Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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44 von 49 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Weltgeschichtsschreibung par excellence, 20. April 2009
Es gibt keinen lebenden Zeitgenossen mehr, der das 19. Jahrhundert miterlebt hat. Deshalb handelt es sich bei diesem opulenten Werk von Jürgen Osterhammel um einen großen Glücksfall. Lassen Sie sich vom Umfang des Buches nicht abschrecken - Sie werden traurig sein, wenn Sie mit den gut 1300 Seiten durch sind (die über 200 Seiten Endnoten muss man ja nicht so gewissenhaft lesen...)
Mich hat die Lektüre von der ersten bis zur letzten Seite fasziniert. Osterhammel gelingt es hier in einer klaren und gut verständlichen Sprache die Quintessenz des 19. Jahrhunderts herauszuarbeiten. Der Stoff ist nie trocken oder langweilig. Man lernt eine Menge dazu, auch über vorhergehende und nachfolgende Epochen. Hier wird ein Jahrhundert nicht nach Schmema F abgearbeitet (Jahreszahlen, Ereignisse, Personen), sondern als faszinierendes Panorama vor unseren Augen entfaltet. Man erfährt eine Menge über den Alltag (z.B. typische Arbeitsorte, Schulen etc.), was ich immer besonders interessant finde.
Wichtig ist auch, dass es sich bei diesem Buch um eine Weltgeschichte handelt. Natürlich ist die Perspektive relativ eurozentristisch, weil Europa im 19. Jahrhundert eben eine außerordentlich wichtige Rolle gespielt hat, aber Osterhammel geht auch oft von China (er ist Chinaexperte) oder von anderen Ländern aus und zeigt so sehr eindrucksvoll auf, welche unterschiedliche Gewichtung einer Epoche in zwei verschiedenen Kulturkreisen zukommen kann.
In diesem Buch wird ein Jahrhundert lebendig, das eine Vielzahl bedeutender Veränderungen mit sich brachte.
"Die Verwandlung der Welt" ist nicht nur für Akademiker eine interessante Lektüre, sondern für alle, die sich für (Welt)Geschichte und Kulturwissenschaften interessieren.
Ich werde das Buch auf alle Fälle immer wieder zur Hand nehmen.
Sehr zu empfehlen!
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41 von 47 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein beeindruckendes Beispiel zeitgemäßer Weltgeschichtsschreibung, 13. April 2009
Jürgen Osterhammel ist Inhaber des Lehrstuhls für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Konstanz und hat sich in der Vergangenheit mit zahlreichen Veröffentlichung zur europäischen und auch asiatischen Geschichte nicht nur in der Fachwelt einen Namen gemacht, sondern darüber hinaus viele Leser gefunden in dem Kreis der Zeitgenossen, die sich für Geschichte, ihre Hintergründe und ihre Treppenwitze interessieren.
Im Unterschied zu den herkömmlichen Werken über das 19.Jahrhundert ( fast jeder renommierte Historiker, der etwas auf sich hält, hat über diese wichtige Epoche ein Buch veröffentlicht) hält sich Osterhammel nicht an den großen Gestalten fest, wenn der Anfang dieser Epoche beschrieben werden soll. Sein eingängiger und gleichzeitig systematisch-komplexer großer Entwurf einer Weltgeschichte des neunzehnten Jahrhunderts beginnt statt dessen mit der Erinnerung an ein Ende, nämlich den Tod von Darwins Schildkröte Harriet, die 2006 in Australien gestorben ist. Mit ihr, so Osterhammel sei der letzte, zwar stumme Zeuge des 19.Jahrhunderts nicht mehr unter den Lebenden.
Dies ist nicht die einzige Geschichte und Episode, mit der Osterhammel aufwartet, sondern er erklärt an vielen konkreten, sehr klug ausgewählten Beispielen den von ihm herauszuarbeitenden Charakter dieser Epoche, die die Welt verwandelte. Er drängt dem Leser nichts auf, eher bietet er es ihm an, was das Buch zu einer spannenden und über weite Strecken auch kurzweiligen Lektüre macht.
