Inhalt
Die Freunde Kurt, Lotte, Jakob, Silke und Bernd erleben gemeinsam den Alltag im Nachkriegsberlin von 1948: zwischen Trümmerfrauen und Schwarzmarkt, rivalisierenden Jugendbanden und der ersten Liebe. Dreizehn Jahre später, als die Flüchtlingsströme nach Westen zunehmen, versuchen sie an ihrer Freundschaft festzuhalten. Doch die Entfremdung wird immer deutlicher, und die Bandenmitglieder verlieren sich aus den Augen. Erst nach dem Mauerfall 1989 finden die Freunde von einst schließlich wieder zusammen und müssen sich die Frage stellen, ob sie ihr Schwur von einst, "Nichts kann uns trennen, nicht mal der Tod" noch immer verbindet...
Bildbewertung:
Ganz ehrlich, es wurde aber auch Zeit! Nun endlich kommt dieser packend erzählte, brillant inszenierte und umgesetzte ZDF-Dreiteiler, durch "Universum Film", zur längst überfälligen Veröffentlichung auf DVD.
Anfang 2009 wurde die im Auftrag des ZDF durch die "Ziegler Film" produzierte und sich mit der Geschichte einer Gruppe Berliner Jugendlicher von der Nachkriegs- bis in die Nachwendezeit hinein beschäftigende dreiteilige Verfilmung zum ersten Mal beim ZDF gezeigt. Als Regisseur bei dieser Produktion agierte Friedemann Fromm, der zusammen mit seinem Bruder Christoph auch das Drehbuch geschrieben hat. Die beiden Brüder stehen u.a. auch als Buchautoren hinter dem vor Kurzem bei Sat.1 gelaufenen Event-Zweiteiler "Die Grenze".
Der Dreiteiler "Die Wölfe", welcher in enger Zusammenarbeit mit der ZDF- eigenen Redaktion "Zeitgeschichte" unter der Leitung von Guido Knopp entstand, überzeugt mit einer sehr gelungenen umgesetzten Mischung aus Fiktion und geschichtlichen Fakten in seiner erzählten Geschichte. Als "Dokudrama" angekündigt, bietet der Film meiner Meinung nach viel mehr als das, was diese Bezeichnung eigentlich erahnen lässt. Als Zuschauer begleitet man die 5 Hauptakteure über drei Zeitebenen, die mit maßgeblich geschichtsprägenden politischen Ereignissen markiert sind.
Die erzählte Geschichte setzt an im Jahre 1948, zu Zeiten der Berlinblockade und der Rosinenbomber. Inmitten der Trümmerlandschaften Berlins und einer Bevölkerung, die auf dem Weg und der Suche hin zur eigenen neuen Identität und dem Verarbeiten des Erlebten ist, treibt sich eine Truppe von Halbwüchsigen umher, die ihren Platz inmitten dieser Ereignisse und Tage suchen. Ihr wichtigstes Utensil ist ein Bollerwagen, mit dem sie ständig auf der Suche nach lohnenden Tauschobjekten sind. Dabei sind die Charaktere der Teens, die durch den Krieg eigentlich nie eine richtige Kindheit hatten, höchst unterschiedlich und verschieden.
Sie alle eint nur das gemeinsame Ziel, irgendwie halbwegs unbeschadet durch diese Zeiten zwischen Trümmerfrauen und Schwarzmarkt, Hunger und rivalisierenden Jugendbanden zu kommen. So entsteht eher aus der Notwendigkeit, als aus großer Freundschaft, ein gemeinsamer Bund, dem man den Namen "Die Wölfe" gibt. In bester Karl-May-Tradition wird dieser Bund mit Blut besiegelt und steht fortan unter dem Leitspruch " Nichts kann uns trennen, nicht einmal der Tod".
Im zweiten Teil sind die Kids von damals junge Erwachsene und mit dem Jahr 1961 steht der Bau der Mauer unmittelbar bevor. Auch für "Die Wölfe" bringen diese Zeiten Veränderungen. Obwohl man versucht dem Schwur und Leitspruch treu zu bleiben, verlieren auch sie sich zum Teil aus den Augen und entwickeln sich zu eigenen individuellen und höchst unterschiedlichen Persönlichkeiten.
Ein Wiedersehen bringt erst wieder der dritte Teil und das Jahr 1989. Man ist sich fremd geworden und betrachtet die Freunde von einst mit kritischem Blick und spürt mehr als deutlich die Narben und Unterschiede, welche die Jahre der Trennung hinterlassen haben.
