... denn die 900 Seiten dieses Bands brauchen schon etwas, wurden jedoch gierig gelesen.
In "Die Vollendung des Königs Henri Quatre" führt Heinrich Mann "
Die Jugend des Königs Henri Quatre" weiter. Henri, der Mann aus der Peripherie, hat gerade militärisch gesiegt, mit Kühnheit und Glück. Doch er hat noch nicht einmal sein Hauptstadt, es bedarf noch langer Kämpfe, Güte und Berechnungen, bis sein Frankreich ein halbwegs organisierter Raum wird und auch bis Toleranz herrscht. Ruhe hat Heinrich IV selten, denn er tritt allen "auf die Füße" mit seinem strategischen humanistischen wie humanen Einsatz, seiner Güte und Vitalität.
So beschreibt ihn Heinrich Mann, der es ab und an ironisch bricht. Sogar die Kaufleute aus Manns Heimatstadt Lübeck haben einen Kurzauftritt. Viele Figuren erhalten in diesem Band eine Ausleuchtung: die hilfreiche wie eitle Spaßbremse Sully etwa. Doch steht vor allem Henri im Zentrum, als unzeitgemäße Figur. Auffallend ist und ein Minimakel, dass die (katholischen) Bösewichte nicht wirklich immer nachvollziehbar gezeichnet sind.
Henri schuf Anfänge eines nationalen Staats gegen die Aussauger des Volks, doch damit ebnete er auch den Weg für den narzisstischen Ludwig XIV., der selbst auspresste und die Nachbarn mit beiderseitig teuren Feldzügen überzog. Und für einen zentralistischen Nationalstaat mit seinen Schwächen und Ideologien.
Zurück zum Buch: Heinrich Mann schrieb diesen zweiten Teil in den 1930-ern. Wer will, erkennt Anspielungen. Die Sprache ist ohnehin vom Feinsten. Und - heutzutage eine beglückende Ausnahme - das "Rowohlt-Jahrhundert"-Buch ist so gut wie ohne Fehler gesetzt (alte Rechtschreibung übrigens). Dünne stabile Seiten in Garamond: was will man mehr?
Fünf Sterne für ein in doppeltem Sinne verschlungenes Buch.