Der griechische Autor Nikos Kavvadias, der in seiner Heimat vor allen Dingen mit seinen Gedichten berühmt wurde, beschreibt in seinem einzigen Roman "Die Wache" indirekt autobiografisch seine Erfahrungen als Matrose und Funker auf den Weltmeeren. Im vorliegenden Band befinden sich die Männer auf dem Schiff "Pytheas", ein altes Frachtschiff, das Ende der Vierziger Jahre durch das Chinesische Meer kreuzt. Geschildert sind die Gespräche der Männer während ihrer Wachen, die vor allen Dingen von ihren meist zur Unfähigkeit verdammten Beziehungen zu Frauen berichten, weshalb sie sich unterwegs zu Huren flüchten. Sie berichten außerdem von Stürmen auf dem Meer und von zweifelhaften Heldentaten, von Erlebnissen, Abenteuern und Krankheiten, von ihren Ängsten und Sehnsüchten. Geständnisse, die sie sich gegenseitig machen. Oft ist unklar, wer nun eigentlich spricht und die Personen bleiben immer nur Stimmen. Doch Kavvadias geht es um die Gespräche, um den Ton unter den Männern, der zumeist sehr derb ist und eine raue, ungeschlachte Männerwelt schildert, die, selbst wenn sie dem Leser auch noch so fremd sein mag, dennoch einen eigenmächtigen Sog ausübt. Denn schnell vermutet man hinter den harten, unfeinen Worten sehr viel mehr - Sehnsucht, Enttäuschung, ja, selbst Zärtlichkeit.