Sehr interessant ist die Art der Umsetzung und Erzählweise der Geschichte in diesem Dreiteiler. So kommen viele originale Filmaufnahmen historischer Geschichtsabschnitte und Gegebenheiten, die zum Teil mehr als 60 Jahre alt sind, inmitten neu abgedrehter Spielfilmszenen zum Einsatz. Dabei gelingt es, geschickt den Handlungsfluss und "roten Faden" in der erzählten Geschichte zu halten. Gleiches gilt auch für die allesamt hervorragend aufspielenden Darsteller. In drei Teilen gezeigte und sich über einen Zeitraum von vierzig Jahren ereignete und geschehene Geschichte, bedeuteten aber auch eine gewaltige Herausforderung für die Besetzung der Rollen der fünf Hauptcharaktere. So sind es dann schließlich und endlich auch ganze 15 wechselnde und unterschiedliche Darsteller, welche die fünf festen Hauptfiguren während dieser Zeiten im Laufe der Handlung darstellen müssen. Mich überzeugten alle Figuren. Angefangen von den Halbwüchsigen bis hin zu den Erwachsenen. Als Besonderheit sei hier am Rande erwähnt, dass gleich zweimal der Name Brandt in Bezug zum Dreiteiler genannt werden kann. Zum einen ist es Willy Brandt, der in historischen Originalaufnahmen zu sehen ist und dann sein Sohn Matthias, der in den neu gedrehten Szenen als eine der fünf Hauptfiguren agiert.
Das Bild im Ganzen zu bewerten ist, aufgrund des verwendeten, aus mehreren Jahrzehnten stammenden Filmmaterials, schlichtweg nicht möglich. Zudem wurden selbst die neu aufgenommenen Spielfilmszenen zum Teil noch nachträglich bearbeitet und verfremdet, um sie besser in den Lauf der Filmhandlung zu integrieren. Ich persönlich finde diese Art der Gestaltung und Mischung von neuen und historischen Filmmaterialien gelungen und passend bei der inhaltlichen Thematik dieses Mehrteilers. Sicher ist es Geschmackssache. Aber die Möglichkeit sich seine höchst eigene Meinung zu bilden, bietet die hier vorliegende Veröffentlichung ja nun, einem jeden Selbst.
Die Gesamtlaufzeit wird laut veröffentlichendem Label "Universum Film" mit ca. 270 Minuten für den Hauptfilm, zuzüglich ca. 12 Minuten für das Bonusmaterial angegeben. Das zur Ansicht kommende Bild präsentiert sich im Format 16:9 anamorph codiert (1.78:1).
Die DVD-Menüs von den beiden DVDs dieser Veröffentlichung kommen recht schlicht ohne große Animationen, zum Teil mit etwas Hintergrundmusik gestaltet, zur Ansicht. Sie ermöglichen den direkten Start der Wiedergabe nach einlegen der DVD in den Player. Zu jeder der drei Folgen kann in einem sich separat öffnenden weiteren Menü eine Kapitelauswahl aufgerufen und genutzt werden.
Etwas enttäuscht bin ich dann doch von den Extras. Gerade in Anbetracht dessen, dass Guido Knopp maßgeblich mit an der Produktion beteiligt war, sind die angebotenen Extras von den DVDs dieser Veröffentlichung wirklich sehr dürftig. Außer sechs, nur wenige Sekunden bzw. Minuten dauernden kurzen Beiträgen, aus Sendungen wie dem Morgen- und Mittagsmagazin oder dem Heute-Journal, finden sich nur noch einige Trailer zu weiteren Veröffentlichungen als Extras auf den vorliegenden DVDs.
Tonbewertung:
Ein in seinen Dialogen stets verständlicher und stimmiger deutscher Ton im Format Dolby Digital 2.0, kommt von den beiden DVDs dieser Veröffentlichung zu Gehör. Sowohl im Volumen wie auch der klanglichen Qualität ist er während der gesamten Laufzeit der beiden DVDs gut abgemischt und ohne nennenswerte Mängel in sich. Für Hörgeschädigte oder Gehörlose wurde an deutsche Untertitel gedacht, die optional eingeblendet werden können.
Gesamturteil:
Schön, dass es nun endlich diesen grandios gemachten TV-Dreiteiler Dank "Universum Film" auf DVD gibt. Die gekonnt in Szene gesetzte Mischung zwischen Fiktion und auf Fakten beruhenden geschichtlichen Ereignissen, fesselt ab der ersten Minute an und bei diesem Dreiteiler des ZDF. Die durchweg exzellente Leistung aller Darsteller in dieser Produktion tut ein Übriges und lässt das ansehen der beiden DVDs und der von ihnen zu erlebenden erzählten Geschichte zu einem wahrhaft unvergesslichen Erlebnis werden.
Autor: Torsten
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