun eigentlich spricht und die Personen bleiben immer nur Stimmen. Doch Kavvadias geht es um die Gespräche, um den Ton unter den Männern, der zumeist sehr derb ist und eine raue, ungeschlachte Männerwelt schildert, die, selbst wenn sie dem Leser auch noch so fremd sein mag, dennoch einen eigenmächtigen Sog ausübt. Denn schnell vermutet man hinter den harten, unfeinen Worten sehr viel mehr - Sehnsucht, Enttäuschung, ja, selbst Zärtlichkeit.
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Spannende Einblicke in das Seelenleben eines Seefahrers, 29. Oktober 2001
Rezension bezieht sich auf: Die Wache (Gebundene Ausgabe)
Die Erzählungen und Gespräche des seefahrenden Dichters Nikos Kavvadias bieten interessante und spannende Einblicke in das Seelenleben eines Seefahrers. Vieles dreht sich um Beziehung, oder besser die Unmöglichkeit von Beziehung in diesem Metier und die daraus folgende Seelenverwandschaft mit den Huren und Nutten. Die Ängste der Männer und ihre Hoffnungen werden in deutlicher, klarer Sprache (auch im Deutschen, dank der hervorragenden Übersetzungsarbeit von Maria Petersen) und dennoch oder gerade deswegen poetisch ausgebreitet.
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