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Die Vogelwelt von Auschwitz
 
 
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Die Vogelwelt von Auschwitz [Gebundene Ausgabe]

Arno Surminski
4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 191 Seiten
  • Verlag: Langen/Müller; Auflage: 2., Aufl. (1. Januar 2008)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3784431267
  • ISBN-13: 978-3784431260
  • Größe und/oder Gewicht: 19 x 12,2 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.2 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 161.236 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Arno Surminski
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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Als der Gefangene Marek zum Skizzenmaler für den KZ-Wachmann Hans Grote bestimmt wird, um ihm bei der Erkundung der Vogelwelt des Lagers zu assistieren, glaubt er sich bald in Freiheit, bei seiner Verlobten Elisa in Krakau. Er irrt. Um zu überleben, wird er lernen müssen, klein zu denken: zeichnen, tote Tiere präparieren, nicht über die Weichsel schwimmen. Den Gestank der Krematorien riechen, die Wiegenlieder der Frauen auf dem Weg in die Kammern hören, keine Fragen stellen, Geduld haben. Und vor allem: niemals krank werden.

Arno Surminski zeichnet ein erschütterndes Psychogramm zweiter Männer, die sich vor dem unvorstellbaren Grauen des Vernichtungslagers in eine Scheinidylle flüchten. Die alltäglichen, lapidar geschilderten Bilder des Schreckens treffen seine Protagonisten nicht, aber uns - mitten ins Herz.

Über den Autor

Arno Surminski 1934 in Jäglack (Ostpreußen) geboren, arbeitet seit 1972 freiberuflich als Wirtschaftsjournalist und Schriftsteller. Er hat neunzehn Romane und Erzählbände veröffentlicht, darunter die Bestseller "Jokehnen", "Sommer vierundvierzig" und die Erzählbände "Aus dem Nest gefallen" und "Die masurischen Könige". 2008 erhielt Arno Surminski den Hannelore-Greve-Literaturpreis.

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Einleitungssatz
In der alten Königsstadt am Ufer der Weichsel lebte in der Mitte des 20. Jahrhunderts ein Mensch namens Marek Rogalski, den kriegerische Umstände in ein Gefangenenlager gebracht hatten. Lesen Sie die erste Seite
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Buchdeckel | Copyright | Auszug | Rückseite
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33 von 35 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Provokanter Titel - sensible Umsetzung, 17. März 2008
Von 
Rezension bezieht sich auf: Die Vogelwelt von Auschwitz (Gebundene Ausgabe)
In Buchhandlungen nach dem Titel Die Vogelwelt von Auschwitz" zu fragen, erwies sich zu meiner Überraschung als ein Erlebnis besonderer Art.

Es ist schon etwas provokant, die allgemein als friedlich und anmutig eingeschätzte Vogelwelt so selbstverständlich mit dem Schreckensymbol Auschwitz in Verbindung zu bringen. Entsprechend irritiert und manchmal sogar aggressiv fielen die Reaktionen der Buchhändler aus, soweit ihnen der Titel kurz nach seinem Erscheinen noch nicht so geläufig war. Vor allem aber von zufällig mithörenden Kunden erntete ich mehrfach scharfe Bemerkungen, befremdliche Blicke, bestenfalls ungläubiges Staunen über so ein seltsames Ansinnen. Einige hielten es für ein Sachbuch verschrobener, weltfremder Ornithologen, deren Geschichtsbewusstsein man dringend etwas aufpolieren musste...

Aus reiner Neugier habe ich immer wieder (und immer lauter) in verschiedenen Geschäften nach dem Buch gefragt, obwohl ich es längst besaß und schon mehrfach gelesen hatte ...

Schon diese vier Worte gefährden offensichtlich die Vorstellungen (Oder die bequem eingerichtete Vergangenheitsbewältigung?) manches Zeitgenossen so sehr, dass sofort eine Art Verteidigungsmechanismus" in Gang gesetzt wird...

Dabei ist der Titel gar keine Erfindung des Autors. Es gab den SS-Mann von Auschwitz, der angesichts des alltäglichen Sterbens einfach nur die dortige Vogelwelt erforscht und darüber eine Studie veröffentlicht hat, wirklich! Sein in einer wissenschaftlichen Zeitschrift in Wien erschienener Artikel hieß Beobachtungen über die Vogelwelt von Auschwitz".

