Anfang der 30er Jahre stecken die USA mitten in einer tiefen Depression, die Rassentrennung ist allgegenwärtig, die Hautfarbe das alles Entscheidende, der Mob beherrscht die Straßen. In einem kleinen Ort im Osten Texas entdecken der 11jährige Harry und seine jüngere Schwester die übel zugerichtete Leiche einer Schwarzen. Ein zur damaligen Zeit unbedeutendes Opfer also, das vorerst noch keinen großen Aufruhr verursacht.
Ein alter Mann sitzt im Seniorenheim und erzählt vor dem Hintergrund seines langsam näher rückenden Endes die aufregendste und spannendste Geschichte seines Lebens. Und dies ausgerechnet aus einer Zeit, die wie keine andere jeden Menschen prägt, der Phase zwischen dem Ende der Kindheit und den ersten Einblicken in die Welt der Erwachsenen. Wie so oft geht es auch hier um das Ende der Unschuld, der Konfrontation mit dem Bösen, um Ohnmacht und Ungerechtigkeit.
Die Erzählungen sind dementsprechend kindlich-detailliert geraten, mit einer Mischung aus Enthusiasmus und Melancholie gewürzt und vermitteln eine tiefe, ursprüngliche Liebe zu Land und Leuten, die trotz aller düsteren Umstände und Hintergründe ansteckend wirkt.
Joe R. Lansdale hat sich bislang unter Horrorfans vorwiegend durch spartanische, harte Kost einen Namen gemacht. "Die Wälder am Fluss" ist auf gänzlich andere Lesergruppen ausgerichtet. Es gibt gewisse Parallelen zu Kings "Die Leiche" (= "Stand by me"), in beiden Fällen haben sich die Kindheitserinnerungen alternder Männer als absoluter Glücksfall erwiesen. Einige Charaktere mögen in Sachen Herzensgüte ein wenig stilisiert erscheinen, genau das wirkt in dieser emotional verwirrenden Zeit aber nur umso glaubhafter.
Lansdale überrascht den Leser nicht nur deshalb positiv, weil er sich gekonnt und kaum noch steigerungsfähig recht weit weg von seinen üblichen Gefilden bewegt. Seine Geschichte hinterlässt auch noch einen bleibenden und bewegenden Eindruck, da immer wieder eigene Jugenderinnerungen wachrufen werden.