Diesen Teil eines Satzes habe ich mir unter den vielen herausgepickt, da ich finde, dass er auch als Titel dieses Buches herhalten könnte. In diesem Band sind insgesamt 39 Aufsätze und Polemiken enthalten, die Ulrike Meinhof zwischen 1959 und 1969 für die Zeitschrift "konkret" verfasst hat. Zum größten Teil ist es ein Zeitzeugnis der damaligen politischen Verhältnisse. Die Politik Adenauers, Strauß', die Kratzbuckelei in Richtung USA, die anfängliche Sympathie für die SPD, die sich später in Skepsis gegenüber selbiger verwandelte, Lohnkämpfe (ein Arbeitskräftemangel herrschte vor!!!), Naziprozesse und die Unfähigkeit gerecht mit der Vergangenheit umzugehen, das möglichst schnelle Wiederaufbauen der Macht, Kennedy, Nixon, SDS und und und. Ulrike Meinhof befasste sich aber immer mit der Gesamtsituation und dazu zählen auch soziologische und pädagogische Verhältnisse. Soll heissen: z.B. findet man hier Aufsätze über die Verhaltensweisen der Gesellschaft beim Fall Bartsch (Kindermörder), die Perspektiven von Kindern aus sozial schwachen Familien und die Emazipation.
Ein sehr gutes Buch, das man selten weglegen wird. Es ist ein großartigs Zeitporträt, welches äußerst scharf und eloquent formuliert ist. Die Autorin redet nie um den berühmten heissen Brei herum, sie deckte Widersprüche und Mißstände auf und "übersetzte" das, was die Politiker zwischen den Zeilen sagten oder schrieben. Ich finde sogar, dass man ein wenig den Hang zum Terrorismus, der ja wie bekannt folgte, nachvollziehen kann. Nicht nur von Ulrike Meinhof, die sich in einem der Aufsätze sogar noch als Gegnerin der Warenhausbrandstifung (Täter u.a. Baader und Ensslin) zu erkennen gibt, nein, eigentlich von allen. Oder anders gesagt: Man wundert sich, dass nicht ALLE zu "Terroristen", zumindest aber zu Gegnern der Regierung wurden.