Die vorliegende Einspielung der Violinsonaten stellt meiner Meinung nach nicht nur den Höhepunkt von Frau Mutters Mozart-Projekt dar, sondern nimmt auch einen besonderen Stellenwert in der Diskographie besagter Künstlerin ein. Zu ihrem Mozart-Projekt sagt sie, es sei eine tiefe Verbeugung vor Mozarts Genialität. Die Violinsonaten lassen mich gar einen Kniefall hören.
Ihr Spiel zeichnet sich durch absolute Präzision und eine unglaubliche Klarheit aus. Sie scheint hier schlankere Noten ohne ausufernde Verzierungen zu bevorzugen. Arroganz oder eitle Selbstinszenierung, von der andere Rezensenten geschrieben haben, konnte ich nicht entdecken. Im Gegenteil. Sich diese Sonaten anzuhören ist ein sehr intimes Erlebnis und man hat den Eindruck, dass Frau Mutter ihr ganzes Wissen und Talent in den Dienst der Mozartschen Kompositionen gelegt hat. Besonders KV 304 hat es mir angetan. So intensiv und ehrlich habe ich Musik seit langem nicht erlebt. Ich denke auch nicht, dass Mozart hier "gemacht", sondern vielmehr neu erforscht und befragt wurde. Frau Mutters Einsatz für zeitgenössische Werke hat auch ihre technischen Möglichkeiten vorangetrieben und diese klangliche Weiterentwicklung hilft dabei, den Violinsonaten einen ganz besonderen, ja modernen Charakter zu geben, ohne dabei jedoch ins Exzentrische zu verfallen. An dieser Stelle sei dann auch gesagt, dass man neue interpretatorische Wege natürlich nicht unbedingt lieben muss, sie allerdings auch nicht gleich als Zeichen musikalischer Ignoranz und Eitelkeit abstempeln sollte.
Lambert Orkis übernimmt seinen Part hervorragend und kann durch intelligentes, präzises und sensibles Spiel neben der Violinistin glänzen. Ihn als "getreuen Begleitdackel" zu bezeichnen zeugt da leider von wenig Respekt.
Ob Frau Mutters Interpretation der Violinsonaten "im Sinne Mozarts" ist, wage ich nicht zu beurteilen. Es gibt ohnehin nur einen Mann, der diese Frage letztendlich beantworten könnte. Leider ist er 1791 verstorben. Ich glaube aber auch nicht, dass eine solche starre Herangehensweise Sinn musikalischer Tätigkeit sein soll.
Ich für meinen Teil kann nur sagen, dass mich die Aufnahme der Violinsonaten von Anne-Sophie Mutter und Lambert Orkis berührt und fasziniert hat, ich auch bei wiederholtem Anhören ständig wundervoll Neues entdecke und mich somit immer wieder mit diesem großen Gesamtwerk auseinandersetze. Und das kann doch wohl nur im Sinne Mozarts sein...