Es geht ihm nicht um Teleologie, sondern darum, gleichsam enzyklopädisch alle möglichen Veränderungen in allen Teilen der Welt zu erfassen, um schließlich zu fragen, in welche Richtung sie zeigten. Seine Überprüfung fördert immer wieder erstaunliche globale Parallelen zu Tage, aber auch deutliche Kontraste.
Er verdichtet diese Beobachtungen immer wieder zu raffinierten Analysen. Sie sind ein wahrhaft intellektuelles Erlebnis, bereiten ein großes Lesevergnügen. Von diesem noch relativ jungen Historiker, der schon jetzt ein beachtliches Werk vorzuweisen hat, darf man mit Fug und Recht in der Zukunft noch weitere Beispiele zeitgemäßer Weltgeschichtsschreibung erwarten.
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24 von 28 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein faszinierendes Mosaik, 19. April 2009
Es gibt wohl außer dem Autor nicht viele, die die 1568 Seiten dieses Buches von Anfang bis Ende gelesen haben. Man muss auch nicht alles lesen. Die brillanten einleitenden Überlegungen zur medialen, zeitlichen und räumlichen Wahrnehmung des 19. Jahrhunderts (z.B. Photographie, Uhr und Beschleunigung, Die Namen der Räume) sollte man sich allerdings nicht entgehen lassen.
Danach lässt sich jeder Ausschnitt aus den dargebotenen Panoramen (etwa 700 S.) und jedes der umkreisten Themen (ca. 400 S.) auch für sich oder in einer individuell gewählten Reihenfolge lesen. Strafkolonien, demographische Katastrophen, Seuchenprävention, Hafenstädte, Lohnarbeit, Alphabetisierung, Säkularisierung wo liest man sich fest in dieser geistreich und scharfsinnig berichteten, erzählten, analysierten Fülle? Besonders spannend wird es m. E. da, wo man als durchschnittlicher Bildungsbürger eigentlich schon einiges weiß aber es vielleicht noch nie in so einer so originellen globalen Synopsis zusammen-geschaut hat.
Etwa: Schwarze Sklaven in Nordamerika, natürlich, das kennen wir aus dem Englischunterricht, aus Vom Winde verweht und aus arte-Dokumentationen. Offizielle Ächtung 1888. Aber wer weiß schon, dass der Sklaventransfer von Afrika z.B. nach Brasilien oder in die Karibik mindestens so ausgeprägt war, ja, nicht abbrechen durfte, weil die Sklaven sich dort, anders als in den USA, nicht selbst vermehrten? Und dass Sklavenhandel und -haltung in Afrika selbst und bis auf die Arabische Halbinsel in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts noch einen weiteren Aufschwung nahmen und bis ins 20. Jahrhundert hinein dauerten?
Oder: Pferdebusse und Pferdetrams in New York oder Paris oder London. Selbst die ersten U-Bahnen wurden von Pferden durch die Tunnel gezogen. Ab 1888 (s.o.) fuhren die ersten elektrischen Straßenbahnen, die sepiafarbenen Photos kennen wir. Aber nicht die enorme Umwälzung, die nun stattfand, da Hunderte von Pferdeställen, Tonnen von Pferdefutter und Pferdemist und Berge von Tierkadavern kein logistisches Problem mehr waren.
Zwei kleine Mosaikteile. Hut ab vor Jürgen Osterhammels Gespür und Geduld, diesen riesigen Berg von Mosaiksteinchen zum langen 19. Jahrhundert zu sichten, zu ordnen und zusammenzufügen.
Diese Steinchen wiegen viel, alle in einem einzigen Buch von über anderthalb Kilo. Nicht gerade eine leichte, handliche Bettlektüre. Aber in drei oder vier Einzelbänden ließe sich nicht so herrlich schmökern.
P.S.: Ich habe alle 1568 Seiten gelesen. Sogar zweimal, denn ich habe das Opus maximum redigiert und Korrektur gelesen. Und war zweimal so fasziniert, dass ich mögliche Druckfehler (natürlich, die gibts immer) deshalb übersehen haben könnte.
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