Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Dem "Doktor Faustus" zu vergleichen, 19. April 2006
In der "Ausgabe nach dem Nachlass" von Felix Stössinger 1953 unter dem Titel "Der Versucher" herausgegeben, erwies sich dieser große Roman Hermann Brochs auch für die Herausgeber als schwierig. Mehrere Fassungen hatten im Nachlass Brochs vorgelegen, in Gesprächen oder Briefen hatte Broch oft den "Berg"- oder auch "Gebrigs-Roman" erwähnt, als weiterer Titel wurde "Demeter oder die Verzauberung" verwendet, bezogen auf die Figur der Mutter Gisson in diesem großen Naturroman.
Der Roman selbst hat sehr viele Ebenen und ist in der Tat nicht leicht zu lesen und zu verstehen. Erscheint das Buch zunächst (und etwas abschreckend) als Heimatroman, verwandt möglicherweise dem Heimatkitsch der "Blut- und Boden"-Literatur, so werden schon bald immer mehr Störungen des Idylls erkennbar, dargestellt aus der Perspektive eines der Gesellschaft des geschilderten Bergdorfes nicht recht zugehörigen Landdoktors, eines Fremden, wie auch Broch als Fremder im Exil auf Deutschland blickte.Ein Exilroman ist dies nun ohne Frage und das Idyll der Naturlandschaft, die in wunderschöner Sprache meist zu Beginn und Ende der großen Kapitel im Wandel der Jahreszeiten eindringlich geschildert wird, erweist sich als brüchig, jedenfalls an der Oberfläche, an welcher der Marius erscheint, ein Verführer, der den Frieden im Dorf erheblich stört, so dass es zu immer weitreichnderen Auseinandersetungen und Sonderheiten kommt, einer Art Verhexung. Dies mag gewiss auf die unerklärlich scheinende Gestalt Hitlers verweisen; vieles deutet darauf hin, aber so eindeutig und banal ist es schließlich doch nicht. Die Anschauungen des Marius erweisen sich keineswegs als direkt auf den Nationalsozialismus übertragbar. Als eine Art "Erlöser" tritt er auf, der die stumpfsinnigen Dorfbewohner "verhext". Worum genau es in diesem Roman geht, bleibt lange unklar, und es csheint mir mehr zu sein als nur Gleichnis des Nationalsozialismus, sondern eher eine weitgefasste mythologische Betrachtung der menschlichen Gesellschaft in Zeit und Natur überhaupt. Von der Verwandlung der Natur ist viel die Rede, von Ehe und Sexualität, von Gold und Erz, um Religiöses geht es, um das Bauernleben, um Krankheit und Gesundheit, um Traum und Wirklichkeit. Weitreichende Erkenntnisse finden sich auf vielen Ebenen der Erzählung, so dass man sich beim Lesen lange mit Einzelnem beschäftigt und deswegen nicht schnell lesen kann. Etwa um das Altern, aber auch um Erfahrung von Zeit, also des Augenblicks, der Tiefe und des oberflächlichen Anscheins geht es viel. Aber v.a. darum, wie sich die Masse gegenüber dem "Verzauberer" verhält. Man lernt, "dass die Gewalt der Überzeugung, der Führung, des Mitreißens eigentlich vom menschlichen Vertrauen unabhängig ist, blutwenig mit diesem zu tun hat, nicht durch Vertrauen erworben werden kann, vielmehr demjenigen vorbehalten bleibt, der sich selber zur Idee macht, der die Abstraktheit der Idee in sich selber verkörpert ... und dass dies vor allem dem Narren gelingt und stets dem Narren gelingen wird..." Dem groeßen Werk von Elias Canetti "Masse und Macht" sind derartige massenpsychologische Einsichten zu vergleichen; auch der dunklen Magie in Thomas Manns "Doktor Faustus" ist sicherlich manches in diesem Roman nah verwandt. Es ist dies ein gewaltiges Buch, das Menschen erscheinen lässt wie Teile eines Gebirges, kein einfaches Buch, aber ein Roman, verfasst in einer makellosen Sprache, die sich keine Schwäche erlaubt, von mythischer Kraft und Bedeutung.
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9 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
erschreckende Beschreibung des Phänomens "Hitler", 24. September 2004
In dem 1954 erschienem Roman "Die Verzauberung", welcher zunächst unter dem Titel "Der Verführer" veröffentlich wurde, beschreibt der östereichische Philosoph, Psychologe und Mathematiker Hermann Broch das Phänomen des Hitlerismus, heute muss man wohl eher das Wort "Populismus" verwenden, denn Broch zeigt am Beispiel der Bevölkerung eines abgelegenem Bergdorfes, zu welchen verbrecherischen Taten ein Populist imstande ist, nur weil er es geschafft hat, die religiös/politischen Bedürfnisse der Bewohner des Dorfes zu verstehen und für seine Zwecke auszunutzen. Broch gelingt eine sehr ergreifende und gleichzeitig erschreckende Beschreibung dessen, was in Deutschland während der Nazizeit passiert ist und liefert sogar eine Möglichkeit der Erklärung des Phänomens, was Hitler bei den Deutschen zu seiner Zeit ausgelöst hat. "Die Verzauberung" ist ein ausgesprochen ergreifender Roman, der stellenweise erschreckt, aber das hat Hermann Broch ganz sicher gewollt. Tolles Buch!
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1 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Ein äußerst zäher Broch...äh Brocken., 27. Juni 2006
Vielleicht verstehe ich ja nichts davon. Aber was Broch einem hier aufgetischt hat, ist eine syntaktische Zumutung.
Wenn sich ein Broch'scher Satz einmal über zwei Seiten zieht, dann macht das Lesen keinen Spaß mehr. Und Broch scheint mit solchen verwirrenden Monstersätzen nicht sparen gewollt zu haben.
Und doch kann die Sprache Brochs die Handlung und Psychologie des Romans gut transportieren, vermutlich weil letztere ebenso verworren und anstrengend ausfällt.
Schleppend, träge und mühsam war mein Kampf mit der Verzauberung.
Dabei konnten mich weder die Handlung noch die Sprache Brochs verzaubern.
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