Kurzbeschreibung
Sie sind die berühmtesten Wölfe der Welt. Erst nach einem jahrelangen, erbitterten Kampf der Umweltschützer gegen die mächtige Rancherlobby durften sie in ihre früheren Gebiete zurückkehren. Ihre Geschichte ähnelt der einen Seifenoper: Da gibt es das Liebespaar, das durch eine Tragödie auseinander gerissen wird. Da ist der wilde, unbeugsame Abenteurer, der immer wieder auf lange Reisen geht - um danach schnellsten nach Hause zu kommen. Es gibt den Schwestern-Konflikt, der tödlich endet. Und es gibt das geheimnisvolle Wolfsrudel, das regelmäßig für Wochen oder Monate von der Bildfläche verschwindet und ebenso mysteriös wieder auftaucht. Aber da sind auch die Menschen, die sich bei minus 30 Grad die Beine in den Bauch stehen, um die Wölfe zu beobachten. Auch sie haben ihre Geschichte, ebenso wie die Forscher, die sie studieren oder die Rancher, die sie hassen. Die Autorin versteht es, die Geschichten um die Yellowstone-Wölfe immer wieder packend zu inszenieren. Wir lachen und weinen mit den Wölfen, freuen uns über ihre Jagderfolge und sehen staunend, wie ihre Rückkehr das gesamte Ökosystem von Yellowstone verändert hat. Verwoben mit ihren eigenen Erlebnissen von ihren monatelangen Aufenthalten im Yellowstone-Park entführt sie uns in das Land aus Feuer und Eis. Dieses Buch ist nicht nur die packende Geschichte der Wölfe von Yellowstone, es ist auch eine einzigartige Liebeserklärung an den ältesten Nationalpark der Welt.
Der Autor über sein Buch
Seit über 30 Jahren fahre ich in den Yellowstone-Park. Zuerst beobachtete ich die Kojoten, und seit der Rückkehr der Wölfe sind sie, die großen Caniden, mein Lieblingsziel. Mehrere Wochen und Monate im Jahr verbringe ich im Park, um wilde Wölfe in ihrer natürlichen Umgebung zu beoachten. Seite einigen Jahren arbeite ich als freiwillige Mitarbeiterin im Wolfsprojekt mit und nehme auch Interessierte mit zu meinen Beobachtungen. Aus über 10 Jahren Wolfsbeobachtungen an frei lebenden Wölfen entstand dieses, mein persönlichstes Wolfsbuch. Mein Anliegen ist es, mit diesem Buch zu zeigen, wie wichtig Wölfe für unser Ökosystem sind, und dass das Ökosystem als Ganzes gesehen werden muss. Verändern wir ein kleines Segment, verändern wir alles. Das Buch ist meine Liebeserklärung - nicht nur an die Wölfe, sondern an das ganze Ökosystem Yellowstone.
Umschlagtext
1995/96 begann ein auf der Welt einmaliger Versuch: Innerhalb von zwei Jahren wurden im nordamerikanischen Yellowstone-Nationalpark 34 kanadische Timberwölfe wiederangesiedelt. Heute leben wieder etwa 150 Wölfe im ältesten Nationalpark der Welt. Die ehemalige Rechtsanwältin Elli H. Radinger, geb. 1951, beobachtet seit 25 Jahren die Tierwelt von Yellowstone. Seit der Rückkehr der Wölfe verbringt die Fachjournalistin und Autorin mehrere Monate im Jahr im Park, um die berühmtesten Caniden der Welt in ihrer natürlichen Umgebung, bei der Jagd und ihrem Familienleben zu beobachten. Aus diesen Erlebnissen entstand ein faszinierendes Buch, das uns einen Einblick gibt in die Welt der Wölfe von Yellowstone. "Nun liegt uns also ein Buch vor, das sich eingehend mit der Geschichte von Yellowstones Wölfen beschäftigt. Es ist Elli Radinger hoch anzurechnen, dass sie dieses Ökosystem nicht durch eine "rosarote Brille" beschreibt, sondern kritisch und mahnend den Finger erhebt. Das ist Verhaltensforschung auf dem neuesten Stand der Dinge. Keine Klischees, sondern sachliche Aufklärungsarbeit. Gleichwohl ist dieses Buch voller Emotionen. Und das ist auch gut so. Über Emotionen interessiert man viele Menschen für ein Raubtier, dessen Image zu unrecht schlecht ist. Der Yellowstone National Park hat sich nach der Ankunft des Wolfes aus biologischer Sicht sehr positiv verändert. Die Wölfe haben dazu maßgeblich beigetragen. Elli Radinger hat genau das erkannt und beschreibt deshalb den Wolf aus einem sehr realistischen Blickwinkel. So bleibt zu wünschen, dass Elli Radingers Buch über die Wölfe von Yellowstone nicht nur weite Verbreitung findet, sondern die Menschen generell dazu anregt, ihr eigenes Verhalten beim Besuch eines Nationalparks zu reflektieren. Die jeweilige Tierwelt wird es ihnen danken." (Günther und Karin Bloch, Autoren von: Timberwolf, Yukon & Co)
Über den Autor
Elli H. Radinger ist Reise- und Wissenschaftsjournalistin mit Schwerpunkt Wölfe. Seit 25 Jahren beobachtet sie die Tierwelt von Yellowstone. Seit Beginn der Wiederansiedlung verfolgt sie die Rückkehr der Wölfe in den Park und verbringt mehrere Monate im Jahr in Yellowstone, um die berühmtesten Caniden der Welt in ihrer natürlichen Umgebung, bei der Jagd und ihrem Familienleben zu beobachten. Sie gilt als eine der wenigen deutschen Yellowstone-Expertinnen. Nur wenige kennen den Park und die Tiere so gut wie sie. Als geschätze Rednerin hält die Autorin, die auch Chefredakteurin einer Fachzeitschrift über Wölfe ist, Diavorträge im In- und Ausland über die Wölfe von Yellowstone.
