Ich hatte noch nie etwas von George Soros gelesen.Sein Name war mir bekannt. Er stand für mich für äußerst erfolgreichen Börsenhandel.Ich wußte, daß er ungarischer Jude ist. Von denen weiß man, daß sie auf vielen Gebieten, vor allem auf wisenschaftlichen, hervorragende Leistungen gezeigt haben. Ich hatte auch gelesen von seinen zahlreichen Stiftungen namentlich in den ehemaligen Ostblockländern, die ein erhebliches politisches Gewicht haben. Ich hielt diese Stiftungen -wahlweise- für den "spleen" eines Mannes, der offensichtlich zu viel Geld hat oder aber für Dependancen der CIA.- Schließlich glaubte ich, daß Soros das sei, was ungarische Juden zumeist sind- ungarische Nationalisten, oder aber schlicht ein erfolgreicher amerikanischer "Börsenjobber".-
Ich hatte mir dieses Buch auch nur wegen seines Titels gekauft. Denn ich halte den Weg, den die USA unter der "Bush-Administration" außenpolitisch eingeschlagen hat, für verderblich-nicht so sehr für die "übrige" Welt, sondern für die USA selbst. Sie "verspielen" die Weltmacht.Das wollte ich wieder einmal bestätigt haben.-
Soros hat mich nicht enttäuscht, nur so ziemlich alle meine Vorurteile über ihn weggewischt:
Das ist ein gebildeter Europäer, kein "bedenkenloser" Ami. Er hat in England studiert und ist offenbar besonders stark beeinflußt worden von dem aus Wien stammenden Philosophen, der in die Geschichte eingegangen ist als "Sir Karl Popper". Das war sozusagen ein "menschlicher" Philosoph, dessen Schriften man auch lesen kann wenn man nicht gerade Philosophie studiert hat.-
Die Lehre dieses Mannes von der Fehlbarkeit des Menschen, soziologische Zusammenhänge zu begreifen und recht einzuordnen, ja sogar naturwissenschaftliche, obwohl man da viel messen und wägen kann, hat Soros zutiefst geprägt. - Und von dieser ausschließlich europäischem Denken verbundenen "Plattform" erläutert der Wahl-Amerikaner Soros, weshalb die "WELTMACHT USA" eine Seifenblase ist.- Dieser Ansicht war schon der französische Höchstrichter Alexandre de Toqueville, der im Regierungsauftrag
im 19. Jahrhundert die USA bereiste mit dem Ziel, herauszufinden, wie man diesen relativ neuen Staat zu beurteilen habe. Aus diesem Auftrag ist ein Buch entstanden, das nach meiner Erinnerung -ich bin wirklich zu faul, in meiner Bibliothek nachzuschauen- "Die Demokratie in Amerika" heißt. Dort sagt dieser "hellsichige" Mann voraus, die USA würden zwar irgendwann die Weltmacht gewinnen, aber "subito" auch wieder verlieren. Nicht wegen des Verlustes militärischer Bedeutung, sondern wegen des Verlustes kultureller.Präziser: Rom, sagt T. , war ein brutaler Machtstaat. Aber, sagt T:Wo Rom auftrat, war die "pax Romana", manchmal Friedhofsruhe, meistens aber "römisches Recht", dessen Bedeutung man nicht unterschätzen sollte.- Was aber haben die AMIS zu bieten: Präzise Bomben und durchaus nicht eine neue Rechtsordnung.Das ist der Unterschied . Rom handelte machmal ebenso brutal und "völkerrechtswidrig" wie die USA gegenüber dem IRAK. Aber Rom hatte etwas anzubieten, eine Rechtsordnung-die USA NICHTS, allenfalls "Burger-King".-