Die Geschichte ist schnell erzählt: Der Pole Marek Rogalski, Kunststudent aus Krakau, wird zum Skizzenmaler und unverzichtbaren Gehilfen des SS-Wachmanns Hans Grote, seinerseits Vogelkundler, Forscher und stolzer Familienvater, der sich durch einen selbst gestellten und vielleicht nicht uneigennützig begründeten Forschungsauftrag" den brutalen Aufgaben im KZ entzieht. Beide sind eigentlich völlig normale, unauffällige Menschen. Eher naiv und unpolitisch, denken sie an ihre Lieben zu Hause, träumen ihre Zukunftspläne, mögen die Natur. Unter anderen Umständen hätten sie vielleicht sogar Freunde werden können. Die ungleichen und doch so ähnlichen Protagonisten genießen in lebensbedrohlich engen Grenzen ein Stückchen Freiheit. Sie durchstreifen das Lager und seine Umgebung, beobachten, katalogisieren, präparieren und zeichnen: Stare und Rotkehlchen, Fliegenschnäpper, Graureiher, Schwarzstörche und Kraniche... Zwangsläufig wird dabei jedoch auch der Aufbau des riesigen Vernichtungslagers Birkenau zum Beobachtungsgegenstand, ebenso wie die grausame Ermordung von Häftlingen.

Grote begeht die brutalen Verbrechen nicht persönlich, aber er würde auch niemals etwas dagegen unternehmen. Er ist kein Held, sondern nur ein ganz gewöhnlicher Mensch. Und was ihn als Mensch eigentlich nicht mehr gleichgültig lassen kann, rechtfertigt er notfalls mit dem Hinweis auf Befehle und auf übergeordnete Reichsinteressen. Grotesk, aber charakteristisch: Er erreicht beim Lagerkommandanten eine Verschärfung des Verbots, auf Vögel zu schießen...

Marek genießt durch seine Tätigkeit kleine Privilegien, Flucht- und Mordgedanken hat er zum Unverständnis seiner Mitgefangenen allenfalls theoretisch. Vielleicht ist es Feigheit, auf jeden Fall menschlich: Im Grunde hat er sich in seiner Situation eingerichtet und hofft auf das Wunder einer Entlassung.

Nur soviel - entgegen meiner Erwartung geht die Geschichte für beide gut" aus. Das ist in Ordnung. Und tröstlich, denn irgendwann musste ich mir erschrocken eingestehen, dass ich die Figuren trotz aller Kritik beide mag... Es gibt vermutlich Millionen ähnlicher Biographien, auch wenn nicht alle solch direkte Berührung mit so symbolischen Orten unserer Geschichte haben. Wer kann heute behaupten, dass er sich ganz bestimmt anders verhalten hätte?

Surminski erzählt die Geschichte ohne Effekthascherei, mit fast schon provozierender Sachlichkeit. Manchmal scheint es, als hätte er den Stoff für einen ganzen tragischen Roman in einem kurzen Absatz verdichtet. Freilich, bisweilen folgt einer Szene eine Erklärung, die gar nicht notwendig wäre - als wollte er sicher gehen, dass der Leser wirklich verstanden hat.

Andererseits gibt es Sätze wie Außer den Krähen ist Birkenau vogelfrei.", die in ihrer Bildhaftigkeit und Mehrdeutigkeit einfach genial sind. Kein Aufschrei, keine hochdramatische Darstellung, die Verbrechen geschehen scheinbar nebenbei und ganz gewöhnlich. Der ganz alltägliche Wahnsinn eben... Aber genau das ist beeindruckend, verstörend und schmerzhaft, weil es unserem gewöhnlichen Alltag plötzlich so gefährlich nah zu sein scheint.

Das Buch hat Aufmerksamkeit verdient. Ich würde es in Schulen zur Pflichtlektüre erklären!
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Die unvergleichbare Unüberholbarkeit im Leid des anderen ' oder: Die Perfidie des normalisierten Schreckens, 23. November 2008
Rezension bezieht sich auf: Die Vogelwelt von Auschwitz (Gebundene Ausgabe)
Auf den ersten Blick verblüfft dieser Buchtitel. Er macht ratlos und führt zu erster handfester, emotionaler Zurückweisung. Denn es scheint, das es unmöglich ist! Man fragt sich: Kann es denn sein, dass einer, der über Ausschwitz schreibt, der einem SS-Mann als Protagonisten einen KZ-Häftling als Antagonisten gegenüberstellt, über die Vogelwelt von Auschwitz schreibt? Also den Völkermord mit ornithologischen Studien verharmlost? Der also all das einbettet in eine sonderbare Alltäglichkeit des KZ-Lebens? Muss das nicht notgedrungen, schon von der Anlage des Romans her zur Verharmlosung dessen führen, was wir seither mit Auschwitz verbinden: systematischer, bürokratisch organisierter und durchgeführter Völkermord?

