Man nehme 4 ältliche,skurille Herren, deren zum Teil brisante Vergangenheit nach und nach enthüllt wird, einen Secret Servicemann, eine Handvoll islamistischer Terroristen und einen, ja wie soll man ihn nennen, leicht fehl geleiteten Idealisten, der das letzte Opfer seiner selbst wird, weil jemand ein doppeltes Spiel treibt, verquirle dies mit der Entführung des amerikanischen Präsidenten, würze dies noch mit einem Schuss übermächtiger Supergeheimorganisation, die alles über alle weiß und doch letztendlich nur so gut ist, wie seine Mitarbeiter... und man erhält den Verschwörungsroman "Camel Club", wie das Buch im Original heißt.
Zur Übersetzung kann ich nichts sagen, da ich es im Original gelesen habe.
Kritikpunkte: 1. Terroristen werden auf ihren Glauben reduziert und als Opfer amerikanischer Imperialpolitik dargestellt, wobei Baldacci in bester mea culpa Geste die schuldige Hand an die Brust schlägt und Asche über das amerikanische Haupt streut - Und doch wieder die Hintertür einer Entschuldigung offen lässt,um seine patriotischen Leser nicht zu vergrätzen.
2. Noch ein Buch, in dem die Bösen mit dem islamistischen Terror verknüpft sind - ein Thema, das mir persönlich mittlerweile nur noch ein Gähnen entlockt und ein "Oh bitte, nicht schon wieder! Gibt es nicht noch andere Fanatiker auf der Welt?".
3. Die minutiöse Entführung des Präsidenten mit vielen Toten, nur um ihn hinterher wieder freizulassen, ohne irgendwelche Zugeständnisse seitens der amerikanischen Regierung/des Westens..... das heißt den Idealismus auf die lächerliche und unglaubwürdige Spitze treiben.
4. In Verbindung zu Punkt 3: Was haben plötzlich die Nord-Koreaner damit zu tun? Baldacci bleibt uns und seinen Protagonisten jegliche Erklärung schuldig. Und eigentlich tauchen sie nur auf, um getötet zu werden.Und um eine Macht darzustellen, die noch viel perfider ist als jeder islamistischer Terrorist.
5. Die Drohung des überforderten Vizepräsidenten eines Atomschlags gegen Syrien, nur weil es da ist, jemand mit dem Finger auf sie zeigt, und gern "anti-amerikanische Tendenzen" fördert. Am erschreckendsten daran ist, wie leichtfertig Baldacci mit dem Thema Atomschlag und Präventivmaßnahme umgeht. Und wie schnell der Finger am Abzug betätigt werden will. Auch hier streut Baldacci auf den ersten Blick Abwehr und Abscheu gegen ein solches Verhalten ein, aber dennoch bleibt ein schaler Geschmack im Mund zurück - wieder schwingt stark seine Entschuldigung dafür mit und so wirkt die moralische Entrüstung kalkuliert (eine Frau ist als einzige dagegen) und aufgesetzt. Und damit unglaubwürdig.
Lob: Baldacci stellt meisterlich die Vertreter der arroganten, unwissenden, und gleichzeitig allerdings wohlmeinenden, amerikanischen Mittelschicht (die Franklins) dar, die sich wie ein Elefant im Porzellanladen benimmt und sich dann wundert, warum alle so böse auf sie sind. Auch die Figuren des Camel Club sind liebevoll gezeichnet, wenn auch unglaubwürdig. Am sympathischsten ist noch der fast durchschnittliche Secret Service-Mann Ford, der eigentlich nur seine Arbeit gut machen will.
Fazit: Wenn das Thema nicht so abgenudelt wäre, Baldacci sich die haarsträubenden (im negativen Sinne) Überspitzungen verkniffen hätte (Atomschlag, Murder Mountain), und ich ein größerer Fan von Verschwörungsromanen wäre, dann hätte ich das Buch sicherlich mehr genossen.