Johannes Brahms war Kammermusiker mit Leib und Seele, da er vor allem in diesem Betätigungsfeld der klassischen Musik und in der Klaviermusik seine Stärken wähnte. Anders als in den anderen kammermusikalischen Gattungen gibt es in diesem Genre kein Frühwerk außer das Scherzo F. A. E. ("Frei aber einsam"), das er unter anderem mit Robert Schumann für den großen Geiger Joseph Joachim zu einem Ganzen zusammen komponierte. In seiner Thematik erinnert dieses ungestüme Stück an den dritten Satz aus Beethovens Fünfter.
Die drei Violinsonaten vollenden das, was Mozart schon beendet zu haben schien und was Beethoven dennoch weiterführen konnte. Es handelt sich um völlig in sich geschlossene, verkappte, man möchte fast sagen, naive Stücke von unendlicher Wärme, Liebe, Anmut und Schönheit. Sie erinnern an die wundervollen Kammermusiken Gabriel Faurés in ihrer Schlichtheit und Grazie.
Besonders die dritte d moll Sonate op. 108 zeichnet sich zudem durch tiefe Trauer und Melancholie aus. Die beiden anderen Sonaten (op. 78 G Dur und op. 100 A Dur) haben etwas zutiefst in sich Gekehrtes und Nostalgisches an sich, das verführt und gefällt.
Nachdem sich Brahms eigentlich schon zurückgezogen hatte und nicht weiter publizieren wollte, traf er auf den Meisterklarinettisten Mühlfeld, der ihn durch seine Kunst derart inspirierte, dass er seinem Entschluss untreu wurde und einige weitere großartige Kammermusiken komponierte, nämlich das Klarinettentrio a moll op. 114 und das geniale Klarinettenquintett h moll op. 115. Die beiden Sonaten op. 120, welche ursprünglich für Klavier und Klarinette konzipiert waren, für die Brahms aber auch die Alternativmöglichkeit für Viola angab, stehen eher etwas im Schatten der zwei großen Schwesterwerke. Das mag wohl insbesondere an ihrer Intimität und schweren Zugänglichkeit liegen, die große Effekte vermissen lassen.
Vielmehr wissen diese feinen, zarten und pittoresken Stücke durch ihre Einfachheit, ihre Stimmigkeit und - abermals - ihre Melancholie zu überzeugen. Die f moll Sonate halte ich wegen der Knappheit der Themen, der Fülle an Emotion und der verklärenden Elemente für eine der besten Kammermusiken Brahms und der Romantik. Die Es Dur Sonate mag als einzigen Makel aufweisen, dass sie eines wirklich langsamen Satzes leider gänzlich entbehrt.
Daniel Barenboim leistet Enormes durch seinen lyrischen, zarten Ausdruck und sein Gespür für die Tiefsinnigkeit dieser Stücke. Pinchas Zukerman tut es ihm gleich und zusammen führen sie den Hörer in ungeahnte Klangkosmen voller Liebe, Anmut, aber auch Melancholie und Trauer.