Auszug aus Die Wölfe von Yellowstone von Elli H. Radinger. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Februar 2003
Die Luft ist kalt an diesem Wintermorgen in Montana. Die Felsen der Berge in Cooke City bekommen durch den fahlen Schein der aufgehenden Sonne zarte Konturen, während auch das Thermometer langsam aufzuwachen scheint und aus den unwirtlichen Tiefen von minus 25° Celsius nach oben klettert. Mein Allrad schnurrt warm und sicher durch den tiefen Schnee, der heute Nacht gefallen ist. Noch ist kein Schneepflug unterwegs, und ich ziehe eine jungfräuliche Spur auf der Straße von Cooke City in den Yellowstone-Park. Als ich durch das noch tief schlafende Silver Gate fahre, erscheinen die ersten Scheinwerfer in einer Nebenstraße. Eigentlich kann dies nur einer der Biologen sein, die so früh schon in den Park unterwegs sind. Ich lasse ihn überholen. Wir werden uns heute sicherlich noch öfter sehen.
Ich habe es nicht eilig. In der Ferne sehe ich den Lichtschein der Ranger-Station am Parkeingang, die unter einer dicken Schneehaube liegt. Im Winter ist das Kassenhäuschen am Eingang nicht besetzt. Jeder, der es bis hierhin schafft, hat bereits seinen Eintritt am Eingang in Gardiner bezahlt. Die Straße endet hinter Cooke City an meterdicken Schneewänden. In dieser kalten Jahreszeit ist der Yellowstone Park für Autos geschlossen. Nur die lebensnotwendige Verbindungsstraße durch das Lamar Valley ist für den Autoverkehr geöffnet. Sonst gehört der Park den Tieren und den wenigen Touristen, die sich hierher verirren.
Während ich meinen heißen Kaffee schlürfe, fahre ich langsam die Straße aus der höher gelegenen Bergregion hinunter ins weite Lamar Valley, das wegen seiner Artenvielfalt auch die Serengeti Amerikas genannt wird. Selbst die Elche lassen sich an diesem Morgen noch nicht blicken. Die Bisons schieben unbeeindruckt von der Kälte den Schnee mit ihren mächtigen Schädeln zur Seite, um an die spärlichen Grashalme zu kommen. Sie haben einen zarten Schneemantel angelegt und ihr Atem bläst dicke weiße Wolken in den jungen Tag wie der Old Faithful kurz vor einer Eruption. Der beißende Geruch von faulen Eiern weist darauf hin, dass ich mich dem Soda Butte nähere, einem Kegel aus Kalkablagerungen. Hier treffe ich auch wie jeden Morgen meine Gruppe Junggesellen. Ich habe sie so getauft, weil es eine kleine Herde von Wapiti-Hirschen ist, die unzertrennlich zu sein scheinen und mit ihren stolz erhobenen Häuptern und ihren stattlichen Geweihen sicherlich das Herz einer jeden Hirschkuh erwärmen. Als ich mich mit dem Auto nähere, werfen sie den Kopf zurück und laufen in langsamem Trab davon. Noch vor einigen Jahren wären sie unbeeindruckt stehen geblieben. Seit der Rückkehr der Wölfe sind sie sehr viel scheuer geworden.
Plötzlich sehe ich aus dem Augenwinkel links neben mir einen Schatten. Während ich automatisch auf die Bremse trete und der Wagen im Schnee leicht ins Rutschen kommt, springt von einer leichten Anhöhe neben mir ein dunkler Wolf auf die Straße, direkt vor mein Auto. Ein weiterer Satz und er ist auf der anderen Seite. Dort bleibt er stehen und schaut mich an. Es ist ein junges Tier, vielleicht ein Jahr alt, und er hat kein Radiohalsband. Ich vergesse Zeit und Raum, während er mich neugierig mustert. Meine Kamera liegt schussbereit auf dem Beifahrersitz, aber ich wage nicht, mich zu rühren, um den Zauber nicht zu zerstören. Der Wolf setzt sich hin, kratzt sich hinter dem Ohr, gähnt, schüttelt sich und geht dann langsam auf ein kleines Espen-Wäldchen zu, wo er verschwindet. Noch immer sitze ich tief berührt und unbeweglich in meinem Auto. Erst langsam kann ich mich aus meiner Verzückung lösen.
(Aus: Die Wölfe von Yellowstone)