"Die Wölfe in den Wänden" klingt zunächst nach einem Märchen mit typisch Gaimanschem Gruselfaktor, ähnlich wie z.B. Gaimans Kinder- und Jugendmärchen "Coraline". Wieder steht ein Mädchen im Mittelpunkt, das sich dem Schrecken entgegenstellt, der sich in den eigenen vier Wänden offenbart. Dennoch ist "Die Wölfe in den Wände" sicherlich besser für Kinder geeignet als es beispielsweise "Coraline" ist. Während "Coraline" schon erschreckend düster und gruselig ist, ist diese dunkle Seite bei "Die Wölfe in den Wänden" etwas weniger stark ausgeprägt, wenngleich die Grundstimmung ähnlich ist.
Gaiman erzählt von Lucys Kampf gegen die Wölfe in wenigen, aber durchaus einprägsamen Worten. Auch wenn sich die Geschichte auf den ersten Blick nicht unbedingt durch eine erzählerische Tiefe auszeichnet, so liegt in den wenigen Seiten mit den intensiven Bildern und den punktgenauen Sätzen dennoch eine unverkennbare Botschaft. Während Lucys Eltern sich in ihr Schicksal fügen, ohne etwas gegen die Invasion der Wölfe unternehmen zu wollen, während sie sich erst gar keine Hoffnungen machen, die enttäuscht werden könnten, zeigt Lucy, dass man mit Mut und Tatendrang etwas bewegen kann. Sie zeigt, dass es sich lohnt um das zu kämpfen, was einem am Herzen liegt.
McKeans Zeichnungen sind gleichzeitig sonderbar realistisch und plakativ. Gesichter wirken ein wenig zweidimensional, teilweise blass oder gar leer, dennoch wird Lucys Angst vor den Wölfen greifbar. Einzelne Bildbestandteile sind Fotos entliehen und sie geben den Zeichnungen ihren teils sonderbar realistischen Charakter. McKeans Stil ist schon eigenwillig und von einer Art, die den Grusel der skurrilen Halbwelten im Stile eines Neil Gaiman sehr gut ergänzt.
Fazit: Ein schönes, faszinierendes, eigenwilliges und nicht zuletzt skurriles Bilderbuch. Ein Märchen mit dem gewissen Etwas und eine Geschichte, die eine unverkennbare Botschaft transportiert. Ein Büchlein, das gleichermaßen für Kinder wie für Erwachsene geeignet ist und eine Geschichte, über die man am Ende nachdenken und reden kann. Nur schade, dass das Buch aufgrund des hohen Anschaffungspreises wohl höchstens eingefleischte Gaiman-Fans erreichen wird.