Nein. Surminski belehrt den Leser, je mehr dieser in diesem Buch liest und vorankommt, eines anderen. Surminski lässt einen die alltägliche und damit bestialische Mentalität, die Normalität des Völkermords spüren, die Perfidie und den Wahnsinn, den kulturgeschichtlichen Ausverkauf, der darin steckt, der so ebenso eklatant wie maßlos ist, weil all das, bis in die Dialoge hinein, jeder Form der Humanität und Aufklärung widerspricht, Immanuel Kants Kategorischen Imperativ. Der aber aber gebildet und geschichtsverständigt gerierend daher kommt als stünde all das, was hier geschieht, die Erforschung der Vogelwelt von Auschwitz ebenso wie die medizinischen Versuche und Gaskammern dieser Lager, in der folgerichtigsten historisch-fachwissenschaftlichen Kontinuität Europas.

Bis in die Dialoge hinein ist das spürbar und macht das Buch zu einem Werk, das einen fassungslos zurücklässt. Weil es, bringt man als Leser diese Sensibilität auf, einem die Frage stellt, was sich seither in der emotionalen Kulturgeschichte der Völker wirklich geändert hat: Ob Ideologien und vermeintliche Wissenschaftlichkeit heute anders, gereinigter, aufgeklärter und humaner funktionieren? Und es bleiben einem, über dieser Frage brütend, doch an der einen oder anderen Stelle erhebliche Zweifel! Und so wird dieses Buch ebenso entlarvend für das, was damals in Auschwitz geschah, wie auch für das, was heute an Inhumanität in der Welt noch möglich ist, geschehen könnte; trotz dessen, was im Namen der Menschen schon geschah, schon heute zu den schlimmsten Erfahrungen der Menschheitsgeschichte gehört.

Damit wird Surminskis Buch nicht nur erhellend für die damalige Zeit. Es stellt eine wichtige Frage an den Leser, an alle von uns: ob die letztlich in jedem Menschen steckende Banalität des Bösen gebannt werden kann oder ob es in einer banalen, perfiden Alltäglichkeit auf die eine oder andere Art immer wieder in die Welt kommen muss. Insofern wurde Surminskis Buch für mich während meiner Lektüre zu einem großen Buch.

Meine Bewertung generell lautet: 5 Sterne = absolut herausragend; 4 Sterne = sehr gut, sehr zu empfehlen; 3 Sterne = wirklich gut, zu empfehlen; 2 Sterne = lesenswert, aber nicht ganz überzeugend; 1 Stern = abzuraten.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Dieses Buch hätte ich gerne im Schulunterrricht gelesen..., 19. August 2009
Rezension bezieht sich auf: Die Vogelwelt von Auschwitz (Gebundene Ausgabe)
In den aussagekräftigen Vor-Rezensionen wurde der Inhalt des Buches bereits gut und ausführlich dargestellt.

Der nicht fassbare Irrsinn von Auschwitz (und somit dem Holocaust) wird in den fiktiven Sichtweisen des SS-Mannes und Ornithologen Grote, sowie des internierten, dem Grote bei seinen ornithologischen Ausflügen um das Lager zeichnenden Kunststudenten Marek episodenhaft "am Menschen" skizziert.

Ich habe den Nationalsozialismus in der Schule über die Jahre mehrfach politisch, theoretisch beleuchten, an den geschichtlichen Eckpunkten unter die Lupe nehmen müssen. Nicht vehehlen will ich, dass ich mich dabei manche trockene Unterrichtsstunde gelangweilt habe. Dies ist aus der Sicht eines Erwachsenen und Vaters (der ich jetzt bin) wahrlich erschreckend, aber mit den Augen eines Jugendlichen meines Erachtens nachvollziehbar.

Mit diesem Buch gibt Arno Surminski Lehrern die äußerst seltene Möglichkeit, ihren Schülern das Wie / Warum anhand der hier agierenden Protagonisten (und nicht an "nüchternen, leblosen" Fakten und Theorien) auf der menschlichen Ebene zu vermitteln. Mir zumindest hätte dieses Herangehen sehr viel mehr zu denken gegeben, als es so in der Schulzeit anhand von Quellentexten tatsächlich der Fall war.

Bei mäßiger Lesegeschwindigkeit habe ich dieses Buch in vier Stunden durchgelesen...nicht aber verarbeitet !!! Es sollte sich daher also gut sowohl was die Vorarbeit eines Lehrers, als auch die Enge von Unterrichtsplänen angeht als bereichernder Perspektivwechsel für einen "lebendigen" Unterricht mit dem Thema Nationalsozialismus einfügen lassen.
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