Der Debut-Thriller des "American Scientific"-Journalisten Mark Alpert bietet mit einer sehr interessanten Idee und charismatischen, sogar recht wunderbar ungewöhnlichen Figuren eine spannende, Unterhaltung und weckt durchaus zugleich die Lust, sich nach der Lektüre mit den dort genannten, naturwissenschaftlichen Themen etwas näher zu befassen - und wenn es auch nur ein Stöbern in einem Wiki ist, man wird neugierig:
Es kann kein Zufall sein, dass einige frühere Assistenten Albert Einsteins innerhalb weniger Wochen unter ominösen Umständen sterben. Auf dem Sterbebett flüstert einer dieser hochrangingen Wissenschaftler seinem früheren Schüler und Wissenschafts-Journalisten eine Zahlenfolge in's Ohr, die beweisen soll, dass eine noch heute fragwürdige Theorie Albert Einsteins tatsächlich schlüssig existiert, die gewissermassen die Welt in all ihren Facetten vollständig erklärt, beginnend beim Urknall. Die Formeln der Theorie, die angeblich existieren, scheinen jedoch ein unfassbar wertvoller Schatz für die Regierung der USA, aber auch für Terroristen zu sein, um sie für neuartige Waffen zu missbrauchen. Und so wird der Journalist schnell zum Jäger nach der Formel, aber auch zum Gejagten. Und diese Jäger schrecken vor Folter, Kidnapping, Erpressung und Mord nicht zurück. Je mehr sich das Puzzle zusammensetzt, umso erschreckender wird die Klarheit, welche Bedeutung diese "Weltformel" wirklich hat.
Ohne Zweifel, Alpert war in der Schule bei den großen, renommierten Thriller-Kollegen, viele Facetten und Ideen anderer Autoren erkennt man hier in angenehm veränderter Form wieder und er zeigt sehr großes Geschick darin, nicht nur in atemberaubenden Tempo eine knisternde Spannung aufzubauen, auch erklärt er anschaulich im Kontext physikalische Theorien und Modelle und weckt damit die Neugierde auf die Welt der Wissenschaft. Die Figuren und Handlungen sind anschaulich skizziert, quasi-authentisch und manchmal hinreissend 'anders' als klassische Thriller-Stereotypen. Einige überraschende Wendungen machen es schwer, das Buch aus der Hand zu legen: ein echter, ehrlicher Page-Turner also. Einen Punkt 'Abzug' in meiner Bewertung gibt's jedoch für das stark in die Kürze gequetschte Finale und die nicht übersehbaren Probleme, selbst sehr komplizierte Theorien rund um Atome, Neutrinos, Strings und 10-fache Dimensionen so zu formulieren, dass auch Laien wirklich alles verstehen. Mehr Tiefe in manchen Handlungsebenen, bei Personen und den wissenschaftlichen Themen wären hier und da wünschenswert gewesen. Dennoch ein sehr unterhaltsamer, sehr flotter und überdurchschnittlich guter Thriller im Autoren-Stil Ludlums, Chrichtons, Schätzings oder auch Browns.