Hier bekommt man ein kleines Büchlein vollgepackt mit Aufklärung zu teilweise überholten bzw. widerlegten Ehrnährungsweisheiten. Das ist ja eine gute Idee. Leider wurde sie von der Autorin schlecht umgesetzt. Warum?
- Im ersten Teil kritisiert sie viele wissenschaftliche Studien (Nurses-Health-Study, EPIC,...) und behauptet, man könnte deren Ergebnissen kaum trauen bzw. auf ein Individuum umlegen. Ein paar Seiten später werden aber die Ergebnisse gerade dieser Studien wieder als die neue Wahrheit herangezogen. Ja was soll ich nun glauben, sind die Studien nun glaubwürdig oder nicht? Anscheinend immer dann, wenn es der Autorin gerade passt.
- Noch bedenklicher finde ich, erst Studien als zu ungenau und fehlerbehaftet zu kritisieren, dann aber einen völlig unwissenschaftlichen anekdotischen Beweis aus dem Bekanntenkreis zu geben: "Mein Großvater machte einmal jährlich eine F.X.Mayer Kur. ... Er starb mit 61 Jahren. Zu viel sollte man sich also auch vom regelmäßigen Fasten nicht erwarten.".
- Leider erkennt man bei allen Informationen nicht, ob sie nun richtig oder falsch sind. Es ist alles zu sehr zusammengewürfelt. Oft liest sich der Text ungefähr so:"Studie X hat Effekt A gezeigt, was aber durch Studie Y widerlegt wurde". Am Ende weiss man dann nicht mehr was man nun glauben soll. Einmal wird die LOGI-Methode als wertlos eingestuft, ein anderes mal wird auf die positiven Aspekte einer Diät mit Lebensmitteln die einen niedrigen glykämischen Index haben eingegangen. Dass LOGI für "Low Glycemic Index" steht und die Autorin somit sich selbst offensichtlich widerspricht scheint ihr wie so oft in dem Buch entgangen zu sein.
- Der Titel des Buches ist irreführend. Prinzipiell geht es darum aufzuzeigen, dass kaum ein Nahrungsergänzungsmittel oder bestimmte Lebensmittel Krebs oder Diabetis vorbeugen können. Über gesunde und schlanke Ernährung steht kaum etwas drin. Die Vollkornlüge wird im Buch auch nicht aufgedeckt. Im Gegenteil, die Autorin äußert sich als Vollkorn-Fan.
+ Lediglich die Zusammenfassung am Ende ringt mir hier noch 3 Sterne ab. Nach einer Flut von Studienergebnissen die mal als richtig, mal als unrichtig bewertet werden, werden die zwei Grundaussagen zusammengefasst: "... dass man von einzelnen Nährstoffen in Kapselform Abstand nehmen sollte und dass es bestimmte, die Gesundheit fördernde Ernährungsmuster gibt". Zuletzt gibt die Autorin den Tipp: Wer beim Essen mit Maßen genießt, lebt gesünder.
Vielleicht liegt meine negative Kritik an diesem Buch auch daran, dass ich schon vorher skeptisch und kritisch gegenüber Functional- und Processed-Food war. Probiotische Yoghurt-Drinks, Omega-3-Butter und Light-Produkte fand ich immer schon lächerlich. Schade nun, dass dieses Buch das Thema nicht strukturiert und widerspruchsfrei genug angeht. Wer nicht schon ein Grundwissen hat und erkennt wo die Autorin recht hat und wo sie sich aber widerspricht, wird nach dem Lesen dieses Buches nur verwirrter als vorher sein. Die dem Buch zugrundeliegende Idee ist aber lobenswert. Vielleicht könnte man ja eine Neuauflage machen?