Ulrich Horstmann sieht die EU mit der Einpassung" Griechenlands (und ggf. weiterer GRIPS-Staaten) in eine nördlich geprägte Stabilitätskultur überfordert, insb. weil auch diese nördlichen Staaten bereits stark verschuldet sind. Er leitet daraus den Bedarf zumindest einer Teilentschuldung der Staaten und den Zusammenbruch des Euro-Geldsystems ab. Das System der "organisierten Unverantwortlichkeit", das die Politik und interessengeleitete Banker schufen, muß seiner Meinung nach dringend reformiert werden.
Er beschreibt, wie es dazu kommen konnte: Die Maßlosigkeit der Politik, die Gesellschaften überfordert, zur Fehlallokation von Kapital führt und die Staaten zur übergroßen Schuldenaufnahme führt ; die Instabilität des Finanzsektors verstärkt diese Destabilisierung (durch Leveraging) und bedingt ein Komplott von Staaten und Finanzsektor; die Rettungskonstruktionen sind zu schwach; weitere Instabilitäten sind Resultat eines Finanzsektors, in dem Geldmanager (Anlageberater und -vermittler sowie Vermögensverwalter) als Gurus angenommen werden, sich zu großen systemischen Institutionen entwickeln, die Kapitalallokation beeinflussen und Produktivkräfte lenken, geleitet von der kurzfristigen Mehrung des Geldes und weniger von der langfristigen Nutzung materieller und immaterieller Ressourcen; der globalisierte Wettbewerb zwischen Politik und Finanzsektor um die Macht der Steuerung und der Konstruktion der Welt.
Er kommt zu dem Ergebnis, dass die in beiden Denkgebäuden bestehenden Konstruktionsmängel behoben werden müssen: Ehrliche (Finanz-)Politik unter Verzicht auf exzessive Verschuldung und natürliche Finanzwirtschaft mit langfristiger Orientierung. Gelingen kann dies nur durch Entmachtung der Politiker und Finanzgurus, also durch Vielfalt, anstelle Größe. Dieser Umbruch findet aber, so Horstmann, nicht statt. Daher bezweifelt er die Erfolge neuer Konstruktionen, wie die der Euro-Rettungsschirme. Die politischen Konstruktionen sieht er fragil, so die Politisierung der EZB-Geldpolitik und eine unzureichende Finanzmarktordnung. Nachteilig betrachtet er die Mitwirkung Deutschlands, insb. die übertriebene Exportorientierung und die Bereitschaft, eine stabile Geldverfassung einem Experiment zu opfern, das möglicherweise diese falsche Exportorientierung noch unterstützt und daher nicht balanciert ist. Mit den nun geplanten Rettungsschirmen" verbindet er weitere Anreize zur (missbräuchlichen) Geldverwendung, also zur Verwendung im Konsum anstelle zur Durchführung produktivitätserhöhender Investitionen. Er erwartet, dass die Verschuldungsproblematik somit noch größer wird, weil Kreditinstitute gerettet und somit Kreditgeber enthaftet werden. Die politischen Erwartungen, dass richtiger Geldeinsatz erzwungen werden kann, so bspw. durch einen Euro-Pakt oder eine EU-Wirtschaftsregierung, sieht er äußerst skeptisch, zumal Signale des Kapitalmarkts zur effizienten Verwendung von Kapital durch politische Bewertungen ersetzt werden. Daher erwartet Horstmann den Zusammenbruch des Geldsystems und betrachtet auch verschiedene Szenarien.
Horstmann setzt das Raisonnement von Max Otte (Der Crash kommt) aus dem Jahr 2007 fort und schreibt in diesem Zusammenhang auch die (Finanz-)Geschichte fort. Bei Otte stand der Dollar im Vordergrund, bei Horstmann der Euro. Er illustriert das mit dem Euro verbundene Verteilungsproblem innerhalb der Eurozone und erläutert die politische Konstruktion, die von der Idee geleitet ist, eine von Deutschland ab 1500 sich manifestierende ausgehende Stabilitätskultur lasse sich auf die Europäische Union ausbreiten. Diese Hypothese war zu Zeiten der Planung eines europäischen Geldsystems bereits umstritten. Es setzten sich aber Politiker (gegenüber Ökonomen, auch dem Markt) durch, die die erwartete Umverteilung nicht sehen wollten oder gar für wünschenswert hielten. Er zeigt, dass die Problematik der Krise des Euro auf eine rasch zunehmende Staatsverschuldung zurückgeht, wobei im Geldsystem die politischen Anreize dazu bereits gelegt wurden, insb. weil der SWP nicht konsequent gelebt wurde. So verfiel die vereinbarte Disziplin und begünstigte eine nachgiebige Politik. Umverteilungspolitiker bedienen mit dem Euro den Kapitalismus, um ihre Karrieren zu sichern, und geben dabei auch noch vor, das Eigentum zu schützen, welch ein Widerspruch! Horstmann kommt zu der Einschätzung, dass das konstruierte Geldsystem vollständig in die Hände der Politiker gefallen ist, die im Buhlen um Mehrheiten sich den Umverteilungswünschen dieser Mehrheiten ergeben. Mit Verweis auf Transferzahlungen innerhalb Deutschlands, an die sich die Politiker bereits gewöhnt haben und im Besitzstandsdenken" auch verfestigen, ist er auch skeptisch, dass Deutschlands Politiker dem Trend sich entgegen stellen können. So kommt er zu der Überzeugung, dass die Verschuldungspolitik innerhalb Europas, als Folge der Umverteilungsintentionen, den Euro ruinieren wird. Das Buch ist gut zu lesen. Es wird nicht jedes Argument in akademischer Tiefe ausgeleuchtet, auch wenn diese Argumente einer solchen Betrachtung standhalten würden.
Horstmann schließt mit Empfehlungen zur Sicherung von Ersparnissen und kommt zu dem Ergebnis, dass nur durch eine Übergewichtung produktiver Anlagen (Aktien, Immobilien) eine Sicherung des Vermögens möglich ist. Festverzinsliche Anleihen, bisher immer als sichere Kapitalanlagen gehandelt, sind also äußerst unsichere Anlagen.